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Praktische Anleitung im Umgang mit Demenz

Die geistigen Bilder, die helfen, ein Konzept im Kopf zu erstellen, fügen sich bei Menschen mit Demenz nicht mehr recht zusammen. Der Demenzkranke hat Schwierigkeiten beim (logischen) Denken, beim Schlussfolgern und beim Treffen von Entscheidungen, d. h. Menschen mit Demenz haben Probleme bei der Konzeptbildung. Alte Erinnerungen machen wenig Probleme. Sie sind bei den Demenzkranken abgelegt und meist noch gut abrufbar. Neue Erinnerungen, d. h. neue Erfahrungen und Informationen werden häufig erst gar nicht richtig registriert und nicht ausreichend gut abgespeichert. Gefühle helfen dem Gedächtnis, das Ereignis abzuspeichern und es so in den Speicher für sogenannte „alte Information“ aufzunehmen. Folgende Kommunikationsprobleme werden von pflegenden Angehörigen häufig genannt:

Wie kann man auf Probleme bei der verbalen Kommunikation reagieren?

Es gibt kein absolutes Richtig oder Falsch wie man mit diesen Kommunikationsschwierigkeiten bei Demenz umgeht. Am besten ist es, wenn man nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum" handelt und dabei herausfindet, welcher Ansatz bei einer ganz bestimmten Person in einer ganz bestimmten Situation am besten wirkt. Kommentare oder Verhaltensweisen, die dem Pflegenden irrational erscheinen, stellen in Wirklichkeit den Versuch des Demenzkranken dar, den Wirrwarr im Kopf (die durcheinander gebrachten Konzepte und Bilder) zu entwirren und daraus einen Sinn zu machen oder den Versuch ,ohne diese Erinnerung richtig „zu funktionieren".

Es hilft dabei sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen , dass der Mensch mit Demenz sich gar nicht bewusst darüber ist, dass er etwas Falsches tut oder sagt, weil er Probleme mit den Gedanken und Bildern im Kopf hat.

Bezüglich der Handlungsstrategie sollte man nach dem Motto A B C verfahren.

A Vermeide Konfrontation (Avoid confrontation)

Menschen mit Demenz mit seinen Fehlern zu konfrontieren hilft gar nichts. Es wird einzig und allein eine schlechte Atmosphäre heraufbeschworen, die niemanden nützt. Unverbindliche Strategien sind bspw. Sätze wie: „Ich weiß nicht.“ Oder „Ach, wirklich.“ Die Pflegenden können solche Aussagen nutzen, um lange Diskussionen zu vermeiden oder um den Klienten nicht korrigieren zu müssen. Es ist wichtig, den Klienten nicht in die Irre zu führen, indem man absichtlich falsche Informationen gibt.

B Handle zweckmäßig (Be practical)

Manche kritische Situation ist vorhersehbar und sollte vermieden werden. Wenn sich Probleme herauskristallisieren gibt es meist eine praktikable Reaktion auf solche Situationen.

C Formuliere die Gefühle des Klienten und spende im Trost (falls er ärgerlich oder ängstlich ist). (Clarify the feelings and comfort)

Formulieren Sie die Gefühle des Demenzkranken, wenn er ängstlich oder aufgeregt ist. Das kann helfen, ihn zu beruhigen, z. B.: „Ich kenne das, es ist furchtbar, wenn einem ein Wort auf der Zunge liegt“.

Er stellt ständig die selbe Frage.

A Vermeiden sie Konfrontation
Bleiben sie unverbindlich. „Ich bin mir nicht sicher.“ - „Ich weiß es nicht.“

B Handle zweckmäßig
mit einfachen und kurzen Antworten und versuchen Sie die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Tätigkeit, z. B. Kaffee kochen, zu lenken.

C Formulieren Sie die Gefühle des Klienten und spenden Sie ihm Trost
„Es macht mir zu schaffen, dass du das Datum vergessen hast.“ Oder „Ich kann mich manchmal auch nicht gut an Termine erinnern.“

Er sagt Dinge, die einfach nicht wahr sind.

A Vermeide Konfrontation
„Du gehst doch gar nicht mehr arbeiten.“

B Handle zweckmäßig
Versuchen Sie etwas zu sagen, dass wahr ist, aber nicht das in Frage stellt und kritisiert, was gerade gesagt worden ist. Z. B.: „Es muss schön sein, pensioniert zu sein. Da muss man nicht mehr jeden Morgen so früh aufstehen.“ Oder „Ihr Job war sicher ziemlich interessant.“ Wechseln sie vorsichtig und sensibel das Thema.

C formuliere die Gefühle des Klienten und spende ihm Trost
„Sie vermissen ihre Arbeit wohl sehr? Sie muss sehr viel Spaß gemacht haben.“

Er hat Probleme damit, ein Gespräch zu beginnen und es laufen zu lassen.

Warum? Konzepte können im Gehirn nur schwer akzeptiert werden.

A vermeide Konfrontation
Sagen Sie niemals: „Sie sprechen nie mit mir.“ Oder „Wissen Sie denn dazu gar nichts zu sagen.“

B handele zweckmäßig
Versuchen Sie, an alte Erinnerungen und universelle Erfahrungen anzuknüpfen.

