JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Ulrich Erben. Festlegung des Unbegrenzten

2. Juni bis 1. September 2019

Michael Wolf. Bottrop-Ebel 76

24. Februar bis 19. Mai 2019

Bernhard Fuchs. Justin Matherly. Tobias Pils –
Fotografie. Skulptur. Malerei

28. Oktober 2018 bis 27. Januar 2019

Ausstellung 2018: Josef Albers. Interaction

Eine Pressemeldung der Kulturstiftung Ruhr, 31. August 2017

Bernd und Hilla Becher. Bergwerke

4. Mai bis 23. September 2018

Jonas Weichsel. Parcours

28. Januar bis 22. April 2018

42. Jahresausstellung Bottroper Künstler

Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie.

Axel Hütte. Frühwerk

24. September 2017 bis 7. Januar 2018

Tobias Pils. Untitled (Room)
& Marfa Paintings

21. Mai bis 3. September 2017

Claus Goedicke. Dinge
Fotografien 2007 - 2015

19. Februar bis 7. Mai 2017

41. Jahresausstellung Bottroper Künstler

Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie.

Jerry Zeniuk. How to Paint

4. September bis 27. November 2016

Josef Albers. Fotografie.
Begleiter vom Bauhaus bis zu den späten Reisen

Ein Erwerb für die Sammlung des Josef Albers Museums

Hubert Kiecol. WeissGlasSchwarzRot

29. Mai bis 21. August 2016

Andreas Karl Schulze. B OT BO TBO T

21. Februar bis 8. Mai 2016

Miles Coolidge. Fotografien und Chemical Pictures

21. Februar bis 8. Mai 2016

Walker Evans. Tiefenschärfe. Die Retrospektive

27. September 2015 bis 10. Januar 2016

Sol LeWitt. Wall Drawing 1176. For Josef Albers
Seven Basic Colors And All Their Combinations
In A Square Within A Square

7. Juni bis 30. August 2015

Ricardo Saro. Calle de Madrid. Malerei

1. März bis 24. Mai 2015

Josef Albers. Grafik und Prozess

23. November 2014 bis 15. Februar 2015

Wade Guyton
Zum Projekt "25/25/25" im Josef Albers Museum

23. November 2014 bis 15. Februar 2015

Fred Sandback. Zeichnungen und Skulpturen

24. August bis 9. November 2014

39. Jahresausstellung Bottroper Künstler

Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie.

Bernhard Fuchs. Waldungen

11. Mai bis 10. August 2014

Josef Albers. First and Last
Homage to the Square 1950 – 1976

11. Mai bis 10. August 2014

Kunst als Erfahrung.
Josef Albers als Lehrer - der Maler und seine Schüler

15. Dezember bis 30. März 2014

Robert Adams: The Place We Live.
Retrospektive des fotografischen Werks

30. Juni bis 10. November 2013

Kurt Kocherscheidt. Im Fluss der Bilder. Malerei

24. März bis 16. Juni 2013

Josef Albers und Mexiko. Sieben Gemälde, 1936 bis 1957

Ein Erwerb für die Sammlung des Josef Albers Museums in Bottrop

Kazuo Katase. Gegenwart

16. September bis 9. Dezember 2012

Ian McKeever. Hartgrove. Malerei und Fotografie

3. Juni bis 2. September 2012

Simone Nieweg. Natur der Menschen. Landschaftsfotografie

12. Februar bis 27. Mai 2012

Gotthard Graubner. Gespräch mit Josef Albers

25. September 2011 bis 15. Januar 2012

Yuji Takeoka. Museo

3. Juli bis 11. September 2011

Malerei auf Papier. Josef Albers in Amerika

20. März bis 19. Juni 2011

Letzte Bilder. Ad Reinhardt

26. September 2010 bis 9. Januar 2011

Alexej von Jawlensky und Josef Albers. Farbe. Abstraktion. Serie

16. Mai bis 29. August 2010

Bernd und Hilla Becher.
Bergwerke und Hütten – Industrielandschaften

7. Februar bis 2. Mai 2010

Michael Venezia. Nacht wird Tag – Malerei

27. September bis 6. Dezember 2009

Josef Albers. Farbbeziehungen –
Studien und Malerei auf Papier 1940 – 1960

Ein Erwerb für die Sammlung des Josef Albers Museum

Raimund Girke. Farbe und Licht – Malerei aus fünf Jahrzehnten

5. Juli bis 20. September 2009

Bernhard Fuchs. Straßen und Wege

26. April bis 28. Juni 2009

John Szarkowski. Photographs

18. Januar bis 5. April 2009

Farbe, Material, Raum. Donald Judd und Josef Albers

29. Juni bis 28. September 2008

Judith Joy Ross. Living With War. Portraits 1983 – 2007

9. März bis 1. Juni 2008

James Bishop. Leinwand und Papier

16. Dezember 2007 bis 24. Februar 2008

Klaus Staudt. Amerikanische Zeichnungen

16. September bis 4. November 2007

Pia Fries. Malerei 1990 – 2007

26. August bis 28. Oktober 2007

Joachim Brohm. Ruhr

10. Juni bis 12. August 2007

Anni und Josef Albers. Begegnung mit Lateinamerika

11. März bis 3. Juni 2007

Anton Stankowski. Aspekte des Gesamtwerks

19. November 2006 bis 11. Februar 2007

Globus Dei. Der Ball und die Kunst

8. Juni bis 10. September 2006

Helmut Dorner. Malerei 1988 – 2005

9. April bis 28. Mai 2006

Sabine Funke. Gemälde. Skulptur.
Ein Raum für Luis Barragán.

14. Januar bis 12. März 2006

Sol LeWitt. Seven Basic Colors
And All Their Combinations
In A Square Within A Square.
Walldrawing for Josef Albers

4. September bis 27. November 2005

Carol Huebner Venezia. Boxers
Fotografien aus New York und Italien

4. September bis 20. November 2005

Ernst Hermanns. Skulpturen

22. Mai bis 14. August 2005

Giorgio Morandi. Landschaft

6. Februar bis 24. April 2005

Arno Schmidt. Vier mal vier – Fotografien aus Bargfeld

20. Februar bis 24. April 2005

Kimber Smith. Malerei 1956 – 1980

5. Dezember 2004 bis 6. Februar 2005

Ulrich Rückriem im Josef Albers Museum

18. Juli bis 10. Oktober 2004

Nicholas Nixon. The Brown Sisters

18. Juli bis 10. Oktober 2004

Jan Jedlicka. Maremma 1980 – 2001

2. Mai bis 27. Juni 2004

Agnes Martin. The Islands

14. März bis 16. Mai 2004

Albers in Bottrop. Die Sammlung in neuer Gestalt.

14. März 2004

Robert Adams. The New West

22. Februar bis 18. April 2004

James Ensor. Vision und Aufruhr

23. November 2003 bis 11. März 2004

Leo Erb. Ein Leben in Weiß

3. August bis 21. September 2003

Judith Joy Ross. Portraits in America

1. Juni bis 20. Juli 2003

Antonio Calderara. Hommage zum 100. Geburtstag

1. Juni bis 20. Juli 2003

Rolf Nolden. Prioritäten. Skulpturen und Zeichnungen

4. April bis 31. Mai 2003

Francisco de Goya. Die graphischen Zyklen

8. September bis 1. Dezember 2002

Klaus Staudt. Retrospektive 1957 – 2002

7. Juli bis 1. September 2002

Miyoshi Kazuyoshi. Weltkulturerbe in Japan

14. Juli bis 1. September 2002

Alfred Erhardt. Photographien

31. Mai bis 7. Juli 2002

Ben Willikens. Orte und Räume der Moderne

14. April bis 16. Juni 2002

Georg Tappert. Photographische Augenblicke eines Malers

5. April bis 26. Mai 2002

Lichtseiten

10. Februar bis 31. März 2002

Raimund Girke. Malerei 1956 – 1986

19. Oktober bis 30. November 1986

Hans Steinbrenner. Skulpturen 1982 – 1985

19. Oktober 1986 bis 30. November

Das Archiv befindet sich noch im Aufbau.

Ulrich Erben. Festlegung des Unbegrenzten

2. Juni bis 1. September 2019

Der 1940 geborene Ulrich Erben, der seit langem in Düsseldorf und Goch lebt, gehört zu den Klassikern der 'Farbmalerei' in Deutschland. Dabei geht es um eine Malerei, die der Farbe als Bildmittel alles unterwirft. Sie entwickelt aus ihr alle Ebenen des Bildes: die Form, die Linie, den Raum und das Licht.

Erben hat über die Jahre eine Bildsprache von großer Klarheit und Transparenz entwickelt: Es geht um einfache geometrische Formen und zurückgenommene Farben in feinen Übergängen. Erbens Malerei hat in den letzten Jahren eine nochmalige Vereinfachung und Verdichtung erfahren. Sie ist die Frucht einer künstlerischen Entwicklung, die über ein halbes Jahrhundert reicht. Man darf hier von einem wirklichen Alterswerk sprechen, das vor etwa zehn Jahren seinen Anfang nahm. Gleichzeitig ist dieses Spätwerk an die Anfänge des Künstlers, die Zeit um 1960, rückgebunden, als Erben mit sparsamen farbigen Zeichnungen in Italien erstmals auf sich aufmerksam machte. Auch ihnen ist diese Ausstellung gewidmet.

Auch wenn jede künstlerische Position einzigartig ist, sind Erbens Bilder doch prädestiniert für eine Begegnung mit der Malerei von Josef Albers. Dabei treten Unterschiede genauso wie Gemeinsamkeiten zutage.

Durch die Ausstellung wird noch einmal der Rang betont, den sich das Josef Albers Museum Quadrat als ein Ort erarbeitet hat, der wie wenige andere die Kunstform der Malerei in Geschichte und Gegenwart mit besonderer Genauigkeit untersucht.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop, den Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und den Sparkassenverband Westfalen-Lippe.


Ohne Titel 2018
Ulrich Erben, Ohne Titel, 2018
© Ulrich Erben

Michael Wolf. Bottrop-Ebel 76

24. Februar bis 19. Mai 2019

Der Fotograf Michael Wolf studierte seit 1972 an der Folkwangschule in Essen bei dem legendären Otto Steinert. Seine Abschlussarbeit, die er 1977 einreichte, trug den Titel „Die Lebensbedingungen einer Bergmannssiedlung am Beispiel von Bottrop-Ebel“.

Das Jahr zuvor hatte Wolf in Ebel verbracht und wurde dabei vertraut mit den Menschen, ihren Lebens- und Arbeitsbedingungen. Er fertigte eine Vielzahl eigener Bilder und stellte diese in den Kontext anonymen Fotomaterials aus dem Bottroper Stadtteil, das zwischen den 1930er und 50er Jahren entstanden war.

Die Arbeit zeigt das Leben in Ebel aus der Nähe. Öffentliches und Privates verbinden sich mit-einander. Sie ist getragen von einem soziologisch-dokumentarischen Impetus, was sich in solchen klar gefassten Kategorien wie „Bausubstanz“, „Jugendliche“, „Arbeitende Bevölkerung“ oder „Feste und Vereine“ zeigt. Das Ruhrgebiet stand damals mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel, der bis heute nicht zum Abschluss gekommen ist. Wolf aber war mehr daran interessiert, die Gefühle und Beziehungen der Menschen in dieser kleinen Gemeinde zu verdeutlichen, anstatt eine Analyse sozioökonomischer Umwälzungen zu versuchen. Dabei wählt er seine künstlerischen Mittel sorgfältig. Es geht um einen ästhetischen Anspruch, der nicht einfach Thesen illustrieren will. Vielmehr gelingt ihm eine Vielschichtigkeit der Bildsprache, in der das sorgfältig beobachtete Detail zum Symbol für die Lebenswirklichkeit der einfachen Menschen wird.

Michael Wolf arbeitete nach seiner Ausbildung zunächst als Fotojournalist. 1994 ging er nach Hongkong, wo er bis heute lebt, und war dort für das Stern-Magazin tätig. Seit 2003 versteht er sich als unabhängiger, autonomer Künstler, dessen Arbeit gleichwohl in der Tradition einer sozial engagierten Dokumentarfotografie verwurzelt bleibt. Sein Kernthema ist das Leben der Menschen in den großen, sich ständig verändernden Metropolen der heutigen Welt. Nun kehrt er nach über 40 Jahren zu den Anfängen seiner Laufbahn zurück und stellt im Josef Albers Museum Quadrat seine Bilder aus Bottrop-Ebel aus.

Kooperationspartner der Ausstellung war das Fotoarchiv Ruhr Museum, Essen.


Schornsteinfeger
Michael Wolf, Bottrop-Ebel 76 (ohne Titel)
© Michael Wolf / Fotoarchiv Ruhr Museum, Essen

Bernhard Fuchs. Justin Matherly. Tobias Pils –
Fotografie. Skulptur. Malerei

28. Oktober 2018 bis 27. Januar 2019


In dieser Ausstellung treten Fotografie, Skulptur und Malerei in einen Dialog. Was sie verbindet ist die Frage nach der menschlichen Figur, im Näheren die Beziehung zwischen Figuration und Abstraktion.

Bernhard Fuchs (Düsseldorf), Justin Matherly (New York) und Tobias Pils (Wien) suchen nach Lösungen jenseits einfacher Narration. Was man hier sieht ist zunächst nur das, was man sieht, und es geht nicht über den visuellen Befund hinaus. Diese Werke kennzeichnet eine dezidiert persönliche Handschrift, die nie auf feststehende Bedeutungen zielt, die umstandslos abrufbar wären. Worum es ihnen geht ist vielmehr die Frage genuiner Bildlichkeit, einer Aussage also, die sich je neu ausbildet, weil sie nicht vom Sichtbaren des Werks und seinem komplexen Wesen zu trennen ist. Alle diese Figurationen entstehen demnach aus einem abstrakten Denken und berühren so auch den Kern der Kunst von Josef Albers, die den Rahmen für diese Ausstellung bildet.


Maria
it is ok to limp
Figures 3
von oben nach unten:
Bernhard Fuchs, Maria, aus der Serie Lot, 2007-2017, C-Print,
© Bernhard Fuchs / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Justin Matherly, It's ok to limp, 2016, Beton, Gips, courtesy Künstler, Galerien Eva Presenhuber, Zürich / New York und Paula Cooper Gallery, New York /
Foto: Stefan Altenburger, Zürich, © Justin Matherly

Tobias Pils, Figures 3, 2018, Mixed Media auf Leinwand, courtesy Künstler, Galerien Gisela Capitain, Köln und Eva Presenhuber, Zürich / New York / Foto: Jorit Aust, © Tobias Pils


Ausstellung 2018: Josef Albers. Interaction

Eine Pressemeldung der Kulturstiftung Ruhr, 31. August 2017

DIE MAGIE DER FARBE

Josef Albers. Interaction – 16. Juni bis 7. Oktober 2018
Ausstellung in der Villa Hügel, Essen

Die Wirkung der Farbe in den Werken von Josef Albers ist kraftvoll und unverwechselbar. Linie, Farbe, Fläche und Raum interagieren miteinander, fordern die Wahrnehmung des Betrachters heraus. Albers' Serie "Homage to the Square", die mehr als 2.000 Bilder umfasst, wurde zum Markenzeichen des wegweisenden Künstlers, Lehrers, Kunsttheoretikers und Impulsgebers. In einer großangelegten Retrospektive wollen die Kulturstiftung Ruhr und das Josef Albers Museum Quadrat Bottrop Hauptwerke seines facettenreichen Schaffens in der Villa Hügel, Essen zusammenführen.

Mit Josef Albers. Interaction, 16.06. bis 7.10.2018, wird erstmals seit 30 Jahren wieder eine große Werkschau des in Bottrop geborenen Künstlers zu sehen sein. Gut 130 Arbeiten – der Hauptteil davon aus bedeutenden amerikanischen Sammlungen und dem Josef Albers Museum – werden im einstigen Wohnhaus der Industriellenfamilie Krupp gezeigt. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung – die 1968 ihre gemeinnützige Arbeit aufnahm – nimmt ihr 50-jähriges Bestehen zum Anlass, diese außergewöhnliche Ausstellung zu ermöglichen. Kurator ist Dr. Heinz Liesbrock, der Direktor des Josef Albers Museum Quadrat Bottrop.

