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Gemeinsame Ausschusssitzung hatte Kokerei zum Thema

Am Dienstag, 18. Juni 2019, fand eine gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Umweltschutz und des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Familie im Ratssaal des Rathauses statt.

© Stadt Bottrop

Der Ausschuss für Stadtplanung und Umweltschutz und der Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Familie hatten am Dienstag, 18. Juni 2019, zu einer gemeinsamen Sitzung geladen. Einzige Tagesordnungspunkte waren die Untersuchungsergebnisse zur Immissionsbelastung im Bottroper Süde, Fragen der politischen Parteien zum Thema, sowie das Vorhaben von Steag und Arcelor Mittal auf dem Gelände ein Gaskraftwerk zu bauen.

Während der Sitzung demonstrierten Anwohner vor dem Rathaus, um auf die Situation in ihrem Stadtteil aufmerksam zu machen. Zu der öffentlichen Sitzung selbst waren zahlreiche Zuschauer gekommen, darunter eine starke Abordnung von Kokerei-Beschäftigten, die ihre Sorgen um ihre Arbeitsplätze zum Ausdruck brachten. Die Sitzung, die gemeinsam von den beiden Ausschussvorsitzenden, Renate Palberg (Sozialausschuss) und Bürgermeister Klaus Strehl (Umwelt- und Planungsausschuss), geleitet wurde, verlief trotz aller Emotionalität des Themas sachlich und in geregelten Bahnen.

Wie bereits beim runden Tisch am 3. Juni informierte Landesumweltamt, Bezirksregierung, Stadtverwaltung und Geschäftsleitung der Kokerei umfassend über den aktuellen Stand, über Untersuchungsergebnisse, Gegenmaßnahmen und technische Änderungen im Produktionsablauf der Kokerei.

Rederecht und Gelegenheit zu einem Statement hatten zuvor auch ein Sprecher der Bürgerinitiative und ein Mitarbeiter der Kokerei, der zugleich unmittelbarer Anwohner des Industriegebiets ist. Während der Sprecher der Bürgerinitiative noch einmal leidenschaftlich für die Verbesserung der Luftqualität im Hinblick auf die Staubbelastung und die Immissionen durch Benz(a)pyren und andere aromatische polyzyklische Kohlenwasserstoffe appellierte, rief der Vertreter der Kokerei-Beschäftigten zu einem fairen Umgang und zur Sachlichkeit auf. Insbesondere "Polemik" und eine "regelrechte Hetzjagd in den sozialen Medien" würden ihn und viele seiner Kollegen stark belasten. Gleichzeitig würden auch die Beschäftigten die Bemühungen der Kokerei unterstützen, die Situation für alle Anwohner zu verbessern.

Das Landesumweltamt stellte noch einmal Methoden und Ergebnisse der Untersuchung vor, die zu den Verzehrempfehlungen geführt hatten. Derzeit untersucht die Stadt Bottrop an den besonders belasteten Standorten den Boden. Erste Ergebnisse sollen am 11. Juli 2019 bei der geplanten Anwohnerinformation präsentiert werden. Auch Untersuchungen von Wasser sollen dort vorgenommen werden, wo besonders hohe Werte die Vermutung nahe legen, dass möglicherweise Schadstoffe in den Wasserkreislauf gelangt sein könnten. Bislang gibt es allerdings keinerlei Hinweise darauf und auch im Grundwasser wurden keine Auffälligkeiten gefunden.

Das Gesundheitsamt berichtete über Anfragen beim Landeskrebsregister in Bezug auf die Häufigkeit von Krebserkrankungen in Bottrop. Die Krebsneuerkrankungsrate sei bisher nur für die Gesamtstadt erfasst und lasse sich nicht auf den Bottroper Süden herunter brechen. Man prüfe eine genauere örtliche Zuordnung über einen Postleitzahlenschlüssel.

Für die Gesamtstadt sei nachgewiesen, dass das Krebsrisiko durchaus höher ist als im Landesdurchschnitt. Dies gelte aber vornehmlich für die männliche Bevölkerung. Hinzu komme, dass eine Erhöhung der Quote sich in einer Reihe von Städten des Ruhrgebiets nachweisen ließe. Das Problem der Gesundheitsdaten sei, dass sich aus ihnen keine kausalen Zusammenhänge etwa zu den Immissionen einer Kokerei ableiten ließe. Auch der Zeitpunkt von Immission und Krebsdiagnose sei problematisch, weil Krebs erst nach Jahren ausbreche und die Ursachen immer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren sei.

Vom Standpunkt der Gesundheitsvorsorge sei es aber unbedingt richtig und notwendig, die Zielwerte von 1 Nanogramm pro Kubikmeter Luft für Benz(a)pyren und andere aromatische polyzyklischen Kohlenwasserstoffe unbedingt einzuhalten und auch darüber hinaus die Immission dieser Stoffe unterhalb dieser Zielwerte zu bringen.

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