C formuliere die Gefühle des Klienten und sende ihm Trost
Z. B. „Manchmal weiß man einfach nicht, was man sagen soll.“

Er hat Probleme damit, einfache Entscheidungen zu treffen

Manchmal kann er sich nicht einmal entscheiden, was wir zu Abend essen sollen.

Warum? Konzepte von Lebensmitteln und Gerichten formieren sich einfach nicht im Kopf und die Person hat Schwierigkeiten, sich ein Bild über den Inhalt des Kühlschranks zu machen, Mahlzeiten vorzubereiten und Zutaten dazu sich vorzustellen.

A Vermeide Konfrontation
Sagen Sie nicht:“ Denk doch mal darüber nach, was wir heute Abend essen sollen.“

B Handle zweckmäßig
Machen Sie einen Vorschlag: „Sollen wir heute Fisch essen? Ich hätte Lust, Fisch zu essen.“

C Formuliere die Gefühle des Klienten und spende ihm Trost
Z. B.: „Manchmal weiß man einfach nicht, worauf man Appetit hat.“

Er hört nicht auf, über die Vergangenheit zu sprechen.

Warum? Er fühlt sich sicherer, wenn er über etwas sprechen kann, an das er sich gut erinnern kann.

A Vermeide Konfrontation
Sagen Sie nicht: “Nicht schon wieder die Vergangenheit.“ Oder:“ Das habe ich doch schon hundert Mal gehört:“

B Handle zweckmäßig
Wenn er die Vergangenheit und die Gegenwart vermischt, versuchten Sie vorsichtig, das, was er sagt, in den richtigen Kontext zu rücken. Z. B.: „Ja, das war vor einer langen Zeit. Da haben Sie in Düsseldorf gelebt.“

C Formuliere die Gefühle des Klienten und spende ihm Trost
Z. B.: „Das scheint Sie aber traurig zu machen.“

Er fängt an, über etwas zu spreche, und vergisst dann, worüber er gesprochen hat.

Warum? Er hat Probleme damit, Gedanken und geistige Vorstellungen festzuhalten.

A Vermeide Konfrontation
Sagen Sie nicht:“ Sie haben es schon wieder vergessen, denken Sie nach.“

B Handle zweckmäßig
Versuchen Sie, den Klienten daran zu erinnern, was er gerade gesagt hat, z. B.: „Sie haben mir über Ihre Ferien in Spanien erzählt.“

C Formuliere die Gefühle des Klienten und spende ihm Trost
Z. B.: „Es ist ziemlich nervenzehrend, wenn so etwas passiert, nicht wahr?“

Er schreit mich an und wird wütend.

Warum? Der Betroffene hat Schwierigkeiten mit den logischen Denkprozessen. Er hat Schwierigkeiten, die Welt aus dem Blickwinkel einer anderen Person zu betrachten.

A Vermeide Konfrontation
Nehmen Sie das Verhalten des Klienten nicht zu persönlich. Versuchen Sie, nicht darüber nachzudenken, wer denn nun schuld ist. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Der Betroffene vergisst die kritische Situation meistens sehr schnell. Handle zweckmäßig. Kritische Situationen sollen versucht werden vorauszusehen.

C Formuliere die Gefühle des Klienten und spende ihm Trost
Z. B.: „Es tut mir Leid, dass Sie so verärgert sind.“

Er vertauscht die Wörter.

Warum? Das Konzept ist für den Betroffenen unklar. Er kann das richtige Wort daher nicht finden.

A Vermeide Konfrontation
Lassen Sie den Fehler einfach unkommentiert.

B Handle zweckmäßig
Helfen Sie ihm, wenn der Klient bemerkt, dass er ein falsches Wort benutzt, helfen Sie ihm, das richtige Wort zu finden.

C Formuliere die Gefühle des Klienten und spende ihm Trost.
Z. B.: „ Ich weiß, es ist schrecklich, wenn man das richtige Wort nicht findet.“

Er müht sich so ab, Wörter zu finden

Warum? Der Klient kann in seinem Gehirn nicht die richtigen Wörter finden, die das ausdrücken, was er eigentlich sagen will.

A Vermeide Konfrontation
Sagen Sie nicht: “Sie kennen das Wort!“ Oder „Denken Sie doch mal nach!“

B Handle zweckmäßig
Helfen Sie, indem Sie das Wort eingrenzen. Z. B.: „ Hat es etwas mit dem Abendessen zu tun?“ Oder „ Hat es etwas mit dem Urlaub zu tun?“

C Formuliere die Gefühle des Klienten und spende ihm Trost
Z. B.: „Ich kenne das, es ist furchtbar, wenn einem ein Wort auf der Zunge liegt.“

Manchmal kann es auch gar nicht hilfreich sein oder sogar unangebracht sein, die Gefühle einer anderen Person zu formulieren.

Sollten Sie sich betroffen oder angesprochen fühlen, ist es jederzeit möglich, sich in der Sprechstunde des Gesundheitsamtes zu einem Gespräch anzumelden und/oder die Hilfe des Hausarztes oder Nervenarztes zu nutzen.

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