Sehen lernen

Josef Albers erforschte die Farbe in ihrer künstlerischen Dimension. Er wollte Farbe denken, suchte nach ihrem Gewicht, diskutierte mit seinen Student/innen über ihr sich immer wieder veränderndes Gesicht und den Verlust aller Gewissheit: "Nur der Schein trügt nicht", schrieb er. Der einflussreiche Bauhausmeister steht für eine Kunst, die neu zu sehen lehrt. Die Ausstellung beginnt mit seiner Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau. Sie schlägt einen Bogen zu den Schwer­punkten der amerikanischen Jahre – zur Begegnung mit Mexiko und der Serie Homage to the Square. Gezeigt werden Malerei, Druckgrafik, Möbel, Gebrauchsgegenstände, Arbeiten in Glas, Fotografie und präkolumbische Skulpturen. Eine Gegenüberstellung von Renaissance-Skulpturen und Ikonen mit Gemälden von Albers verdeutlicht die geistig-spirituelle Dimension seiner Kunst. Beleuchtet wird ebenfalls die Wirkung von Albers auf die amerikanische Kunst der 1960er Jahre, die sogenannte Minimal Art.

Josef Albers

Josef Albers (1888-1976) – geboren und aufgewachsen im Ruhrgebiet – war zunächst Volksschul­lehrer, besuchte später die Kunstgewerbeschule Essen und kam über die Kunstakademie in München an das neugegründete Bauhaus, wo er zum Meister und stellvertretenden Direktor wurde. Lehre und künstlerisches Arbeiten waren für ihn untrennbar miteinander verknüpft. Als das Bauhaus unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen wurde, gingen Albers und seine Frau Anni Albers 1933, auf Einladung des legendären Black Mountain College, in die USA. Ab 1950 leitete er die Design Abteilung an der Yale University in New Haven. Er gilt als einfluss­reichster Kunstpädagoge seiner Zeit. Mit seiner Lehre hat er u.a. John Cage, Robert Rauschenberg, Donald Judd und Merce Cunningham beeinflusst.


HINTERGRUNDINFORMATION

Ort. Stiftungen. Aktivitäten.

Die über dem Ruhrtal in Essen gelegene Villa Hügel war von 1873 bis 1945 Wohnhaus der Familie Krupp und als wichtiger Repräsentationsort ein Teil ihres Unternehmens. Sie verfügt über 269 Räume und liegt in einem 28 ha großen Park. Seit 1953 finden in der Villa Hügel Wechselaus­stellungen, Konzerte und Veranstaltungen statt. Zudem beherbergt sie mit dem Historischen Archiv Krupp eines der umfangreichsten und ältesten Wirtschaftsarchive Deutschlands. Eine Dauerausstellung informiert über die Familien- und Firmengeschichte.

1984 gründete Berthold Beitz – bis zu seinem Tod 2013 Kuratoriumsvorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung – die Kulturstiftung Ruhr mit Sitz in der Villa Hügel. Ihr Auftrag: "dem kulturellen Leben im Ruhrgebiet neue Impulse zu geben". Für ihre vielbeachteten, internationalen Ausstellungen wählt sie kunst- und kulturhistorische Themen.

Heute ist die im ehemaligen Gästehaus ansässige, gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Eigentümerin des gesamten Hügel-Areals. Im Jahr 1968 nahm sie ihre umfang­reiche und vielfältige Fördertätigkeit auf. Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens ermöglicht sie 2018 die große Josef Albers-Retrospektive, kuratiert von Heinz Liesbrock. Das Ausstellungsprojekt ist eine Kooperation mit dem Josef Albers Museum Quadrat Bottrop.

Pressekontakt im Auftrag der Kulturstiftung Ruhr
Waltraud Murauer-Ziebach, +49 (0) 201 – 61 629 16, presse@villahuegel.de
Markus Mueller | BUREAU MUELLER, +49 (0) 30 – 20 188 432, MM@bureaumueller.com

homage
Josef Albers, Homage to the Square, 1964, Josef Albers Museum Quadrat Bottrop
© 2017 The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst

Bernd und Hilla Becher. Bergwerke

4. Mai bis 23. September 2018

Die Ausstellung ist Teil des Projekts Kunst & Kohle der RuhrKunstMuseen, an dem sich 17 Museen der Region beteiligen.

Mit der Schließung der Bottroper Zeche Prosper Haniel in diesem Jahr kommt die 250-jährige Geschichte des Kohlebergbaus in Deutschland an ihr Ende. Zu diesem historisch bedeutsamen Anlass zeigt das Josef Albers Museum Quadrat eine breit angelegte Ausstellung der Fotografen Bernd und Hilla Becher, die sich ihren Bildern von Zechenanlagen in Deutschland, Europa und den USA widmet.

Bernd und Hilla Becher (1931 – 2007 / 1934 – 2015) begannen bereits Anfang der 60er Jahre, Bergwerks- und Hüttenanlagen, deren Großgeräte und Funktionsbauten, zu fotografieren. Viele dieser Anlagen fielen schon bald dem Abriss anheim. Legendär ist etwa das Engagement der Bechers für die Zeche Zollern in Dortmund. In einer gemeinsamen Kampagne mit Denkmalschützern konnte die Zeche Anfang der 70er Jahre vor dem Untergang bewahrt werden. Das Datum markierte den Beginn eines neuen Bewusstseins für den historischen und künstlerischen Wert von Industriearchitektur.

Gleichwohl ist die Arbeit der Bechers nicht von einer dokumentarischen Perspektive allein bestimmt. Ihre Bilder eröffnen zugleich einen ästhetischen Horizont, der das Sichtbare verwandelt. Das Zweckmäßige der Dinge scheint ihnen eine eigene Authentizität zu verleihen, Schönheit wird zu einer Funktion des Nützlichen. Es geht in diesen Bildern auch um eine formale Pointierung: um Licht, Ausschnitt und den Standpunkt der Kamera. So gewinnt das Gespräch der Dinge miteinander ein Eigenleben, das sie fast surreal erscheinen lassen kann. In den Worten der Künstler: „Es sind im wesentlichen Bauten, bei denen Anonymität als Stilprinzip erkennbar wird. Ihre Eigentümlichkeiten sind nicht trotz, sondern wegen des Mangels an Gestaltung entstanden.“ (1970)

Gerade angesichts der besonderen Verbundenheit von Bernd und Hilla Becher mit dem Ruhrgebiet und seiner Schwerindustrie, wo sie seit Beginn ihrer Arbeit tätig waren, ist diese Ausstellung ein würdiger Beitrag zum Thema Kunst & Kohle.

Die Ausstellung wurde durch den Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und den Sparkassenverband Westfalen-Lippe gefördert.


Kunst & Kohle – Ein Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen

Wenn im Jahre 2018 die Steinkohleförderung in Deutschland ausläuft, endet damit mehr als ein bedeutender Industriezweig: Das Kapitel einer über 250 Jahre andauernden Geschichte, die insbesondere das Gesicht des Ruhrgebiets, das Selbstverständnis seiner Bewohner und die Entstehung seiner einmaligen Kunst- und Kulturlandschaft geprägt hat, schließt. Die RuhrKunstMuseen widmen sich mit einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt diesem bedeutsamen Einschnitt. Sie werfen damit nicht nur die Frage nach der kulturellen Dimension dieses Ereignisses auf, sondern reflektieren mitunter auch die mit der Industrialisierung der Region so eng verwobenen Entstehungsgeschichten ihrer Häuser.

17 RuhrKunstMuseen nehmen den Kohleausstieg zum Anlass für das größte städteübergreifende Ausstellungsprojekt, das je zu diesem Thema umgesetzt wurde. In 13 Städten werden von Mai bis September 2018 zeitgleich über die gesamte Region hinweg künstlerische Positionen gezeigt, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema „Kohle“ auseinandersetzen. Die Einbindung kulturhistorischer Exponate wird dabei ebenso eine Rolle spielen, wie die Präsentation künstlerischer Tendenzen und neuer Werke, die sich mit Zukunftsvisionen und Utopien befassen. Die von der Industrie geprägte Landschaft, die Beförderung der Kohle an die Erdoberfläche unter härtesten körperlichen Bedingungen, das Material Kohle an sich, der unprätentiöse und solidarische Menschenschlag, der Strukturwandel – all diese Facetten des Ruhrgebiets inspirieren und faszinieren Künstlerinnen und Künstler seit jeher. Nun sollen wiederkehrende inhaltliche und formale Elemente der Kunstwerke die einzelnen Ausstellungsorte zu einem großen Ganzen verbinden. Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm und Begleitveranstaltungen rahmten das Projekt, das dank der großzügigen Unterstützung der RAG Stiftung, der Brost-Stiftung, dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kunststiftung NRW realisiert werden konnte.

Becher
Bernd und Hilla Becher, Fördertürme, 1972-83
© Estate Bernd & Hilla Becher, vertreten durch Max Becher, courtesy Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – Bernd und Hilla Becher Archiv, Köln, 2018

Jonas Weichsel. Parcours

28. Januar bis 22. April 2018


Jonas Weichsel (*1982 in Darmstadt) war Meisterschüler an der Städelschule Frankfurt a. M. bei Judith Hopf und studierte zudem an der Kunstakademie Düsseldorf und der Kunsthochschule Mainz.

Mit Parcours präsentieren wir Weichsels erste institutionelle Einzelausstellung, in der er eine raumbezogene Arbeit vorstellt. Er geht in seiner Arbeit den komplexen Fragestellungen zu Materialität und Wirkung malerischer Mittel nach. Seinen Bildern wohnt eine trügerische Einfachheit inne, die ihre volle Kraft erst in der Betrachtung des Originals entfalten.

Der Künstler wird für die Räume der Modernen Galerie eine Rauminstallation entwickeln. Er denkt – wie er selbst ausführt – für Ausstellungen in Räumen und unterscheidet dabei als Maler zwischen dem bildinternen Raum und dem bildexternen Raum. Den bildinternen Raum des Werkes sieht er in der Metapher des 'Bildes als Fenster' definiert, unter dem Begriff des bildexternen Raumes fasst er das Bild als Material, das auf der Wand im Verhältnis zum Ausstellungsraum, dem umgebenden Licht und der Architektur betrachtet wird. Beide Raumkonzepte sind integraler Bestandteil seiner Arbeitsweise und werden als sich potenzierende Gestaltungselemente seiner malerischen Position mit- und gegeneinander austariert.

Im Oberlichtsaal des Josef Albers Museum wird Jonas Weichsel eine Wandarbeit ausführen, die in Bezug auf Josef Albers gedacht und entwickelt wurde. Die hier gezeigte Arbeit wird in Verbindung mit der Wahrnehmung eines abgeschlossenen Werks hinsichtlich konzeptueller Entwicklung und Farbphilosophie gesehen werden – ein vielstimmiges Gespräch, an dem jeder Besucher teilzunehmen eingeladen ist.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.


Parcours
Jonas Weichsel, Ohne Titel, 2010
Öl und Acryl auf Aluminium
Josef Albers Museum Quadrat, Bottrop
© Jonas Weichsel

42. Jahresausstellung Bottroper Künstler

Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie.

Einzelausstellung
Karina. LOVE

3. Dezember 2017 bis 7. Januar 2018

Alle in Bottrop geborenen, ansässigen oder arbeitenden Künstlerinnen und Künstler haben einmal im Jahr die Gelegenheit, ihre Werke im Museumszentrum Quadrat zu präsentieren. Die Auswahl erfolgt durch eine Jury – zusammengesetzt aus Vertretern der Stadt, Künstlern sowie Kunsthistorikern und einem Kunstkritiker.

KARINA, Malerin aus Bottrop, ist zum zweiten Mal im Rahmen der „Jahresausstellung Bottroper Künstler“ mit einer Einzelausstellung vertreten. Die erste, mit dem Titel „Geboren ‘65“, fand 2009 statt, die zweite mit dem Titel „LOVE“ ist 2017 im Museumszentrum Quadrat zu sehen.

Der Künstlername ist geschärft, der Titel Programm. Es geht um Liebe. Die Künstlerin tritt zumeist mit großformatigen Arbeiten vor ihr Publikum, schwelgt in Farbe und Opulenz, erzählt Geschichten aus ihrer Stadt von Frauen und Männern. Doch die bonbonfarbigen Bilder erzählen keine romantischen Geschichten. Tiefe Dekolletés, grell geschminkte Lippen und verrutschte Augenlider erzählen von Lust und Begehren, Eros ist allgegenwärtig und bestimmt die Gesten und Gespräche, die Treffen in Cafés, im Wohnzimmer, auf der Straße.

Zugleich gibt es Malereien, in denen geometrische Muster und Strukturen Ordnungen entwerfen, üppige schönfarbige Teppichmuster entstehen, doch auch hier bevölkern plötzlich Fragmente von Paaren oder Figuren den Rand der Malereien oder ergießen sich in einer All-Over-Struktur über das gesamte Bild. Die Sinnlichkeit eines Ornaments schlägt arabeskenhaft um in erotische Kunst, LOVE bildet den Fond von KARINAs Malerei.


Der Eintritt in diese Ausstellung ist frei.



LOVE
Karina, Love, 2017

Axel Hütte. Frühwerk

24. September 2017 bis 7. Januar 2018


Axel Hütte, der zu den ersten Studenten von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf gehörte, ist durch vielfache Ausstellungen weithin bekannt. Weniger hingegen weiß man von den Anfängen seines Werks und deren ästhetischen Schwerpunkten. Bereits früh entwickelte Hütte eine eigenständige Bildvorstellung, die ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren hat.

Die Ausstellung Frühwerk widmet sich dieser Zeit, den Jahren von 1978 bis 1995. Neben Portraits von Kollegen in Düsseldorf und Köln, die hier erstmals in größerem Umfang vorgestellt werden, interessierten Hütte damals insbesondere architektonische Formationen, wie Treppenhäuser und Flure in Mietshäusern der Nachkriegszeit, U-Bahnhöfe in Berlin, Gebäude und Plätze in London, Venedig und Paris; schließlich Landschaften in Italien, denen durch Fragmente von Architektur eine besondere Ordnungsdimension eingeschrieben wird.

So verschieden die Orte dieser Fotografien sind, zeigt sich in ihnen doch ein gemeinsames Darstellungsinteresse. Hütte geht es in der Architektur um eine Sicherheit der Form. Sie ist gekennzeichnet durch Geschmack und Stil und wird zum Zeichen einer Intensität, die die konkrete Gegebenheit übersteigt. Diese Architektur steht für einen ausdrücklichen Stilwillen, eine fraglos verbürgte historische Norm. Die Fotografien antworten hierauf mit einem gebremsten Ausdruck, der Vermeidung aller lauten sinnlichen Reize. Aus dieser Klarheit des Blicks entsteht ein verhaltenes Pathos. Die Disziplin der Form lässt Stil zum Ethos werden.

Zeitlich parallel zur Ausstellung in Bottrop zeigt das Museum Kunstpalast in Düsseldorf unter dem Titel Night and Day Landschaften und urbane Blicke Hüttes aus sieben Kontinenten von 1995 bis heute. So ermöglichen beide Ausstellungen einen Überblick der Entwicklung des Fotografen.
Axel Hütte. Night and Day - Stiftung Museum Kunstpalast
(23.9. bis 14.1.2018)

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die National-Bank AG.


Zur Ausstellung ist die Publikation Axel Hütte. Frühwerk mit Texten von Thomas A. Lange, Heinz Liesbrock und Thomas Weski im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen. (200 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 124 Abb. in Farbe und s/w). Preis: 38 Euro

Sonntag, 8. Oktober, 15 Uhr – Axel Hütte im Gespräch mit den Kuratoren Heinz Liesbrock und Thomas Weski


San Miniato
Museo Archeologico
oben: Axel Hütte, San Miniato, Italien, 1990
unten: Axel Hütte, Museo Archeologico, Venedig, 1985-87
© Axel Hütte

Tobias Pils. Untitled (Room)
& Marfa Paintings

21. Mai bis 3. September 2017

Tobias Pils (geb. 1971 in Linz) ist ein österreichischer Maler, dessen Arbeit in jüngerer Zeit zunehmend Anerkennung in Europa und den USA gefunden hat.

Mit einem Vokabular einfacher, flächiger Formen gelingt Pils ein eigener Ton. Seine Bildsprache greift rudimentäre Elemente einer Körperlichkeit von Menschen und Dingen auf, die sich zu spannungsvollen Verbindungen fügen. Dabei geht es ihm nicht um die Abbildung von Tatsachen der empirischen Welt, vielmehr zeigen die oft großformatigen Leinwände einen genuin malerischen Prozess: die Bildphänomene gehören ganz der Sphäre künstlerischer Form an. Die Eigenständigkeit der sinnlichen Erscheinung ist unbestreitbar.

