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Rauchen und Nikotin

Nikotin ist ein Inhaltsstoff der Tabakpflanze, die nach der Trocknung geraucht, seltener geschnupft oder gekaut wird. Lange Jahre war die Behandlung des Rauchers in der Versorgung suchtkranker Menschen kein Thema.
In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass das Rauchen für die Entstehung zahlreicher Erkrankungen verantwortlich zu machen ist. Zwischen 110.000 und 140.000 Todesfälle werden pro Jahr auf die Folgen des Tabakkonsums zurückgeführt.

Trotz zahlreicher Entwöhnungsangebote ist die Zahl der Raucher in Deutschland stabil geblieben. Zunehmend sind seit 1995 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren zum Rauchen gekommen. Es ist davon auszugehen, dass tabakbedingte Folgeerkrankungen in den nächsten Jahren weiterhin zu den wichtigsten Todesursachen gehören.

Risiken

  • Gefahr der psychischen und physischen Abhängigkeit
  • Durchblutungsstörungen, insbesondere der Herzkranzgefäße und äußeren Gliedmaße durch Verengung und Verkalkung der Blutgefäße
  • erhöhtes Krebsrisiko
  • Erkrankung der Atemwege

Das ist der Grund für den jetzigen Einstieg intensivster Information und Beratung als erste wirkungsvolle Maßnahme zur Motivation des Rauchers abstinent zu werden.

Wesentliche Inhalte der Anamnese des Rauchers sind:

  1. Die Zahl der Zigaretten pro Tag.
  2. Die Dauer des Konsums (Einstiegsalter).
  3. Die Zahl der Abstinenzversuche.
  4. Verwendete Hilfsmittel zur Beendigung des Tabakkonsums.
  5. Angaben zur Umgebung (rauchende Partner, Rauchverhalten am Arbeitsplatz).

Sechs bekannte Kriterien führen zur Diagnose einer Abhängigkeit:

  1. Zwanghafter Zigarettenkonsum.
  2. Eingeschränkte Kontrolle über das Rauchverhalten.
  3. Auftreten körperlicher Entzugssymptome.
  4. Eine Toleranzentwicklung.
  5. Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Substanzkonsums.
  6. Anhaltender Konsum trotz des Nachweises physischer oder psychischer Folgeschäden.

Sind drei dieser sechs bekannten Kriterien positiv, so ist die Diagnose der Abhängigkeit zu stellen.

Die Quantifizierung der Nikotinabhängigkeit ist als sinnvoll erwiesen. Mit Hilfe des Fagerström-Tests für Nikotinabhängigkeit kann nicht nur die Intensität der zu erwartenden Entzugssymptome nach Beendigung des Zigarettenkonsums, sondern auch der langfristige Abstinenzerfolg vorhergesagt werden. Stark abhängige Raucher (FTND > 6.) haben langfristig geringere Aussichten abstinent zu bleiben. Sie bedürfen einer intensiven medikamentösen und therapeutischen Unterstützung.

Typische Entzugssymptome (Schlafstörung, Konzentrationsstörung, Reizbarkeit, Aggressivität, Unruhe, Angst und Depressivität, vermehrte Appetit- und Gewichtszunahme) sollten erfasst und dokumentiert werden.

70 % der Raucher sind bereit, ihren Tabakkonsum in Frage zu stellen. Bezüglich der Motivation von Rauchern sollten

  1. die Relevanz (individuelle Bedeutung) aufgezeigt werden,
  2. die (individuellen) Risiken benannt werden,
  3. Vorteile des Raucherstopps verdeutlicht werden,
  4. alle genannten 4 Punkte bei jedem Folgekontakt wiederholt werden.

Nachweislich erhöht die Weiterbetreuung, die unter Umständen auch nur die Nachfrage nach den Fortgang des Abstinenzbemühens beinhalten muss, die Erfolgsaussichten. Die persönliche Bedeutung der Abstinenz ist wichtig zu betonen, die Risiken des fortgesetzten Tabakkonsums zu benennen und die positiven Konsequenzen der Abstinenz hervorzuheben sowie Befürchtungen und Ängste im Zusammenhang mit der Beendigung des Tabakkonsums zu besprechen und auszuräumen.

Es gibt zwei Methoden die auftretenden Entzugssymptome medikamentös zu unterdrücken. Medikamente erster Wahl sind Nikotinersatzpräparate (Nikotinkaugummi, Nikotinpflaster, Nikotinnasalspray sowie Nikotinlutschtabletten und Sublingualtabletten) sowie das Antidepressivum Bupropion. Als Mittel zweiter Wahl gelten Clonidin, Nortriptylin, beide Substanzen sind wie Bupropion rezeptpflichtig. US-amerikanische und deutsche Leitlinien zur Beratung des Rauchers und Behandlung der Tabakabhängigkeit empfehlen eine möglichst intensive (psycho-) therapeutische Begleitung des Rauchers in Verbindung mit einer temporären Nikotinsubstitution oder Gabe von Bupropion zur Minimierung der Entzugssymptome. Langfristig sind hierdurch Abstinenzquoten von 20 bis 35 % zu erzielen.

Folgende Regeln können helfen, die Abstinenz zu sichern:

  1. Der Abstinenzversuch sollte in einer stressfreien Zeit unternommen werden.
  2. Sämtliche Raucherutensilien sollten beseitigt werden.
  3. Typische Rauchsituationen sollten vermieden werden.
  4. Der Abstinenzwunsch sollte öffentlich gemacht werden.
  5. Die soziale Unterstützung sollte in Anspruch genommen werden.
  6. Vereinbarungen mit anderen Personen helfen dabei, in rückfallkritischen Situationen auf den Tabakkonsum leichter zu verzichten.
  7. Erfolge sollten immer belohnt werden.
  8. Um einer starken Gewichtszunahme entgegenzuwirken sollen Ernährungsempfehlungen gegeben werden, vermehrte sportliche Betätigung hilft positive körperliche Veränderungen leichter wahrzunehmen und das Gewicht stabil zu halten.

Langfristig sind hierdurch Abstinenzquoten von 20 bis 35 % zu erzielen. Im Gesundheitsamt können Sie ambulant eine Therapeutische Raucherentwöhnung in Anspruch nehmen. Die Kosten übernimmt Ihre Krankenkasse.

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