Die Ausstellung im Josef Albers Museum ist Pils’ erste institutionelle Präsentation in Deutschland. Sie stellt zwei Werkgruppen vor, die im vergangenen Jahr entstanden sind: einen Raum mit 20 Tafeln, der für die Art Basel konzipiert wurde, und eine Gruppe von 12 Bildern, die vor der Landschaft in Südwest Texas entstanden, wo Pils im Herbst in der Ortschaft Marfa als Gast der Chinati Foundation weilte.

Zur Ausstellung erscheint in Kooperation mit den Galerien Gisela Capitain, Köln, und Eva Presenhuber, Zürich, im Verlag Koenig Books ein von Walter Nikkels gestaltetes Katalogbuch (80 Seiten mit 32 Abbildungen) mit Texten von Elena Brugnano, Heinz Liesbrock und Matthew Simms.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Egon Bremer Stiftung.



Oberlichtsaal
Moderne Galerie
Tobias Pils,
Blick in die Ausstellung Untitled (Room) & Marfa Paintings
© Tobias Pils / Foto: Werner J. Hannappel

Claus Goedicke. Dinge
Fotografien 2007 - 2015

19. Februar bis 7. Mai 2017

Claus Goedicke, der Schüler in der berühmten Klasse des Fotografen Bernd Becher in Düsseldorf war, interessiert sich in seiner Arbeit für die Wirklichkeit der Dinge. Es sind jene Dinge, die uns in unserem Alltag ständig umgeben, die wir aber kaum um ihrer selbst wahrnehmen. Salz, Seife, Seil und anderes tritt uns hier entgegen. Goedickes Blick entdeckt sie in ihrer eigenen, geheimnisvollen Wirklichkeit.

Zunächst arrangierte er diverse Plastikflaschen, in denen Flüssigkeiten abgefüllt werden, zu Stillleben, die als Konstellationen von Farben und Formen erscheinen. In der letzten Zeit konzentriert sich sein Blick nun auf einzelne Dinge unseres Gebrauchs, die er aus ihrem Kontext befreit und vor unterschiedlichen Hintergründen fotografiert. So wird das einzelne Objekt in besonderer Weise zum Sprechen gebracht.

Frontal aufgenommen beginnen diese Objekte, die im Gebrauch durch den Menschen zu ihrer Identität gefunden haben, ein Gespräch mit ihrer Umgebung, das genauso schweigsam wie vielsagend ist.

Vorgestellt werden 65 Fotografien der letzten Jahre in unterschiedlichen Formaten.

Zur Ausstellung ist im Verlag Schirmer Mosel das Buch Claus Goedicke. Dinge erschienen. Herausgegeben von Heinz Liesbrock, mit einem Text von Christoph Ribbat, 168 Seiten, 67 Farbtafeln im Format 25 × 34 cm.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.

Seife
Claus Goedicke, Seife, 2008
© Claus Goedicke

41. Jahresausstellung Bottroper Künstler

Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie.

Einzelausstellung
Wolfgang Fröhling. 76 bis 16. Auf Anfang zurück

11. Dezember 2016 bis 8. Januar 2017

Alle in Bottrop geborenen, ansässigen oder arbeitenden Künstlerinnen und Künstler haben einmal im Jahr die Gelegenheit, ihre Werke im Museumszentrum Quadrat zu präsentieren. Die Auswahl erfolgt durch eine Jury – zusammengesetzt aus Vertretern der Stadt, Künstlern sowie Kunsthistorikern und einem Kunstkritiker.

Der in Bottrop geborene Künstler Wolfgang Fröhling (1952*) bestreitet in diesem Jahr die Einzelausstellung im Rahmen der Jahresausstellung Bottroper Künstler 2016. Er wurde im letzten Jahr durch die Jury zum Preisträger ernannt.

Seit 2013 beteiligt sich Wolfgang Fröhling nach mehrjähriger Pause wieder an der Jahresausstellung und war hier mit seinen fotografischen Serien "Bewegte Landschaft", "Rausgestellt" und "Rundgang 2015" in den letzten drei Jahren konstant vertreten. Dabei konnte er die Jury stets mit mehreren Werken aus seinen Reihen für sich gewinnen.

Nach dem Studium (1973-1978) der Visuellen Kommunikation mit Schwerpunkt Grafik Design an der Fachhochschule Dortmund hat Wolfgang Fröhling 1982/83 Fotografie an der Folkwang-Hochschule in Essen studiert. Ab 1994 ist er wieder als Fotograf aktiv und seit 1999 auch Ausbildungsleiter und Dozent für Fotografie und Farbmanagement an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. 2006 erhielt Fröhling den Fotopreis des Projekts "Emscher:Zukunft" der Emschergenossenschaft und gehörte 2011 zu den fünf Preisträgern des Bridges-Fotoprojekts zum Thema "Trans/Form – Renatur". Auf der digitalen Plattform Pixelprojekt Ruhrgebiet ist Fröhling mittlerweile mit fünf fotografischen Positionen vertreten.

Fotografien zum Ruhrgebiet bilden den Kern des fotografischen Werks. Mit großer Intensität richtet Wolfgang Fröhling seinen Blick immer wieder auf die Industriekultur dieser einzigartigen Region sowie die Vergänglichkeit des Vorgefundenen. So sind die Berghalden aus der Serie "Bewegte Landschaft" für Fröhling nur noch "ein Relikt aus fast vergessenen Zeiten", "Berge aus taubem Gestein", ein "Erbe", ja eine "versunkene Kultur". Für den Blick des Fotografen bietet dieser Wandel einen Reiz und offenbart eine Ästhetik der Landschaft, die sonst vielleicht unbemerkt bliebe.

Weitere Serien wie "Hofkultur", "Türlauben" und "Rausgestellt" stellen – obwohl immer menschenleer – den Alltag der Menschen ins Zentrum, das was die Menschen ganz persönlich, manchmal spielerisch erschaffen haben. Mit seiner Auswahl Auf Anfang zurück trägt Wolfgang Fröhling diesem Wandel der Region und des eigenen Werks Rechnung.



Hofkultur
Wolfgang Fröhling, o.T., Bottrop, 2004-2006 (aus der Serie Hofkultur)

Jerry Zeniuk. How to Paint

4. September bis 27. November 2016

Jerry Zeniuk (geb. 1945) hat in über vierzig Jahren ein eigenständiges malerisches Werk geschaffen. Im Zentrum steht dabei stets die Farbe in ihren vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten. Farbe steht hier ein für Emotion, die jedoch nur durch Struktur und Form zur Objektivität findet, zu einer Bildsprache wird, die fähig ist, mit dem Betrachter zu kommunizieren. Zeniuks Bilder suchen Gleichgewicht und Harmonie, ohne dabei Widersprüche auszuschließen. Es geht um eine Malerei in der Tradition Tizians, Cézannes und Mondrians, die sich den nie erledigten Fragen des Mediums widmet, dem komplexen Zusammenhang zwischen Setzungen, Formen und Farben.

Die Ausstellung im Josef Albers Museum Quadrat führt Beispiele aus der Produktion der beiden letzten Jahrzehnte zusammen. Gerade im Zusammenhang mit der Malerei von Josef Albers zeigen diese Bilder ihre Eigenart.

Zeniuk hat sich in Vorträgen und Aufsätzen regelmäßig zu Fragen der malerischen Praxis geäußert. In jüngerer Zeit hat er noch einmal in einem grundlegenden Essay seine Überlegungen zur Problematik des Bildes und zur Geschichte und Gegenwart der Malerei aufgeschrieben. Dieser Text, How to Paint, erscheint nun anlässlich der Ausstellung in einer zweisprachigen Ausgabe (dt./engl.).

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kunststiftung NRW und die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.



How to Paint
Jerry Zeniuk, Untitled Nr. 115 NYC, 1987/88
© Jerry Zeniuk / Foto: Werner J. Hannappel

Josef Albers. Fotografie.
Begleiter vom Bauhaus bis zu den späten Reisen

Ein Erwerb für die Sammlung des Josef Albers Museums

Josef Albers’ fotografisches Schaffen ist bis heute wenig bekannt. Dennoch hat es erhebliche Bedeutung in seinem Werk, berührt ästhetische Fragen, die er auch in anderen Medien aufgreift. Zugleich stellt es einen eigenen Beitrag zur Geschichte der Fotografie im 20. Jahrhundert dar. Sein Interesse gilt besonders der Natur und Architektur, dem Portrait und der sakralen Kunst. Dabei dient die Untersuchung formaler Fragen immer auch der Klärung lebensweltlicher Phänomene.

Dieser bedeutende Ankauf umfasst 28 fotografische Montagen, deren früheste Albers während seiner Tätigkeit am Bauhaus in den späten zwanziger Jahren schuf. Albers nutzte das Medium der Fotografie fast lebenslang, immer wieder hat er während längerer Arbeitsphasen intensiv fotografisch gearbeitet: nach der Zeit am Bauhaus und der Emigration in die USA auch zwischen 1935 und 1950 in Mexiko und Peru, schließlich 1953/54 in Süddeutschland, als er an der Hochschule für Gestaltung in Ulm unterrichtete.

Mit dem Ankauf dieser Fotografien wird eine Leerstelle geschlossen. Erst jetzt ist es möglich, Albers’ künstlerisches Werk – Malerei, Arbeiten in Glas, Gravuren und Druckgrafik - in Bottrop umfassend vorzustellen. Zugleich bedeuten die Fotografien eine Bereicherung der europäischen Museumslandschaft, die solche Werke bislang nicht verwahrt hat.

Die Werkgruppe konnte erworben werden mit Unterstützung der Kunststiftung NRW, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Landes Nordrhein-Westfalen. Weitere Mittel kommen von den Sparkassen in Westfalen-Lippe und der Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.



Autostraße
Josef Albers, Autostraße im Paznauntal VII, 1930
Silbergelatineabzüge auf Karton montiert
Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung
© The Josef and Anni Albers Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Hubert Kiecol. WeissGlasSchwarzRot

29. Mai bis 21. August 2016

Hubert Kiecols Skulpturen lassen sich als ein Echo von Architektur beschreiben. Aus Glas, Beton und Stahl entstehen Typen von Häusern, Giebel- und Treppenformen. Sie werden zu bildhaften Zeichen, die trotz der anonymen Materialien fein gefügt sind und auf unvergleichliche Weise eine Atmosphäre entstehen lassen.

Obwohl die Form – das Kunstwerk in seiner Materialität – sich mit dem Betrachter im selben physischen Raum befindet, eröffnet sie in ihrer labilen Maßstäblichkeit und der Verweigerung jeglicher Funktionalität doch einen Vorstellungsraum, der frei scheint von empirischen Bedingungen. In Kiecols eigenen Worten: "Es sind einfache, alltägliche Dinge, mit denen ich umgehe. Die Arbeit ist die Umsetzung, die Form zu finden. Letztlich geht es mir um Konzentration durch Genauigkeit, die keinen Nutzen hat."

Hubert Kiecol, geboren 1950 in Bremen, ist einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Skulptur in Deutschland. Sein Werk prägt seit vielen Jahren die Entwicklung der aktuellen Bildhauerei. Für seine Ausstellung im Josef Albers Museum hat Kiecol eine eigene Architektur des Ausstel­lungsraums entwickelt.


Skulpturen
Kiecol_Quadrat
Hubert Kiecol,
Blick in die Ausstellung WeissGlasSchwarzRot
© Hubert Kiecol/Foto:Werner J. Hannappel, VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Andreas Karl Schulze. B OT BO TBO T

21. Februar bis 8. Mai 2016

Andreas Karl Schulze ist Maler, doch seine Werke sind nicht Malerei im traditionellen Verständnis. Unmerklich aber ziehen sie eine Essenz aus ihr. In ihnen erscheinen klare Farben in der Form kleiner, immer gleich großer Quadrate, die an den Wänden der Ausstellungsräume aufgebracht werden. Ihr Muster ist dabei unregelmäßig, intuitiv gesteuert und stützt sich auf die konkrete Anschauung innerhalb eines längeren Schaffensprozesses. So entsteht aus Ordnung Bewegung und die Leere und Weite eines Raumes wird zum Grund einer Neuschöpfung. In seiner Wahrnehmung und Reduktion zeigt Andreas Karl Schulze sich als ein idealer Gesprächspartner für Josef Albers und seine Huldigung an das Quadrat.

Die Wandarbeiten werden flankiert von skulpturalen Arbeiten – Farbmodule, die auf Sperrholztafeln aufgebracht sind und sich frei stehend im Raum befinden.

Zur Ausstellung ist eine Publikation im Snoeck Verlag, Köln erschienen.



B OT BO TBO T
Andreas Karl Schulze, Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, 2015,
bemalte Baumwollquadrate, je 5 x 5 cm, auf Sperrholz
© Andreas Karl Schulze

Miles Coolidge. Fotografien und Chemical Pictures

21. Februar bis 8. Mai 2016

Die vier großformatigen Fotografien von Miles Coolidge können als Fortsetzung einer Serie gelten, in der er sich mit dem Thema ›unbeabsichtigte Folgen der industriellen Revolution‹ auseinandergesetzt hat. Seine Recherchen führten ihn in die Kohleflöze von Prosper-Haniel in Bottrop, das letzte aktive Bergwerk im Ruhrgebiet. Seine leidenschaftliche Beschäftigung mit dem fotografischen Material überzeugte ihn, Ruß – als industrielles Nebenprodukt der Verbrennung von Steinkohle – im Druckverfahren für die zu zeigenden Fotografien einzusetzen.

Der Herstellungsprozess der Chemical Pictures leitet sich aus der Arbeit Friedlieb Ferdinand Runges ab, einem Chemiker aus dem 19. Jahrhundert, der für die Entdeckung der Synthese der ersten künstlichen Farben aus Nebenprodukten der Kohleverarbeitung bekannt wurde. Es sind aus chemischen Prozessen künstlicher Farben sozusagen ›von selbst gewachsene Bilder‹, deren Entstehungsprozess vom Künstler lediglich beobachtet werden kann.



Chemical Picture
Miles Coolidge, 8.1 - 1) 3 Theile schwefelsaures Kupferoxyd 1:12. 1 Theil schwefelsaures
Eisenoxyd 80. B. - 2) Schwefelsaures Ammoniak 1:8. - 3) Gelbes Cyaneisenkalium.
aus der Serie Chemical Pictures
© Miles Coolidge

Walker Evans. Tiefenschärfe. Die Retrospektive

27. September 2015 bis 10. Januar 2016

Walker Evans. Tiefenschärfe. Die Retrospektive wird nach der großen MoMA-Ausstellung 1971 und der Ausstellung im Metropolitan Museum im Jahre 2000 die bis dato umfassendste Retrospektive des herausragenden Fotografen (1903-1975). Zugleich ist Walker Evans. Tiefenschärfe die erste Walker Evans-Ausstellung dieses Anspruchs, die in Europa startet.

Die Ausstellung bringt mehr als 200 Fotografien in vintage- oder lifetime-Qualität zusammen, die aus den wichtigsten fotografischen Sammlungen der USA, wie dem Museum of Modern Art, dem Metropolitan Museum, der Yale University Art Gallery, und bedeutenden Privatsammlungen in den USA und Europa zur Verfügung gestellt werden. Damit werden alle wichtigen Werkgruppen von Walker Evans komplett oder mit herausragenden Beispielen vertreten sein. Nicht nur die ikonischen Arbeiten für die Farm Security Administration (1935-1936), auch Cuba (1933), Many Are Called (1938-41), und das Fortune Magazin wie auch Evans späte Polaroid-Porträts zeigen, wie er sich systematisch über Jahrzehnte und mit den jeweils aktuellen technischen Möglichkeiten einem Thema gewidmet hat. Neben dem Porträt war zum Beispiel auch sein Interesse an Werbegrafik, Schildern und Typografie seit den späten 20er Jahren und bis unmittelbar vor seinem Tod ein immer wiederkehrendes Motiv. Seine Bildfindungen zu diesen Wahrzeichen der Moderne spiegeln die Idee des objet trouvé und haben offensichtlich die spätere Pop Art beeinflusst. Die zeitlose Arbeit an dem, was Evans selbst das Wiedererscheinen der Fotografie nannte, gilt es ebenso zu entdecken wie den außerordentlichen Einfluss, den die Literatur, vor allem die französische, auf seine Arbeit hatte. Nicht umsonst ist sein vielleicht bekanntestes Projekt, das Buch American Photographs (1938), ein Beleg dafür, dass Fotografie in Evans' Worten "... die literarischste aller grafischen Künste ..." ist.

Das Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop arbeitet seit längerem mit dem High Museum of Art in Atlanta an dem Projekt. Dabei wurden sie wesentlich von John T. Hill unterstützt, einem eminenten Kenner des Evansschen Werkes, der nicht nur umfangreich zu Evans publiziert hat, sondern auch bis 1994 der vom Künstler selbst bestimmte Nachlassverwalter war.

Die Bedeutung von Walker Evans für die Fotografie und Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts kann kaum überbewertet werden, freuen wir uns gemeinsam auf die Ausstellung, die im Anschluss an Bottrop im High Museum of Art, Atlanta (19. Juni bis 11. September 2016) und der Vancouver Art Gallery (29. Oktober 2016 bis 22. Januar 2017) zu sehen sein wird.

Zur Ausstellung ist im Prestel Verlag eine umfassende Monografie zum Werk von Walker Evans in deutscher und englischer Sprache erschienen, hrsg. von John T. Hill und Heinz Liesbrock, 408 S., 260 Abb. in Duotone, 90 Abb. 4fbg. Mit Textbeiträgen von John T. Hill, Heinz Liesbrock, Jerry L. Thompson, Alan Trachtenberg und Thomas Weski. Preis im Museum: 58 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Terra Foundation for American Art und The Josef and Anni Albers Foundation.



Barbershop Vicksburg
Walker Evans, Barber Shop, Southern Town, 1936

Sol LeWitt. Wall Drawing 1176. For Josef Albers
Seven Basic Colors And All Their Combinations
In A Square Within A Square

7. Juni bis 30. August 2015

Sol LeWitts Wall Drawing 1176 ist ein Wandgemälde, das der amerikanische Künstler (1928 bis 2007) kurz vor seinem Tod Josef Albers und dessen Kunst widmete. Das Werk wurde für die Architektur des Josef Albers Museums in Bottrop konzipiert und nimmt dessen architektonische Bedingungen in seiner Struktur auf. LeWitt bekennt sich damit zu dem erheblichen Einfluss, den Albers um 1960 auf seine eigene Vorstellung des künstlerischen Werks hatte. Es ist insbesondere die der Farbe innewohnende räumliche Dynamik, die dabei zur Sprache kommt, ihre dauernde Wandlung zwischen Flächigkeit und Tiefe.

Diese Hommage an Josef Albers durch einen der zentralen Protagonisten der amerikanischen Kunst seit 1960 ist beispielhaft für den unmittelbaren Einfluss, den der Deutsche, der seit 1933 in den USA lehrte und arbeitete, durch seine besondere Kunstvorstellung auf eine jüngere Generation dortiger Kollegen hatte. Es geht dabei um die Berücksichtigung handwerklicher Gesichtspunkte im künstlerischen Prozess, die Rücknahme einer emphatischen Autorvorstellung und die Überwindung eines hierarchischen Kompositionsmodells. Überhaupt war eine Versachlichung des Werkbegriffs das Thema. Damit gelang die Überwindung der Ausdrucksemphase des Abstrakten Expressionismus.

Dennoch wird dieses Wandgemälde von Sol LeWitt, das nach 2005 nun zum zweiten Mal realisiert wird, von einer unmittelbaren Sinnlichkeit getragen. Es geht um die stille Größe einer Folge vorab festgelegter Farben, die gleichwohl eine Vorstellung transzendenter Schönheit wachrufen.

Auch ich möchte universale Schönheit schaffen. (…)
Ich möchte etwas machen, das ich mich nicht
schämen müsste, es Giotto zu zeigen.    Sol LeWitt

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Egon Bremer Stiftung.


Wall Drawing 1176
Sol LeWitt. Wall Drawing 1176. For Josef Albers
Foto © Laurenz Berges / VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Ricardo Saro. Calle de Madrid. Malerei

1. März bis 24. Mai 2015

Ricardo Saro, der 1947 in Santander/Spanien geboren wurde, lotet in seiner Malerei mit großer Konsequenz die Bildmöglichkeiten der Farbe aus. Dem weiten Spektrum einer Untersuchung der Farbe als eigentlichem Bildagens, wie es die Malerei in Europa und den USA seit langem kennzeichnet, fügen Saros Gemälde eine unverwechselbare Facette hinzu. Sie unterstreichen, dass die Farbe nach wie vor ein unerschöpfliches Medium der Malerei ist.

Gegründet in einem durch lange Praxis entstandenen künstlerischen Selbstbewusstsein, gelingt es Saro, sich der Eigenbewegung der Farbe, die letztlich keiner Planung gehorcht, zu überlassen. Dabei gilt es, der ständigen Wandlung, die zum Wesen der Farbe gehört, doch eine Form und Stabilität zu geben, die sie erst als Kunst sprachfähig macht. Die gesättigten Töne in Saros Gemälden, die aus einem Schwanken zwischen Transparenz und Verdichtung entstehen, reichen über den bloßen sinnlichen Schein hinaus und lassen die Farben als »Wesen reiner Vernunft« (P. Cézanne) erscheinen, mit denen wir in ein Gespräch eintreten können.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.


Diaphan
Ricardo Saro, Diaphan, 2014
© Ricardo Saro / Foto: Anne Pöhlmann

Josef Albers. Grafik und Prozess

23. November 2014 bis 15. Februar 2015

The performance – how it is done –
that is the content of Art. Josef Albers

Während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn engagierte sich Josef Albers auch im Feld der Druckgrafik und schuf Auflagen von Linol- und Holzschnitten, Lithografien und Siebdrucken. Er schätzte die handwerkliche Dimension des druckgrafischen Verfahrens genauso wie die Möglichkeit, seine Kunst einem breiteren Publikum erreichbar zu machen.

Albers plante diese Arbeiten sorgfältig und setzte sie auf höchstem technischen Niveau um. Dabei waren Linie und Farbe die primären Bildmittel.

Diese Ausstellung untersucht erstmals den kreativen Prozess der Druckgrafik bei Albers, indem sie vielfältige Studien und die aus ihnen entstandenen Werke zusammenführt. Der zeitliche Bogen reicht dabei von frühen, zeichnerisch bestimmten Naturstudien, die vor dem Eintritt in das Bauhaus entstanden, bis zu emphatischen Farbabstraktionen der Serie Homage to the Square, die das Werk des reifen Künstlers bestimmen.

Zur Ausstellung wird der Katalog Josef Albers: Process and Printmaking (1916–1976) (in engl. Sprache) zum Preis von 14 Euro angeboten.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit The Josef and Anni Albers Foundation.

1976-2-249
Josef Albers, Ohne Titel, ca. 1936, Öl auf Löschpapier, 48,6 x 60,9 cm
© The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Wade Guyton
Zum Projekt "25/25/25" im Josef Albers Museum

23. November 2014 bis 15. Februar 2015

2014 feierte die Kunststiftung NRW ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ermöglichte sie 25 ausgewählten Museen des Landes ein Zusammentreffen mit 25 internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Für das Josef Albers Museum lud eine Expertengruppe den in New York lebenden Wade Guyton (1972) ein, sich mit der Sammlung von Werken Josef Albers’ auseinanderzusetzen.

Guytons Arbeit knüpft an der Tradition der künstlerischen Moderne an, die ihre Kulminationspunkte in der Malerei der ‚New York School’ und in der Minimal Art hatte. Mit sparsamem Bildvokabular werden hier die Differenzierungsmöglichkeiten einer Sprache des Visuellen untersucht. Bei den Arbeiten von Wade Guyton wird zugleich der Status des künstlerischen Subjekts auf den Prüfstand gestellt, denn der kreative Prozess wird abgekoppelt von der malenden Hand. Guyton programmiert seine Bildvorstellungen an einem Computer und überträgt die Daten anschließend auf eine klassische Leinwand, um ihnen eine haptische Gestalt zu geben.

Der Künstler schuf für die Ausstellung im Josef Albers Museum vier Arbeiten, die in das Feld der Werke von Albers integriert werden und einen Dialog mit ihnen beginnen. Für das Projekt „25/25/25 - 25 Jahre / 25 Künstler_innen / 25 Museen“ entwarf Wade Guyton zudem ein Plakatmotiv, das im Stadtraum von Bottrop vom 14.11. bis zum 4.12.2014 zu sehen war.

25/25/25
Wade Guyton, Untitled, 2014
© der Künstler, courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln

Fred Sandback. Zeichnungen und Skulpturen

24. August bis 9. November 2014

Ein Jahrzehnt nach seinem Tod wird Fred Sandback (1943-2003) als einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Generation betrachtet. Mit dieser Ausstellung kommt ein lange bestehender Plan zur Verwirklichung, denn Sandback stand, als er an der Yale University Philosophie und Bildhauerei studierte, unter dem Einfluss der Lehre und der Kunst von Josef Albers – eine Prägung, die ihn dann auch in seiner eigenen künstlerischen Arbeit beschäftigen sollte.

Diese Ausstellung ist den charakteristischen Skulpturen Sandbacks aus Acrylfäden oder Gummibändern, vor allem aber seinem zeichnerischen Werk gewidmet. Von Anfang an hat Sandback auch gezeichnet, zunächst um seine Vorstellungen von einem skulpturalen Volumen auf dem Papier zu formulieren. Bald schon ging er von der Darstellung isolierter Elemente dazu über, die Skulptur in Beziehung zu Räumen zu denken und auf dem Papier ihre Möglichkeiten zu erkunden. Diese Räume waren gegeben und nicht ideal, und gerade dies macht Sandbacks Auseinandersetzung spannend.

Diese erste Retrospektive von Sandbacks zeichnerischem Werk versammelt Arbeiten aus über dreißig Jahren, ergänzt durch Skulpturen. Sie ist eine Weiterführung unserer viel beachteten Ausstellungsserie 'Albers im Kontext' und wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Winterthur und dem Museum Wiesbaden.

Zur Ausstellung ist im Richter Verlag ein von Dieter Schwarz herausgegebener Katalog mit ca. 180 farbigen Abbildungen und Texten von Mark Godfrey, Heinz Liesbrock, Dieter Schwarz, Edward A. Vasquez und Gianfranco Verna erschienen. Preis: 38 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kunststiftung NRW.


Sandback
Fred Sandback, Two Intersecting Vertical Walls of Light, 1989
Kunstharzfarben auf Papier, 56 x 76,2 cm
Sammlung Verbund, Wien
© 2014 Fred Sandback Archive

39. Jahresausstellung Bottroper Künstler

Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie.

Einzelausstellung
Peppi Bottrop. Cops dropped on Crisis

19. Oktober bis 16. November 2014

Alle in Bottrop geborenen, ansässigen oder arbeitenden Künstlerinnen und Künstler haben einmal im Jahr die Gelegenheit, ihre Werke im Museumszentrum Quadrat zu präsentieren. Die Auswahl erfolgt durch eine Jury – zusammengesetzt aus Vertretern der Stadt, Künstlern sowie Kunsthistorikern und einem Kunstkritiker.

Der mittlerweile in Düsseldorf lebende und arbeitende Künstler Peppi Bottrop (1986*) bestreitet in diesem Jahr die Einzelausstellung im Rahmen der Jahresausstellung Bottroper Künstler 2014. Er wurde im letzten Jahr durch die Jury zum Preisträger ernannt. Peppi Bottrop beteiligt sich seit 2008 an der Jahresausstellung und war stets mit einem oder mehreren Werken vertreten. Seine Gemälde sind zumeist großformatig, aber auch kleine Zeichnungen in Serie konnten die Jury überzeugen.

Nach dem Abitur am Josef-Albers-Gymnasium in Bottrop und einem kurzen Ausflug in die Kunst­pädagogik in Essen konnte er sich 2007 direkt an der Kunstakademie in Düsseldorf einschreiben und wurde gleich in eine der umkämpften Klassen für Malerei aufgenommen. Bis 2011 studiert er bei den Professoren Albert Oehlen und Andreas Schulze und in den Jahren 2011 und 2012 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Professorin Jutta Koether, bevor er 2012 nach Düsseldorf zurück­kehrt. Als Meisterschüler bei Andreas Schulze hat er dort in diesem Jahr sein Studium mit dem Akademiebrief abgeschlossen.

Bereits 2009 stellte Peppi Bottrop beim Kunstpreis „junger westen 2009“ in der Kunsthalle Reckling­hausen aus und gehörte somit zu den 25 Auserwählten. Als Künstler arbeitet er gern in großen For­maten, häufig sind es zwei- oder auch mehrteilige Werke in Öl auf Leinwand mit kräftigem Pinselstrich.

Bis zur Jahresausstellung Bottroper Künstler 2010 gab der junge Künstler ihnen Titel. Heute sind die einzelnen Arbeiten seiner Serien ohne Titel, die Auswahl des Materials ist vielfältig: Mal ist es Graphit auf Leinwand, mal ist es Lippenstift auf Holz oder Leinwand oder Nagellack auf Papier. Im Bereich Grafik fertigt er Linolschnitte. In den neuesten großformatigen Arbeiten überzieht ein Geflecht von Strichen – Umrisslinien geometrischer Körper – den Malgrund. Eine Idee verfestigt sich und wird zugleich erweitert, eine Art Ordnungssystem entsteht, das aber immer auch anders sein könnte.

peppi bottrop
Peppi Bottrop, Ohne Titel, Graphit auf Leinwand

Bernhard Fuchs. Waldungen

11. Mai bis 10. August 2014

Der 1971 in Österreich geborene Fotograf Bernhard Fuchs war einer der jüngsten Schüler von Bernd Becher an der Kunstakademie in Düsseldorf. Fuchs lebt seitdem in Düsseldorf, arbeitet jedoch fast ausschließlich in der Region seiner Herkunft, dem Mühlviertel in Oberösterreich. Diese Spannung zwischen Urbanität und ländlichem Lebensraum gibt seiner Arbeit ihren besonderen Reiz: Es geht darin um eine Emotionalität, die jedoch zurückhaltend, in einer Bildsprache von äußerster formaler Kontrolle, hervortritt.

Wurde Fuchs zunächst, Mitte der 90er Jahre, als Fotograf von Personen in ihrer heimatlichen, ländlichen Umgebung bekannt, so arbeitet er seit etwa einem Jahrzehnt direkt vor der Landschaft und lotet deren unterschiedliche Aspekte aus. Diesem Thema ist auch seine jüngste Arbeit, Waldungen, gewidmet, die nun im Quadrat erstmals öffentlich ausgestellt wird. Es geht um die Darstellung geschlossener Waldformationen, wie sie sich in die Bewegung der Landschaft, zwischen Hügeln und Niederungen, entfalten. Zurückhaltend in ihrer Farbigkeit, dabei immer dem Licht als Element auf der Spur, das den Formen ihre harte Kontur nimmt, wollen diese Fotografien die Landschaft in ihrer Aktualität möglichst genau dokumentieren und machen sie zugleich auch durchsichtig für einen Moment des Unwandelbaren, das als Essenz alles Landschaftlichen sich immer zeigen wird. Diese Thematik verbindet Fuchs auch mit den Bildern von Robert Adams, dessen Fotografien aus Amerika 2013 im Quadrat zu sehen waren.

Die Ausstellung wird 2015 im LENTOS Kunstmuseum Linz gezeigt.

Zur Ausstellung ist im Verlag Koenig Books, gefördert durch die Kunststiftung NRW, das Buch Waldungen: 104 Seiten mit 50 Farbabbildungen und einem Text von Bernhard Fuchs. Preis: 48 Euro.
Das Buch wird unter dem Titel Woodlands auch in einer englischen Ausgabe angeboten.

Ebenfalls bieten wir als Edition zur Ausstellung die Fotografie Hofau, Spätsommer 2013 an. Auflage 30, 20,5 x 17,5 cm, im Passepartout in einer Kassette gemeinsam mit dem Buch Waldungen. Preis: 490 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.

 

Haslach
Bernhard Fuchs, Haslach, Sommer 2012, C-Print, 48 x 37 cm
© Bernhard Fuchs

Josef Albers. First and Last
Homage to the Square 1950 – 1976

11. Mai bis 10. August 2014

Homage to the Square ist die umfassendste und zugleich wirkmächtigste Bildserie des 20. Jahrhunderts, die in der Kunst Europas und Amerikas ihre unübersehbare Wirkung entfaltet hat. Josef Albers arbeitete daran von 1950 bis zu seinem Tod im Jahr 1976 und schuf dabei mehr als 2.000 Gemälde. Bescheiden im Format und einfach in ihrem Aufbau, sind diese Gemälde in ihrer Wirkung doch monumental und zugleich subtil.

Einen besonderen Blick auf Homage to the Square erlaubt nun eine Sonderausstellung im Josef Albers Museum, die zum ersten Mal das chronologisch erste und das letzte Bild der Serie zusammenführt. Die Spannweite von Albers’ Kunst wird uns so exemplarisch vor Augen geführt.

Anders als der Titel suggeriert, ist Homage to the Square nicht Huldigung einer geometrischen Form, sondern Feier der Farbe und ihrer unabsehbaren Ausdrucksmöglichkeiten. Albers wählt das feststehende quadratische Bildschema wegen seiner kompakten Frontalität, die uns wie eine Ikone gegenübertritt und dabei zugleich als Form in den Hintergrund unserer Aufmerksamkeit tritt. So können wir uns auf die unzähligen Variationen im Gespräch der Farben konzentrieren. Es geht dabei um ein komplexes Wechselspiel zwischen den Identitäten der Farben, die miteinander in Beziehung treten und sich dabei gegenseitig verändern. »Farbe ist das relativste Medium in der Kunst«, hat Albers einmal festgestellt, und so ist es der Betrachter, der mit seinem Sehen die scheinbar festgefügte Staffelung der Farben erst in Bewegung versetzt. Das Bild wird zu einem lebendigen Organismus, dessen Wirkung jedoch nicht auf die Netzhaut beschränkt ist, sondern sich in unserem Bewusstsein und in den Emotionen niederschlägt.



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links: Josef Albers, Homage to the Square »A«, 1950, Öl auf Hartfaser, 77,5 × 77,5 cm.
The Cartin Collection.
rechts: Josef Albers, Homage to the Square, 1976, Öl auf Hartfaser, 61 × 61 cm.
The Josef and Anni Albers Foundation.
© The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Kunst als Erfahrung.
Josef Albers als Lehrer - der Maler und seine Schüler

15. Dezember bis 30. März 2014

Josef Albers war ein in der Wolle gefärbter Pädagoge. Seine Kunst wurde während seiner gesamten Laufbahn durch eine intensive Lehrtätigkeit begleitet: zunächst am Bauhaus, dann am amerikanischen Black Mountain College, schließlich seit 1950 an der Yale University.

Sein Ziel war dabei nicht ein Kunstunterricht im engeren Sinn, vielmehr wollte er Grundlagen schaffen, die seinen Studenten eine eigene künstlerische Tätigkeit erst ermöglichen sollten. Insbesondere ging es ihm darum, ihnen ein wirkliches Sehen zu vermitteln, das die Täuschungen und inhärenten Widersprüche dieser scheinbar so einfachen Sinnestätigkeit offenlegte. Aus dem so geschärften Sehen ergab sich für ihn ein besonderes künstlerisches Potential.

In dieser Ausstellung werden die Ziele des Pädagogen Albers und sein besonderes Vorgehen durch Unterrichtsbeispiele und Arbeiten seiner Studenten verdeutlicht, die bisher kaum öffentlich zu sehen waren. Dies sind Arbeiten in Papier und Metall, Zeichnungen und insbesondere Farbstudien aus dem Umfeld des berühmten Mappenwerks Interaction of Color.



Leaf Study IV
Josef Albers, Ohne Titel (Blattstudie IV), ca. 1940,
Blätter auf farbigem Papier, 47,1 x 57,1 cm
© The Josef and Anni Albers Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Foto: Imaging4Art/Tim Nighswander

Robert Adams: The Place We Live.
Retrospektive des fotografischen Werks

30. Juni bis 10. November 2013

Der Amerikaner Robert Adams (geb. 1937 in Orange, New Jersey) gilt heute mit Lee Friedlander und Robert Frank als Klassiker der künstlerischen Fotografie der letzten Jahrzehnte. Obwohl sein Werk in jüngerer Zeit auch in Europa zunehmend bekannt geworden ist, kommt es doch erst jetzt zu einer ersten umfassenden Präsentation seiner Arbeit. Diese Ausstellung, die mehr als 300 fotografische Originalabzüge umfasst, wird nach Stationen in Vancouver, Los Angeles, Denver, Madrid (Museo Reina Sofia) und Paris (Musée Jeu de Paume) auch im Bottroper Josef Albers Museum gezeigt, als einziger Station in Deutschland. Robert Adams verbindet mit Josef Albers und dessen Museum in Bottrop eine lang dauernde Wertschätzung. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Yale University Art Gallery gemeinsam mit dem Künstler.

Wie kein anderer Fotograf des 20. Jahrhunderts hat sich Adams mit der Landschaft des amerikanischen Westens auseinandergesetzt. Der Westen ist bei ihm zunächst eine Region mit klaren geografischen Koordinaten – das Gebiet von den großen Ebenen über die Rocky Mountains bis zum Pazifik. Adams' Blick ist ausdrücklich sachlich, detailliert und versucht eine genaue Bestandsaufnahme. In schwarz/weißen Fotografien, die oft mit einer großformatigen Plattenkamera aufgenommen sind, zeigt er die urbanen Zentren und ländlichen Gebiete Colorados, Kaliforniens und Oregons.

Wer die Region mit dem Fotografen besucht, erkennt die Wunden, die unsere Zivilisation der Landschaft geschlagen hat. Wir beobachten die rücksichtslose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die Verdichtung der Population und die Zersiedelung der Landschaft durch das ungeregelte Wuchern der Städte. Die Prognose dieser Bilder, die der Künstler genauso in seinen Essays formuliert hat, ist skeptisch, gerade weil sie universale Gültigkeit hat. Getrieben von Eigennutz und einem unbewussten Zerstörungswillen, hat unsere Gesellschaft ihre Lebensräume seit dem beginnenden 19. Jahrhundert zunehmend ihrer Qualitäten beraubt.

Doch entgegen den unübersehbaren Zeichen des Niedergangs, lassen Adams' Fotografien genauso Momente der Hoffnung erkennen. Denn auch die Weite und Stille der amerikanischen Landschaften, die Majestät der Gebirge und die üppige Gestalt der über Jahrhunderte gewachsenen Wälder sind noch gegenwärtig. Sie halten die Erinnerung wach an das, was der Westen einst für seine frühen Siedler war: ein Reich der Freiheit, das jedem, der es betrat, Raum bot zur Entfaltung des Lebens nach seinen Vorstellungen.

Gegen den ersten Anschein künden Adams' Bilder deshalb auch von der Hoffnung auf Versöhnung. In den chaotischen Szenerien der Gegenwart zeigen sich plötzlich Momente der Harmonie. Die Fotografien beschreiben, so genau wie möglich, die Zerstörungen unserer Lebenswelt, und zugleich halten sie fest an dem, was Adams als das Ziel aller künstlerischen Arbeit sieht: die Schönheit des Lebens. Deren Ausdruck ist die gelungene ästhetische Form, wie sie sich etwa in einem Baum in der Landschaft, dem Flug eines Vogels und in der Erscheinung des Lichts zeigt. Sie sind die Boten dieser stillen Schönheit und eröffnen einen geistigen Raum.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Evonik Industries AG und die Kunststiftung NRW.


Die beiden Ausstellungskataloge sowie weitere Publikationen von Robert Adams in unserem Shop unter Shop / Kataloge .



Lakewood
Zitat Robert Adams
oben: Robert Adams, Lakewood, Colorado, The New West, 1968-1971 © Robert Adams

Kurt Kocherscheidt. Im Fluss der Bilder. Malerei

24. März bis 16. Juni 2013

Kurt Kocherscheidt gehört zu den großen Einzelgängern in der jüngeren Geschichte der Malerei. Als er 1992 im Alter von 49 Jahren in Wels/Österreich verstarb, wurde sein Werk, das sich lange mehr im Verborgenen entwickelt hatte, durch einen viel beachteten Auftritt auf der documenta IX endlich auch international wahrgenommen.

Seine Gemälde haben seitdem nichts von ihrer eigentümlichen Kraft eingebüßt. Sie sind die Versuche eines Menschen, mit dem Bild eine Basis zu schaffen, um seine eigene Wirklichkeit in Bezug zur äußeren Welt zu setzen – einem Außen, das sich gänzlich abweisend gegenüber seinem Ansinnen zeigt. Im Gemälde versucht Kocherscheidt sich ein Gegenüber zu bilden, in dem die eigentlich wesensmäßige Trennung von Innen und Außen aufgehoben ist. Seine Bilder sollen durchtränkt sein von ›inneren Farben‹.

Dabei ist seinen Werken jeder emotionale und gestische Überschwang fremd. Kurt Kocherscheidt entwickelte seine dunklen Farben, die schwer vom Gewicht der Welt scheinen, mit höchster Konzentration und unter persönlicher Zurückhaltung. Nicht um Selbstausdruck ging es ihm, sondern um die Logik der Malerei, die diesem Künstler die höchste Wahrheit war.

Unsere Ausstellung zeigt die Entwicklung von Kocherscheidts Kunst mit Gemälden seit den 1970er Jahren und findet ihren Höhepunkt in einer Gruppe von neun ›letzten‹ Bildern, die in den Wochen vor dem Tod des Künstlers entstanden.

Zur Ausstellung ist ein Katalogbuch mit Beiträgen von Gottfried Boehm, Heinz Liesbrock, Ian McKeever und Franz Armin Morat erschienen.
Preis: 34 €.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.

1992
Kurt Kocherscheidt, Ohne Titel, 1992
Öl auf Leinwand
© Nachlass Kurt Kocherscheidt

Josef Albers und Mexiko. Sieben Gemälde, 1936 bis 1957

Ein Erwerb für die Sammlung des Josef Albers Museums in Bottrop

Josef Albers emigrierte im Herbst 1933 gemeinsam mit seiner Frau Anni, die im Feld der textilen Kunst arbeitete, in die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Winter 1935 reist das Ehepaar von dort erstmals nach Mexiko. Der Eindruck des Landes auf beide ist überwältigend, insbesondere die Begegnung mit der alten, präkolumbischen Kunst. Bis 1967 folgen weitere zwölf Reisen und längere Aufenthalte in Mexiko. Gerade für Josef Albers wird das Land zu einem zentralen Impuls in der Entwicklung seiner Kunst. So schreibt er am 22. August 1936 aus Mexiko-Stadt an Wassily Kandinsky, der inzwischen in Paris lebt: »Mexico ist wirklich das gelobte Land der abstrakten Kunst. Denn hier ist sie 1000de von Jahren alt.«

Albers übernimmt in seiner Auseinandersetzung mit der mexikanischen Kunst nicht ikonographische Muster, sondern verarbeitet strukturelle Aspekte. So gelangt er zu einer Bildvorstellung, die zugleich flächig und räumlich angelegt ist. Daraus entsteht ein genauso vereinfachter wie in sich spannungsvoller Bildtypus, der keine elaborierte Binnenkomposition mehr kennt. Er verweist bereits auf die Bildserie Homage to the Square, die Albers' Spätwerk bestimmen wird.

Von erheblicher Bedeutung ist zudem der Wandel der Farbvorstellung, den Albers in Mexiko erfährt. Tatsächlich kann man von einer Befreiung seines Farbsinns sprechen. Von nun an entwickelt er in seinen Gemälden ein Farbklima intensiv leuchtender Töne aus ungemischten Farben, die zu einem geschlossenen Gesamtklang geführt werden, den es so in der westlichen Malerei bis dahin nicht gegeben hatte. Albers befreit sich von lange tradierten Harmonievorstellungen der Farbe und begreift die Farbe jetzt als ein ›Reich der Freiheit‹, eine Sprache, die künstlerisch alles zu sagen vermag.

Albers' Begegnung mit Mexiko zählt zu den großen Inspirationen in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Die sieben Gemälde, die das Josef Albers Museum nun in seine Sammlung aufnehmen kann, sind eindrückliche Beispiele dafür. Für das Josef Albers Museum bedeutet dieser Erwerb eine wesentliche Erweiterung seines Sammlungsbestandes. Der Stellenwert des Hauses als europäisches Zentrum für die Kunst von Josef Albers wird damit weiter gesichert. Wir danken der Josef and Anni Albers Foundation, die diese Werke an uns abgibt, zumal es sich um eine Teilschenkung handelt. Die Werkgruppe konnte erworben werden mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Kunststiftung NRW, der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Landes Nordrhein- Westfalen. Weitere Mittel kommen von der Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop, dem Museumsverein für das Josef Albers Museum und von privaten Förderern.



Oscillating A
Josef Albers, Oscillating (A), 1940, Öl auf Hartfaserplatte, 91,4 x 71,1 cm
© The Josef and Anni Albers Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Kazuo Katase. Gegenwart

16. September bis 9. Dezember 2012

Kazuo Katase (geb. 1947 in Shizuoka) verließ seine japanische Heimat im Jahr 1975, um in Europa seine künstlerische Ausbildung zu vertiefen. Seitdem ist seine Kunst gekennzeichnet durch einen Dialog zwischen den künstlerischen und geistigen Traditionen Ostasiens und des Westens. Katase schafft Ensembles aus Skulptur, Licht und Fotografie, die er für Museen und ebenso für den öffentlichen Raum entwirft. So hat er 2010 auch den Eingang zur Stadt Bottrop an der Essener Straße gestaltet. Auf einer Brachfläche entstand durch wenige Eingriffe eine neue Ordnung, in der sich Architektur, Raum und Landschaft verbinden: eine Hommage an die industrielle Geschichte der Stadt, die zugleich eine Zukunftsperspektive erkennen lässt.

Mit seiner Ausstellung im Josef Albers Museum stellt Katase nun ein neues Kapitel seiner künstlerischen Entwicklung vor. Zum ersten Mal seit seiner Ausbildungszeit in Japan hat er sich in den vergangenen drei Jahren ausschließlich wieder der Malerei gewidmet. Dabei trägt er mit der Hand Pastellfarben auf großformatige Büttenbögen auf. Er wählt als Motiv ausschließlich eine Teeschale, wie sie aus zeremoniellen Kontexten bekannt ist. Die Schale versinnbildlicht die im Zen Buddhismus beheimatete Vorstellung der erfüllten Leere. In der vollen Gegenwart der Dinge werden sie zugleich ungreifbar, verwandeln sich in eine geistige Erscheinung.

Bedingung dieser Transformation ist die tiefe Konzentration des Schauenden. Sie ist auch der bestimmende Modus für Katases Malerei. Was sich von Gemälde zu Gemälde verändert sind allein die Farben und die Nuancen ihres Auftrags, in denen die Malerei zu ihrer eigenen Sprachkraft findet. Es ist ein Auftrag voll innerer Emphase, der sich zugleich jeder äußeren Expressivität enthält. Wir sind erinnert an die Vorstellung des Yūgen in der traditionellen japanischen Ästhetik, das die geheimnisvolle Tiefe des Kunstwerks beschreibt. Nicht zufällig ruft Katases Ausstellung auch die Malerei von Josef Albers in Erinnerung, wo die Spannung zwischen der gleich bleibenden Form des Quadrats und der persönlichen Zurückhaltung im Auftrag der Farbe eine allein der Malerei mögliche Präsenz entstehen lässt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Hardcover, ca. 100 Seiten, 56 Farbabbildungen) zum Preis von 34 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.



Schale
Kazuo Katase, Schale 30.05.2012
Pastellfarben auf Bütten
© Kazuo Katase

Ian McKeever. Hartgrove. Malerei und Fotografie

3. Juni bis 2. September 2012

Der 1946 geborene Engländer Ian McKeever darf als der wichtigste abstrakte Maler seines Landes gelten. In den vergangenen dreißig Jahren hat er sich in seiner Heimat – jedoch insbesondere auch in Skandinavien – den Ruf eines herausragenden Einzelgängers erworben, dessen Arbeit kaum mit internationalen Trends zu verrechnen ist.

Die Ausstellung im Josef Albers Museum gehört zu der langfristig angelegten Reihe "Albers im Kontext", mit der das Museum Positionen der zeitgenössischen Malerei vor dem Hintergrund seiner Albers-Sammlung vorstellt.

McKeevers Malerei ist zumeist großformatig und nimmt auf eine vermittelte Weise Erfahrungen der Landschaft auf. Ian McKeever war über viele Jahre jemand, der in Europa und anderen Kontinenten ausgedehnte Wanderungen über Wochen und Monate unternommen hat. Diese Erlebnisse haben sich in seiner künstlerischen Imagination niedergeschlagen. Weite, Licht und eine vielschichtige Erfahrung des Raums sind die strukturellen Parameter, mit denen sich seine Bilder fassen lassen. Dabei beschränkt er sich auf wenige Farben: Weiß, Schwarz, Grau, Rot und Blau.

Zum ersten Mal werden nun auch McKeevers Gemälde gemeinsam mit einer Gruppe von Schwarz-Weiß-Fotografien präsentiert, die der Künstler in den vergangenen Jahren gefertigt hat – nicht in der Natur, sondern im Inneren seines Wohnhauses. Die Natur und die Sphäre des Menschen zeigen dabei auf geheimnisvolle Weise eine gemeinsame Grundlage.

Zur Ausstellung ist ein Katalogbuch (156 Seiten, 70 farbige Abbildungen) mit Texten von Richard Deacon, Heinz Liesbrock und Ian McKeever erschienen. Preis: 29 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.


Hörfunk- und TV-Beiträge zur Ausstellung im Internet:

Paintings Ian McKeever
Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum
© Werner J. Hannappel

Simone Nieweg. Natur der Menschen. Landschaftsfotografie

12. Februar bis 27. Mai 2012

Simone Nieweg wurde 1962 in Bielefeld geboren. Sie studierte Fotografie an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Bernd Becher. Sie ist Landschaftsfotografin mit internationalem Ansehen, neben Deutschland besonders auch in Frankreich und den USA.

Simone Nieweg komponiert mit großer Sorgfalt Bilder von Feldern, Wäldern und Gärten, deren kompositorische Genauigkeit (Bildgewichte, Farbgestaltung etc.) ihre Arbeit unverwechselbar macht. Es geht ihr insbesondere um das Zusammenspiel von Natur und menschlicher Kultur: Wie nutzen Menschen die Natur, wie gestalten sie Natur, wie entfremden sie Natur von ihrem Ursprung? So verbinden sich in Niewegs Bildern Schönheit, dokumentarische Genauigkeit und Kritik und finden zum Gleichgewicht einer geschlossenen Bildvorstellung.

Niewegs Kunst ist durch ihr Leben in NRW geprägt. Ihre Begegnungen mit den Nutzgärten und Feldern Ostwestfalens in Kindheit und Jugend haben ihr künstlerisches Verständnis bleibend geprägt. So hat sie sich intensiv mit der Natur im Rheinland und in Westfalen, auch mit den Nutzgärten des Ruhrgebiets auseinandergesetzt. Man kann ihre Arbeit als einen Atlas der Landschaften unseres Bundeslandes begreifen. Darin liegt jedoch nichts Provinzielles, da die künstlerische Vision der Fotografin universell angelegt ist, sich an höchsten Vorbildern in der Fotografiegeschichte orientiert.

Zur Ausstellung ist ein Katalogbuch (Festeinband) im Verlag Schirmer/Mosel mit einem Text von Heinz Liesbrock (160 Seiten, 100 farbige Abbildungen) erschienen. Preis: 49,80 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung.

Die nebenstehende Fotografie Grabeland in Poigny-la-Forêt, Yvelines, 2005 wird im Museum auch als Edition (C-Print) angeboten.

Apfelbaum
Grabeland
oben: Apfelbaum, Uhingen Schwäbische Alb, 2010
unten: Grabeland in Poigny-la-Forêt, Yvelines, 2005
© Simone Nieweg

Gotthard Graubner. Gespräch mit Josef Albers

25. September 2011 bis 15. Januar 2012

Gotthard Graubner, Jahrgang 1930, zählt zu den bekanntesten Vertretern der deutschen Malerei seit 1970. Man kann seine Kunst allgemein als 'Farbmalerei' bezeichnen. Das heißt, die Farbe wird hier in ihrer eigenen Sprachfähigkeit besonders betont. Alle Ebenen des Bildes – der Raum, die Form, die Bewegung und das Licht – werden konsequent aus der Organisation und Sprachmacht der Farbe entwickelt.

Diese Betonung der Farbe als Bildmittel legt eine innere Beziehung von Graubner zum Bildkonzept von Josef Albers nahe, der in seinen Bildern der Serie 'Homage to the Square' die Interaktion von Farbe ausgelotet hat.

Die Beziehung der Gemälde von Graubner und Albers ist ein wesentliches Thema dieser Ausstellung. Gotthard Graubner ist mit frühen Arbeiten aus den 1950er Jahren bis hin zu neuesten Gemälden aus dem Jahr 2011 vertreten. Insgesamt werden 32 Ölbilder zusammen mit zehn Fotografien gezeigt. Weiter wird Graubner aus der Sammlung des Museums Gemälde von Albers aussuchen, deren Bildsprache er sich nahe fühlt.

So wird die Reihe 'Albers im Kontext', die bisher die Beziehung zwischen Josef Albers und der amerikanischen Kunst seit 1960 untersuchte, erstmals auch einen Künstler deutscher Herkunft als Partner von Albers präsentieren.

Zur Ausstellung ist ein Katalogbuch mit einem Text von Heinz Liesbrock (130 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen) erschienen.
Preis im Museum: 34 €.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kunststiftung NRW und die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.



Sichtachse
Oberlichtsaal
Schirde
Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum
© Werner J. Hannappel

Yuji Takeoka. Museo

3. Juli bis 11. September 2011

Die Ausstellung Museo von Yuji Takeoka zeigt eine großzügige Schau mit 26 Werken des Bildhauers aus den letzten 25 Jahren.

Yuji Takeoka hat im Bereich der Skulptur ein unverkennbar eigenständiges Werk geschaffen. Die Anmutung vieler Arbeiten oszilliert dabei zwischen autonomer Form und Gebrauchsgegenstand.

Die umfangreichste Werkgruppe der Ausstellung ist erst in den letzten 10 Jahren entstanden: Objekte, Skulpturen, Raum-Installationen. Alle Werke zielen sehr direkt auf die Wahrnehmung des Betrachters. In der für das Josef Albers Museum konzipierten Präsentation kommt der Vorstellung des Sockels zentrale Bedeutung zu. Für Takeoka geht der Sockel nicht nur in einer Funktion auf - etwa als Podest einer Skulptur, die hier abwesend ist -, sondern hat eine eigene formale Bedeutung, die es künstlerisch auszuloten gilt. Eher minimalistisch in ihrer Erscheinung, wirken viele der Werke zugleich kostbar und unnahbar. Der Glanz der Lacke oder die Vergoldungen reflektieren ihre Umgebung und machen sich selbst dadurch fast unsichtbar. Zeigen und Verbergen, Objekt und Spiegelung, Licht und Schatten werden in der Anschauung untrennbar verbunden. "Komm und schau", könnte als Motto über der Ausstellung stehen, denn auch um das Sehen geht es in den performativen Arbeiten: ein Sockel dient traditionell der Repräsentation, Vitrinen zeigen traditionell Ausstellungsstücke. Takeoka zeigt Sockel, die sich selbst präsentieren, Vitrinen, die sich ausstellen, Hauben ohne Korpus. Es sind die Splitter einer Kunst, deren Dimension und Zugehörigkeit neu ausgelotet werden, deren Erscheinung dem Blick entgleitet und das Sehen herausfordert.

Bleibt die Frage nach der Funktion des Museums - es stellt aus und gibt Raum. In der Ausstellung Museo zeigt es auch sich selbst.

Zur Ausstellung ist ein Katalogbuch mit einem Text von Heinz Liesbrock (80 Seiten, ca. 40 Farbabbildungen) erschienen. Preis im Museum: 28 €.

Die Ausstellung wurde gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.



Hörfunkbeitrag zur Ausstellung im Internet:

Blick in die Ausstellung
7 Sockel
oben: Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum
unten: Ausschnitt aus dem Werk Yuji Takeoka, Sieben Sockel, 2006
je 52 x 52 x 16 cm, variabel, hochpoliert, Messing vergoldet
© Werner J. Hannappel

Malerei auf Papier. Josef Albers in Amerika

20. März bis 19. Juni 2011

Die Ausstellung Malerei auf Papier. Josef Albers in Amerika zeigt 80 Studien in Öl, die zum Teil nur selten oder noch nie öffentlich gezeigt wurden. Die frühesten Blätter datieren aus den späten Dreißiger Jahren, die letzten sind Studien zur Serie der Quadratbilder, die Albers bis zu seinem Tod im Jahr 1976 gemalt hat.

Einige der Blätter haben die Anmutung bloßer Farbproben, andere bieten nahezu abgeschlossene Bildlösungen, die der Künstler auf dickem Karton ausführte. Dabei ist jedes Blatt von einer intensiven Suche nach sich belebenden Farbkombinationen geprägt, die es erlaubt, das malerische Tun auch als Niederschlag seiner Philosophie der Farbe zu sehen.

Schriftliche Notizen am Rand, häufiger noch direkt in die Farbe gesetzt, lassen die Heftigkeit erahnen, mit der hier ein künstlerischer Prozess im Gang war. Großartig erscheint schließlich die stille Größe nahezu vollendeter Quadrate, die Albers' Dialog der Farben aufführen.

Die gezeigten Blätter sind stark von den Eindrücken geprägt, die Josef Albers auf Studienreisen nach Mexiko gemeinsam mit seiner Frau Anni erfahren hat. Mexiko inspirierte Albers. Nach diesem Erlebnis verwendete er Magenta, Türkis, Violett, Grün und Ocker in unterschiedlichsten Kombinationen. Es waren die Farben der Natur, aber auch der Alltagskultur, wie sie etwa beim Anstrich von Häusern verwendet wurden. Seine Studien sprechen von der Sinnlichkeit der mexikanischen Landschaft, die Farben sind satt, aufgeladen durch das intensive Licht des Landes. Die präkolumbische Kunst, die Monumentalität der alten Kultur Mexikos trat ihm lebendig entgegen, unberührt von den Jahrtausenden, die seit ihrem Entstehen vergangen waren. Stark berührt von der universellen und zeitlosen Sprache dieser Kunst, reiste er zu den wichtigsten Ausgrabungsstätten wie Monte Alban, Mitla, Tenayuca. Die geometrisch geprägten Anlagen, die Großzügigkeit der Grundrisse und die beeindruckenden Reste mächtiger Gebäude inspirierten ihn zu Form- und Farbkombinationen, die er über viele Jahre malerisch und zeichnerisch variierte. Er entwarf Raum- und Flächengefüge, die rational und sinnlich zugleich erscheinen und deren Realisierung nur malerisch gelingen konnte.

Das Josef Albers Museum ist die zweite Station dieses Gemeinschaftsprojekts mit der Staatlichen Graphischen Sammlung, München - weitere Stationen sind führende Museen in Europa und den USA.

Zur Ausstellung ist ein durch die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung ermöglichtes, umfangreiches Katalogbuch im Hatje Cantz Verlag mit Texten von Isabelle Dervaux, Heinz Liesbrock und Michael Semff erschienen (191 Seiten, ca. 136 Farbabbildungen).
Preis im Museum: 32 €.

Studie zu einem Adobe
Papierarbeiten
Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum
© Werner J. Hannappel

Letzte Bilder. Ad Reinhardt

26. September 2010 bis 9. Januar 2011

Der Amerikaner Ad Reinhardt (1913 - 1967) war eine der geheimnisvollsten Figuren in der Malerei des 20. Jahrhunderts. Mit seinen so genannten 'schwarzen' Bildern, die er selbst als "die allerletzten Bilder, die letzten, die man irgend machen kann", beschrieb, besetzt er einen Extrempunkt, der die Kunst seitdem herausfordert. Die Faszination seiner Bilder liegt in der Spannung zwischen Sichtbarkeit und Verhüllung. Farbe und Form – als Konstituenten jeder Malerei – werden bis an die Grenze der Auflösung getrieben, ohne aber das Bild der Negation auszuliefern.

Reinhardt wird mit dieser Ausstellung im Josef Albers Museum nun nach 25 Jahren wieder in Europa vorgestellt. Sein Werk, das in Europa nur mit wenigen Beispielen öffentlich präsent ist, wird damit auch für eine jüngere Generation von Kunstfreunden erstmals erfahrbar.

Die Ausstellung konzentriert sich auf die Zeit von ca. 1950 bis zum Tod des Künstlers, seine reife Periode, in der er eine Bildkomposition erreicht, die sich zunehmend auf das Zusammenspiel chromatisch eng beieinander liegender Farben konzentriert. Leihgeber der Ausstellung sind u. a. das Museum of Modern Art, New York, das Whitney Museum of American Art, die Yale University Art Gallery, das Centre Pompidou, Paris, und die Tate Modern, London.

Die Ausstellung nimmt eine Begegnung zwischen Reinhardt und Josef Albers im Jahr 1952/53 zum Ausgangspunkt. Dabei entwickelte sich zwischen beiden Künstlern ein Gespräch über die Bedeutung der Farbe im malerischen Prozess, insbesondere wenn es darum geht, mit chromatisch eng beieinander liegenden Farben eine visuelle Dynamik zu erreichen. Für Reinhardt war dieser Kontakt mit dem älteren Josef Albers offensichtlich ein wichtiger Impuls auf seinem Weg hin zu den schwarzen Bildern. So werden in dieser Ausstellung die Bilder von Reinhardt durch einige Werke von Albers, die ihnen zur Seite gestellt sind, in ihrer Besonderheit erkennbar.

Zur Ausstellung ist im Richter Verlag, Düsseldorf, ein Katalog (176 Seiten, Hardcover) mit einem Essay von Heinz Liesbrock, Abbildungen aller ausgestellten Werke und Texten des Künstlers erschienen.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Kunststiftung NRW und die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.

Tageslichtsaal
Reinhardt_rot
Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum
© Werner J. Hannappel

Alexej von Jawlensky und Josef Albers. Farbe. Abstraktion. Serie

16. Mai bis 29. August 2010

Farbmacht und Vision Die Ausstellung Alexej von Jawlensky und Josef Albers. Farbe. Abstraktion. Serie ist ein seltenes Gipfeltreffen, bei dem sich zwei weithin bekannte Künstler begegnen, deren Gemeinsamkeiten bisher noch nicht wirklich entdeckt worden sind. Obwohl es in den Arbeiten von Josef Albers keinerlei Verweis auf Gegenständliches gibt, setzt die Farbe in ihrer eigenen Dynamik die gemeinsame Klammer zu Alexej von Jawlensky. Erstmals werden diese beiden Künstler gemeinsam im Josef Albers Museum gezeigt, das über die größte öffentliche Sammlung von Werken dieses Künstlers verfügt. Dabei werden etwa 50 Werke von Josef Albers mit ebenso vielen Gemälden von Alexej von Jawlensky präsentiert. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt des Josef Albers Museum mit dem Museum Wiesbaden, das die größte Sammlung von Arbeiten Jawlenskys verwahrt. Die Ausstellung bringt die gegenständliche Malerei Jawlenskys mit den Abstraktionen von Josef Albers in eine künstlerisch-ästhetische Beziehung.

Der Puls der Farbe Die Begriffe Farbe, Abstraktion, Serie sind innerhalb der künstlerischen Entwicklung beider Künstler zentral. Alexej von Jawlensky (1864 - 1941) und Josef Albers (1888 - 1976) haben sich in ihrer Malerei mit besonderer Intensität der Farbe und deren meditativer Wirkung gewidmet. Beiden ging es über die reine Wahrnehmung hinaus um geistige und emotionale Inhalte.

Frühes serielles Arbeiten begann bei Josef Albers in den dreißiger Jahren. Er behält diese Arbeitsform in allen Medien bei, in der Malerei und Druckgrafik ebenso wie in den Zeichnungen. Aspekte der Raum- und Flächendarstellung und die Wirkkraft der Farbe entfalten sich nahezu unabschließbar im Nebeneinander der Werke.

Eine Vereinfachung der Formen und zunehmende Abstraktion findet sich bei Alexej von Jawlensky vergleichbar zuerst in den Variationen, den Mystischen Köpfen und den Heilandsgesichten.

In der Gegenüberstellung des farbigen Quadrats als purer Form bei Albers und den Meditationen bei Jawlensky zeigt sich dem Betrachter eine überraschende Übereinstimmung jenseits der vordergründigen Trennung zwischen abstrakt und gegenständlich.

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit farbigen Abbildungen, der in der Ausstellung gezeigten Werke erschienen. Preis im Museum: 32 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die LWL-Kulturstiftung und das Land NRW.


Meine letzte Periode meiner Arbeit hat ganz kleine Formate, aber die Bilder sind noch tiefer und geistiger, nur mit der Farbe gesprochen. Alexej von Jawlensky


Wir sehen Farbe fast nie als das, was sie ist; Farbe ist deshalb das relativste Medium in der Kunst, und es gibt nie nur eine einzige Lösung für visuelle Formulierungen. Josef Albers


Blick in die Ausstellung
Frau mit Stirnlocke
Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum
© Hannappel

Bernd und Hilla Becher.
Bergwerke und Hütten – Industrielandschaften

7. Februar bis 2. Mai 2010

Über vierzig Jahre hat das Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher an einer Bestands­aufnahme von Gebäuden der Industriearchitektur gearbeitet. Fabrikhallen, Fördertürme, Gasbehälter, Stahlöfen, aber auch Fachwerkhäuser gehören zu den Sujets, die sie in Deutschland, in England, Frankreich, Mitteleuropa und den USA aufgenommen haben.

Sie nennen diese Gebäude 'Anonyme Skulpturen', um auf deren eigentlich künstlerische Qualität hinzuweisen, die jedoch im Bewusstsein der zumeist unbekannten Baumeister und der Benutzer keine Rolle spielte. Ihre Fotografie will diese verborgenen skulpturalen Qualitäten verdeutlichen; genauso ist sie historische Dokumentation, mit der eine untergehende Baukultur - viele der fotografierten Gebäude und Anlagen sind heute nicht mehr in Gebrauch oder bereits abgerissen - vor dem Vergessen bewahrt werden soll.

Das Ehepaar Becher hat sich von Beginn an der Industriearchitektur im Ruhrgebiet mit besonderem Interesse gewidmet, namentlich den für diese Region typischen Berg­werken und Stahlhütten. Zum ersten Mal wird mit unserer Ausstellung dieser Bereich ihres Schaffens systematisch erschlossen. Namen wie die der Zechen Concordia und Hannibal oder der Gutehoffnungshütte stehen bis heute für die industrielle Geschichte des Ruhrreviers. Dabei konzentriert sich die Ausstellung nicht auf einzelne Gebäude, sondern nimmt die Anlagen als ganze und ihre Situierung innerhalb des Stadt- oder Naturraums in den Blick. Dieser von den Bechers 'Industrielandschaft' genannte Bildtypus stellt das Ruhrgebiet in Bezug zu vergleichbaren Komplexen in Deutschland, Europa und den USA. Die für die Geschichte der Region so wichtige Sprache der Industriearchitektur findet hier zu einer gültigen Darstellung.

Zur Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Verlag Schirmer/Mosel das Buch Bernd und Hilla Becher. Bergwerke und Hütten (188 Seiten, 154 Duotonetafeln, Broschur) erschienen. Preis im Museum: 36 Euro.

Die Ausstellung war Teil des von den RuhrKunstMuseen organisierten Projekts Mapping the Region im Programm der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Sparkassen-Finanzgruppe und die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.


Hörfunk- und TV-Beiträge zur Ausstellung im Internet:

Zeche Consolidation
Zeche Hannibal
Zeche Concordia
von oben nach unten:
Bernd und Hilla Becher, Zeche Consolidation, Gelsenkirchen, 1974
Bernd und Hilla Becher, Zeche Hannibal, Bochum-Hofstede, 1973
Bernd und Hilla Becher, Zeche Concordia, Oberhausen, 1967

Michael Venezia. Nacht wird Tag – Malerei

27. September bis 6. Dezember 2009

Die Ausstellung Nacht wird Tag stellt jüngste Gemälde von Michael Venezia aus der Zeit seit 2005 vor. Venezia, der 1935 in New York geboren wurde und heute dort und im umbrischen Trevi lebt, entwickelte die Grundlagen seines ästhetischen Konzepts um 1960, als in New York eine intensive Debatte über die Verabschiedung der Malerei geführt wurde. Venezias Arbeit reflektiert die damals formulierten Argumente gegen die traditionelle Vorstellung des künstlerischen Bildes, und doch bleibt er immer auch ein Maler, der sein Tun im Sinn der Tradition als Arbeit an einem unersetzbaren Modell visueller Differenzierung begreift.

Seine Antwort auf die Frage, wie eine Malerei jenseits der Bildformen des Abstrakten Expressionismus, die seiner Generation als leblose Pathosformeln erschienen, aussehen könnte, erscheint bis heute konzis und unverkennbar. Er formte seine Werke zu kompakten flachen Objekten von extremer horizontaler Ausdehnung, auf denen die Farbe nicht mehr im Sinn einer Komposition organisiert wird, sondern sich als geschlossene Geste, die den subjektiven Ausdruck vermeiden will, in ihrer puren Materialität zeigt. Auch der bevorzugte Gebrauch von üblicherweise industriell verwendeten Materialien, wie Emailfarben, Metallpigmenten und Glaspulver, ist Teil dieses Konzepts einer Malerei jenseits des schönen Scheins.

Seit dem Ende der achtziger Jahre verwendet Venezia dann unbehandelte Holzblöcke mit quadratischem Durchmesser als Träger und bemalt ihre Vorderseite mit zäher Ölfarbe, die reich aufgetragen wird. Diese tendenziell monochrom gestalteten Blöcke werden zu Bildkonstellationen von bis zu drei aufeinander geschichteten Lagen zusammengefügt - ein Verfahren, das Zufall und Komposition miteinander verbindet.

In den Gemälden unserer Ausstellung rücken eigentlich malerische Problemstellungen wieder deutlich in den Vordergrund, insbesondere die Frage des konkreten Umgangs mit der Farbe. Venezia erweitert das tonale Spektrum der verwendeten Farben, er verflüssigt ihre Materialität, sodass sie ineinander fließen können. Auf Flächen von nicht mehr als 9 Zentimeter Höhe werden die Farben verräumlicht und zu scheinbar leichthändig gefertigten Kompositionen von berückendem Reiz geführt. Man darf diese Gemälde als Ausdruck eines neuen Formwillens begreifen und sie ein Spätwerk im eigentlichen Sinn nennen, bei dem die Entwicklungsfäden einer nun schon fünfzig Jahre dauernden Werkgeschichte zusammengefasst werden und auf ihrer Grundlage eine Transformation geschieht, die einen neuen künstlerischen Horizont schafft.

Zur Ausstellung ist der Katalog Michael Venezia. Nacht wird Tag (80 S., 28 Abb., Festeinband mit Schutzumschlag) im Richter Verlag erschienen.
Preis: 29 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop und das US-Generalkonsulat.

Ohne Titel, 2008
Blick in die Ausstellung
oben: Ohne Titel, 2008, 279,5 cm
unten: Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum
© Hannappel

Josef Albers. Farbbeziehungen –
Studien und Malerei auf Papier 1940 – 1960

Ein Erwerb für die Sammlung des Josef Albers Museum

Josef Albers' Malereien auf Papier sind Werke von besonderer künstlerischer Bedeutung. Fast alle Blätter sind ausgearbeitete Studien, die Stufen der Vorbereitung seiner Gemälde darstellen. Zugleich ist jedes Blatt für sich eine Untersuchung zur Farb- und Raumwirkung in der Malerei. Die Verwandlung der farblichen Erscheinung im Nebeneinander der Farben und die Überlagerung gegensätzlicher perspektivischer Impulse zielen auf einen aktiven Betrachter. Albers erprobt die Bedingungen des Sehens in eben dem Maß, in dem er Farbe und Raum in Beziehung setzt. Alle Arbeiten zeugen von einer besonderen Freiheit der Hand und einer Präsenz des Farbmaterials, die der Künstler in den später ausgeführten Gemälden bewusst nur im Hintergrund anklingen lässt. So erweitern diese Blätter unser Verständnis des Arbeitsprozesses bei Albers wesentlich.

Die Folge der Blätter setzt ein um 1940 mit Werken, die sich unmittelbar der Begegnung mit der präkolumbischen Architektur und dem Farbklima Mexikos verdanken. Die Entstehung fällt in eine Zeit, in der Albers nach langen Jahren der Absenz wieder zu malen begonnen hatte. Es ist offensichtlich, dass er in Mexiko eine Befreiung seines ästhetischen Empfindens erfährt, die ihn zu eigenwilligen, strahlenden Farbklängen führt, wie sie in der europäischen Malerei der Moderne so noch nicht gesehen worden waren. Auch die sogenannten Adobes, entstanden seit Mitte der vierziger Jahre, beziehen sich auf Mexiko, indem sie eine dort übliche Weise der farblichen Fassung von Gebäuden zum Muster für eigene Farbkompositionen machen. Albers ist auf der Suche nach einer selbst neutralen Form, die in den Hintergrund unserer Wahrnehmung treten soll, um so besser das unendliche und unabsehbare Spiel der Farben aufnehmen zu können. Im Quadrat findet Albers dann um 1950 diese in seinen Augen ideale formale Gestalt der Farbe. Jedes der hier vorgestellten Blätter macht die unmittelbare Faszination durch die Phänomenalität der Farbe - my craziness about color, wie es der Künstler ausdrückte - nachvollziehbar. Albers war in seiner Arbeit mit ganzer Entschiedenheit Maler und zugleich ein Philosoph der Farbe.

Für das Josef Albers Museum - das nunmehr als einzige öffentliche Institution eine solch hochkarätige Gruppe verwahrt - ist dieser Ankauf der wichtigste Erwerb seit seiner Gründung, der den Sammlungsbestand wesentlich erweitert. Der Stellenwert des Hauses als europäisches Zentrum für die Kunst von Josef Albers wird damit weiter gesichert. Wir sind der Josef and Anni Albers Foundation, die diese Werke an uns abgibt, dankbar für das Vertrauen, das sich darin ausdrückt, zumal es sich um eine Teilschenkung handelt.

Die Werkgruppe konnte erworben werden mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Kunststiftung NRW und des Landes Nordrhein-Westfalen. Weitere Mittel kommen von der Stadt Bottrop, der Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop, dem Museumsverein für das Josef Albers Museum und von privaten Förderern.

Mantic
Homage to the Square
Tautonym
von oben nach unten:
Josef Albers, Abstraktion ohne Titel (Mantic), um 1940
Josef Albers, Farbstudie zu Homage to the Square, o. J.
Josef Albers, Studie zu Tautonym, 1944
© Josef and Anni Albers Foundation

Raimund Girke. Farbe und Licht – Malerei aus fünf Jahrzehnten

5. Juli bis 20. September 2009

Mit großer Ruhe und Intensität hat sich Raimund Girke in seiner Malerei der Farbe Weiß unter den Bedingungen des sich wandelnden Lichts gewidmet. Was einfach klingt, eröffnet zugleich eine fast unendliche Spannbreite an Möglichkeiten. Immer geht es um die Frage, wie sich dauernde Bewegung und Differenzierung im Bild zur Darstellung bringen lassen.

Im Jahr 2007 erhielt das Josef Albers Museum durch Karin Girke eine großzügige Schenkung von sechs Bildern aus verschiedenen Schaffensphasen ihres 2002 verstorbenen Mannes. Diese Schenkung nehmen wir zum Anlass einer Ausstellung, die Bilder von den fünfziger Jahren bis zum Spätwerk des Künstlers aus öffentlichen und privaten Sammlungen zeigt.

Wie für Josef Albers war für Raimund Girke die Auseinandersetzung mit der besonderen Wirkkraft der Farbe die eigentliche Herausforderung; wie Albers hielt auch er Wahrnehmung und Reflexion regelmäßig in der Form lyrischer Texte fest.

Die Beschäftigung beider Künstler mit der Farbe unterscheidet sich auf den ersten Blick. Albers schwelgte in der Zusammenführung unterschiedlichster Farben, wo Girke das Weiß und sein Spektrum auslotete. Doch beide widmeten sich ihrem Thema mit einer vergleichbaren Hingabe des Sehens und Denkens. Dabei erkannten sie im Licht das eigentliche Ereignis einer Malerei, bei der Albers auf die Geste und Girke auf die Perspektive vollständig verzichtet.

Zur Ausstellung ist ein Katalog (Broschur) mit den Abbildungen der sieben Werke aus dem Bestand des Museums und einem Text von Heinz Liesbrock und Ulrike Growe sowie einem Gedicht von Raimund Girke erschienen. Preis: 10 Euro.

ohne Titel, 1999/2000
ohne Titel, Öl auf Leinwand, 200 x 220 cm, 1999/2000
© VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Bernhard Fuchs. Straßen und Wege

26. April bis 28. Juni 2009

Straßen und Wege ist der Titel einer Gruppe von sechzig Landschafts-bildern, die während der vergangenen fünf Jahre in Oberösterreich entstanden sind. Bernhard Fuchs ist damit in seine heimatliche Region nahe Linz zurückgekehrt, die er in den neunziger Jahren verlassen hatte, um bei Bernd Becher an der Kunstakademie in Düsseldorf zu studieren.

Eine tiefe Vertrautheit mit der Landschaft verdeutlicht sich in diesen Bildern. Fuchs hat sie regelmäßig durchwandert und war dabei ein geduldiger Beobachter, der sich rückbinden will an die Erfahrung seiner Herkunft. Der Stille und Intensität seines Blicks antwortet die Landschaft mit einer besonderen Gegenwärtigkeit. Jeder Punkt dieser Bilder ist von vibrierender Lebendigkeit. Die Farben der Natur und das Licht der Jahreszeiten verweisen zugleich auf einen inneren Raum, in dem sich Erinnerung und Gegenwart begegnen.

Von der Sphäre des Interessanten, mithin vom Zeitgeist, ist vielleicht kein anderer Fotograf heute weiter entfernt als Bernhard Fuchs. Dafür bieten seine Bilder die unabweisbare Evidenz eines sich selbst nährenden Kreislaufs, dem nichts verloren geht. Am Ende stellt Bernhard Fuchs fest: "Und als ich für mich die Arbeit an den Straßen und Wegen abgeschlossen habe, da wusste ich, dass das, wovon ich in dieser Gegend geschöpft habe, mir erhalten geblieben ist." In ihrer Ruhe, ihrer Feierlich-keit, ihrer Verschwiegenheit und Geduld sind seine Bilder schön wie die Natur selbst. Sie erinnern uns, dass Tag und Nacht, Sommer und Winter immer bleiben werden. Sie werben für ein Weltvertrauen, und zugleich vermögen sie, dieses Vertrauen zu schaffen.

Bei Koenig Books ist das Buch Bernhard Fuchs. Straßen und Wege mit einem Text von Heinz Liesbrock erschienen. Preis im Museum 38 Euro.

Das Bild Baum am Wegrand, Piberstein, 2007 (21 x 21 cm, Auflage 20) bietet das Museum als Edition zum Preis von 380 Euro an.

Straße Obertraberg
Straße Obertraberg, 2005

John Szarkowski. Photographs

18. Januar bis 5. April 2009

Eine Ausstellung des San Francisco Museum of Modern Art

John Szarkowski (1925 bis 2007) ist eine Figur von außerordentlicher Dimension in der jüngeren Geschichte der Fotografie. Über 29 Jahre, von 1962 bis 1991, leitete er als Kurator das Department of Photography am Museum of Modern Art in New York. Mit seiner Arbeit formulierte er eine neue Idee der Ästhetik der Fotografie, die bis heute Gültigkeit hat. Erstmals wird bei Szarkowski eine Vorstellung von dem zum Begriff, was man 'fotografische Imagination' nennen könnte, nämlich ein eigenständiges Potential dieses Mediums innerhalb der langen Geschichte des künstlerischen Bildes.

Er widmete Fotografen seiner Zeit, deren Arbeit heute längst als klassisch gilt, erste Ausstellungen. Ab 1967 zeigte er unter anderem Diane Arbus, Lee Friedlander, Gary Winogrand, William Eggleston, Stephen Shore und Robert Adams. 1987 präsentierte er auch als erster, dies sei hier erwähnt, das fotografische Werk von Josef Albers. Es war Szarkowskis kuratorische Intelligenz - die Auswahl der Bilder, ihre Präsentation, ihre Deutung in seinen Essays und Büchern - durch die die damals noch weitgehend unverstandene Bildsprache dieser Fotografen erstmals erkennbar wurde.

Zugleich gelang ihm in Ausstellungen und Büchern die Wiederentdeckung der künstlerischen Leistungen von Eugène Atget (1857 bis 1927) und Walker Evans (1903 bis 1975), die nun in einer genealogischen Reihe als wichtige Bezugspunkte der amerikanischen Fotografie seit 1965 deutlich wurden.

Szarkowski war als Kurator ein Mann der Praxis. Er hatte vor seiner Berufung an das Museum of Modern Art wohl Kunstgeschichte studiert, arbeitete danach aber als Fotograf. Mit zwei monografischen Arbeiten, die beide durch ein Guggenheim Stipendium gefördert wurden, erreichte er eine frühe Bekanntheit als eigenständiger Fotograf: The Idea of Louis Sullivan (1956) und The Face of Minnesota (1958).

Die Ausstellung John Szarkowski. Photographs wurde von Sandra Phillips für das San Francisco Museum of Modern Art eingerichtet. Sie hat im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop ihre einzige Station im nördlichen Europa. Die Ausstellung gibt erstmals einen konzisen Einblick in Szarkowskis eigenständiges künstlerisches Werk, das zugleich vielfältige Hinweise auf seine Arbeit als Kurator und Kunsthistoriker enthält. 

Farbe, Material, Raum. Donald Judd und Josef Albers

29. Juni bis 28. September 2008

Donald Judd (1928 – 1994) entwickelte einen Begriff des künstlerischen Werks, mit dem er über die traditionellen Vorstellungen von Malerei und Skulptur hinausging. Seine Arbeit basierte auf einer intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kunst, die bis zum Abstrakten Expressionismus reichte. Einer der wenigen Künstler der ihm unmittelbar vorangehenden Generation, die er schätzte und die seiner eigenen Arbeit auch eine Orientierung gaben, war Josef Albers.

Judd besprach schon in den späten fünfziger Jahren New Yorker Ausstellungen des Deutschen, der 1933 in die USA gekommen war, und er rezensierte 1963 dessen theoretisches Werk 'Interaction of Color'. 1977 widmete Judd Albers, der im Jahr zuvor verstorben war, eine erste Ausstellung seiner eigenen Arbeiten in Bottrop, die Zeichnungen und Objekte umfasste. 1991 schließlich veranstaltete er in Marfa eine Ausstellung zu Albers und verfasste aus diesem Anlass einen Essay über dessen Malerei, dessen visuelle und intellektuelle Analysen bis heute Maßstäbe setzen.

Judd schätzte an Albers - und fand darin eine Bestätigung seiner eigenen Arbeit - die Sachlichkeit und das Kalkül seines Vorgehens, ohne dass ihrer beider Werkvorstellungen sich darin erschöpft hätten. Ganz besonders interessierte Judd Albers' Konzept der Farbe. Dazu gehört zunächst eine eher handwerkliche Auffassung: dass die Farbe nicht mehr gemischt, sondern unmittelbar aus der Tube auf eine Hartfaserplatte aufgebracht wird, und zwar mit einem Spachtel, wie er zum Verfugen von Mauerwerk gebräuchlich ist.

Die Ausstellung setzt Werke von Judd und Albers in einen direkten Dialog, um so das gemeinsame Klima ihrer Arbeit nachvollziehbar werden zu lassen: dazu gehören nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern auch signifikante Unterschiede. Deutlich wird so einmal mehr die wichtige Position, die Albers' Arbeit um 1960 als Orientierung für die amerikanische Kunst nach dem Abstrakten Expressionismus eingenommen hat.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
Kunststiftung NRW
Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop
Egon Bremer Stiftung

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum, © Hannappel

Judith Joy Ross. Living With War. Portraits 1983 – 2007

9. März bis 1. Juni 2008

Judith Joy Ross zählt zu den wichtigen amerikanischen Fotografen in der Tradition des "dokumentarischen Stils", deren Arbeit in Europa gleichwohl noch zu entdecken ist. Seit über 30 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Portrait. Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien konzentrieren sich dabei ganz auf die Physiognomie der Menschen, um durch sie die innere Wirklichkeit der Portraitierten herauszuarbeiten. Sie verzichten auf alle darüberhinaus gehenden zeittypischen Attribute. Gleichwohl geht es der Künstlerin nicht allein um eine Individualpsychologie, sondern ebenso um eine historische und existentielle Dimension. Ähnlich wie in August Sanders (1876 - 1964) Werk Menschen des 20. Jahrhunderts ist auch bei Ross das Individuum eingebunden in seine Zeit und deren geschichtliche Koordinaten. Neben Kindern und Jugendlichen zählen deshalb besonders solche amerikanischen Bürger zu den bevorzugten Partnern der Fotografin, die unmittelbar an der politischen Wirklichkeit ihres Landes Anteil nehmen. So ist eine ihrer wichtigen Bildserien Politikern des amerikanischen Kongresses und ihren Mitarbeitern gewidmet (1986/87).

Die Ausstellung im Josef Albers Museum fasst nun erstmals drei Gruppen von Portraits amerikanischer Menschen zusammen, die auf unterschiedliche Weise zu den Kriegseinsätzen der USA in den letzten dreißig Jahren in Beziehung stehen.

Die erste Gruppe mit dem Titel Protest the War ist zugleich die chronologisch jüngste: Sie entstand 2006/07 und zeigt Menschen, die in den USA gegen die Teilnahme ihres Landes am Irakkrieg demonstrieren. Begleitet werden diese Bilder von Aufnahmen, die vor mehr als 15 Jahren entstanden. Sie portraitieren Soldaten, die unmittelbar vor ihrem Einsatz im ersten Golfkrieg stehen. Eine letzte Gruppe entstand 1983/84 am Vietnam Veterans Memorial in Washington, D.C.: Sie stellt in Einzelportraits dessen Besucher vor, Veteranen oder Familienangehörige, die sich der Gefallenen des Krieges in Südostasien erinnern.

Die Portraits von Judith Joy Ross nehmen nicht Partei für eine bestimmte politische Richtung, sondern stellen die Unersetzbarkeit des Individuums als Grundlage des geschichtlichen Prozesses heraus. Die Bilder entstehen mit einer großformatigen Plattenkamera (ca. 20 x 25 cm), ausgestellt werden Kontaktabzüge, nicht Vergrößerungen. Die souveränen Kompositionen verdanken sich einem Zusammenspiel zwischen der schweren, unhandlichen Kamera und einer spontanen Interaktion der Fotografin mit den Portraitierten. Das fotografische Bild erreicht hier eine Unmittelbarkeit, in der sich das Individuum und seine inneren Prozesse des Fühlens und der Erinnerung unmittelbar auszudrücken scheinen.

Judith Joy Ross wurde 1946 in Hazleton, Pennsylvania, geboren. Sie studierte Fotografie am Chicago Art Institute. Heute lebt sie in Bethlehem, Pennsylvania. Für ihre fotografischen Arbeiten hat sie zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, u. a. den Charles Pratt Memorial Award, ein Artist Fellowship des National Endowment for the Arts und ein John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellowship. Das Museum of Modern Art, New York, widmete ihr 1995 eine Einzelausstellung. Ihre Ausstellung im Josef Albers Museum ist erst ihre zweite Präsentation in einem europäischen Museum.

Zur Ausstellung ist im Steidl Verlag, Göttingen, ein Buch erschienen:
180 Seiten mit 84 Abbildungen und einem Essay von Heinz Liesbrock. Preis: 29 Euro.

James Bishop. Leinwand und Papier

16. Dezember 2007 bis 24. Februar 2008

Mit dieser retrospektiven Ausstellung von James Bishops Arbeiten auf Papier führt das Josef Albers Museum seine Auseinandersetzung mit der amerikanischen Kunst seit 1950 fort, mit der Albers' Kunst innig verbunden war.

Bishop ist einer der Solitäre der Malerei der letzten Jahrzehnte. Er wurde 1927 in Neosho, Missouri, geboren und gehört – wie etwa auch Sam Francis, Ellsworth Kelly oder Kimber Smith, den das Albers Museum 2004 vorstellte – zu jener Generation amerikanischer Künstler, die in den fünfziger Jahren New York verließen und sich in Paris niederließen. Um einen künstlerischen Weg zu entwickeln, der sie über den Abstrakten Expressionismus hinausführen würde, wandten sie alle sich der Europäischen Moderne, besonders der französischen Malerei zu.

Bishop, der bis heute in Frankreich lebt, vermochte vor dem Hintergrund der künstlerischen Errungenschaften eines Newman, Rothko und Reinhardt wie kein zweiter seiner Generation sein ureigenes Idiom mit einer Ausdrucksdimension zu verschmelzen, die der Farbkultur und dem Geist der europäischen Malerei von den frühen Italienern bis zu Bonnard und Morandi antwortet. Er gehört zu jenen rar gewordenen stillen Meistern, dessen verschwiegene Kunst jedoch über die Jahrzehnte nicht ohne Wirkung auf Künstler und Kenner blieb.

Diese erste den Papierarbeiten Bishops gewidmete Ausstellung versammelt mehr als einhundert Blätter aus der Zeit von 1959 bis zur Gegenwart. Sie werden ergänzt durch eine Gruppe von sechs Leinwandbildern.

Die Ausstellung verdankt sich einer Zusammenarbeit des Albers Museum mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München und dem Art Institute of Chicago.

Es ist ein Katalogbuch im Richter Verlag, Düsseldorf, mit Beiträgen von Heinz Liesbrock, Michael Semff und James Rondeau erschienen:
124 Seiten, 72 Farbabbildungen. Preis im Museum: 29 Euro.

Unterstützt wurde die Ausstellung durch:
Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
LWL

Ohne Titel/Untitled, 2002
Ohne Titel/Untitled, 2002, Öl und Kreide auf Papier 8,7 x 8,8 cm

Klaus Staudt. Amerikanische Zeichnungen

16. September bis 4. November 2007

Klaus Staudt war im Herbst und Winter 2003/04 als Artist in Residence Gast der Josef and Anni Albers Foundation in Bethany, Connecticut. Es überrascht nicht, dass für Klaus Staudt in dieser Zeit vor allem die direkte Begegnung mit den Bildern von Josef Albers wichtig wurde. Er gehört einer Generation konstruktiver Künstler an, die ihre Grundlagen um 1960 ausbildete und sich dabei intensiv auch mit Albers' Bildkonzept, das damals zunehmend bekannter wurde, auseinandersetzte.

In Bethany entstand eine Gruppe von Zeichnungen, die aus der Begegnung mit Albers einen neuen Impuls entwickeln. Erwähnenswert unter anderem eine Serie von zwölf Zeichnungen, zu deren Entstehung Staudt selbst schreibt: "Die Begegnung mit Albers Quadrathuldigungen in der ständigen Ausstellung der Foundation hat mich tief beeindruckt. Neben Bottrop sah ich zum zweiten Mal in der unmittelbaren Gegenüberstellung mehrere sehr qualitätvolle Arbeiten mit den vier Varianten der ineinander gestaffelten Quadrate, darunter auch graue Bilder. Dieses Erlebnis führte am Ende des Gastaufenthaltes zu einer Serie von zwölf Zeichnungen mit der spannungsreichsten Variante der vier Quadratkonstellationen. Sie tragen den Untertitel HTA (Homage To Albers)." So können wir beobachten, dass die Farbe in diesen Blättern einen besonderen, bei Staudt bisher so nicht bekannten Stellenwert hat, und zugleich wird die Betonung der individuellen Linie zurückgenommen. Es entsteht ein Gesamteindruck, der in seiner Geschlossenheit eher als Bild denn als Formation zeichnerischer Linien wirkt.

Geometrische Klarheit und ein mathematisch gestimmter Impuls verbinden sich auf unverkennbare Weise mit Elementen des Spontanen, die das Unvorhersehbare des bildnerischen Prozesses ins Spiel bringen.

Zur Ausstellung ist ein Buch erschienen: Klaus Staudt: Amerikanische Zeichnungen. Mit Texten von Heinz Liesbrock und Klaus Staudt.
Preis: 14 Euro.

all-over, 2003
4/468 all-over 21-2003, 2003, 33 x 33 cm
Alle Zeichnungen sind numeriert, signiert und betitelt mit dem
Zusatz AFB (Albers Foundation Bethany); Polychromos auf Karton.

Pia Fries. Malerei 1990 – 2007

26. August bis 28. Oktober 2007

Die Malerei von Pia Fries ist Farbe. Aufgetragen mit selbst gemachten oder gefundenen Instrumenten, treten in ihren Bildern die Farbigkeit und Komposition hinter dem Material Farbe zurück. Die Farbe wird mit einfachen Gesten in dicken Schichten, aber auch feinen Linien, auf die großformatigen Bildflächen gesetzt und bearbeitet. Deshalb wird nicht auf der Staffelei gemalt, die Bildträger liegen vielmehr auf dem Boden. Auf diese Weise kann Pia Fries die Leinwand von allen Seiten angehen, ohne eine Gesamtkomposition zu verfolgen und ihr Bild aus dem Malprozess heraus entwickeln.

Pia Fries geht in ihrer Arbeit ungewöhnlich vor. Nicht so sehr Komposition und Farbigkeit bestimmen die Erscheinung ihrer Bilder, sondern die Präsenz der Farbe als gestaltetes Material. In den letzten Jahren kamen als weiteres Element Siebdruckreproduktionen hinzu, die in Trompe l'oeil-Manier eingreifen, indem sie mit den gemalten Partien in Wettstreit treten. In den so genannten Palimpsesten wurden Abbildungen eigener Bilder zum Ausgangspunkt für neue Arbeiten. Der eigenwillige Weg, den Pia Fries eingeschlagen hat, nahm vieles vorweg, was heute in der Malerei aufgegriffen wird. Auch in ihren neuen Arbeiten betritt sie Neuland und geht kraftvoll über Grenzen und Erwartungen hinaus.

Pia Fries, die 1955 in Beromünster in der Schweiz geboren wurde, kam in den achtziger Jahren nach Düsseldorf, um an der Kunstakademie in der Klasse von Gerhard Richter zu studieren. Seitdem lebt und arbeitet sie in dieser Stadt, doch findet ihre Arbeit längst auch internationale Anerkennung. Im letzten Jahrzehnt wurden ihre Bilder nicht nur in Deutschland und der Schweiz, sondern auch in Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal und den USA gezeigt. Eine Retrospektive dieser Malerin, deren eigenwilliges Werk so weit verbreitet ist, war deshalb seit längerem angezeigt; sie wurde organisiert in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Winterthur.

Zur Ausstellung ist im Richter Verlag ein Katalog mit 100 Farbabbildungen erschienen: Pia Fries. Malerei 1990 - 2007. Mit Texten von Paul Good, Dave Hickey, Heinz Liesbrock, Dieter Schwarz und Iris Wien.
Preis: 28 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
schweizer kulturstiftung prohelvetia

tisch c, 2006
tisch c, 2006, 145 x 100 cm, Ölfarben und Siebdruck

Joachim Brohm. Ruhr

10. Juni bis 12. August 2007

Joachim Brohms fotografische Serie Ruhr, die um 1980 entstand, ist einer der frühen europäischen Beiträge zur Auseinandersetzung mit der amerikanischen Fotografie, wie sie sich seit etwa 1970 entwickelt hatte. Brohm ist nicht nur einer der ersten künstlerischen Fotografen, die sich der Farbe zuwenden, als in Europa noch weitgehend in schwarz und weiß gearbeitet wird, er nimmt auch jenen von Walker Evans geprägten 'dokumentarischen Stil' ernst, der aus einer dezidiert sachlichen Formensprache, die sich scheinbar Nebensächlichem widmet, ein künstlerisches Idiom formt. Blicke des alltäglichen Lebens werden so als Teil eines größeren kulturhistorischen Zusammenhangs sichtbar.

Neben der bis heute klar erkennbaren Eigenständigkeit seiner Bildfindungen ist es Brohms besondere Leistung, die Arbeit solcher Fotografen wie Robert Adams, William Eggleston oder Stephen Shore in Europa erstmals bekannt gemacht zu haben. Das, was dann wenige Jahre später im Umfeld der Düsseldorfer Klasse von Bernd Becher entsteht, ist ohne das Bindeglied von Brohms Fotografie nicht vorstellbar.

Unter veränderten kulturellen Voraussetzungen ist Joachim Brohms Bildserie Ruhr ein frühes Echo auf diese jüngere amerikanische Fotografie. Ruhr drückt die tiefe Bewegung dieses ersten Moments der Entdeckung aus und ist zugleich schlüssige Antwort darauf. Die Bilder zeigen das Ruhrgebiet als eine Topografie des Anonymen. Sie bewegen sich in den Randzonen der Städte, den Neubau-, Gewerbe- und Freizeitgebieten. Im Banalen und scheinbar Ausdruckslosen gelingt es ihnen, eine spezifische Bildenergie aufzudecken. Das Alltägliche gewinnt Schönheit und eine Form stiller Monumentalität.

Zur Ausstellung ist ein Buch (dt./engl.) mit ca. 70 Abbildungen im Steidl Verlag erschienen. Preis: 29 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
Regionalverband Ruhr
Stiftung Kunstfonds

Essen, 1982
Essen, 1982

Anni und Josef Albers. Begegnung mit Lateinamerika

11. März bis 3. Juni 2007

Anni und Josef Albers begegneten sich Anfang der zwanziger Jahre am Bauhaus in Weimar, wo Josef den Vorkurs leitete und Anni in der Werkstatt für Weberei lernte. Das Paar heiratete 1925 und bildete eine dauerhafte Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die bis zu Josefs Tod 1976 andauerte.

Wir dürfen Anni Albers eine der bedeutendsten textilen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts nennen, die mit ihren Entwürfen souverän die Begrenzungen des angewandten Bereichs überschritt. Josefs eminente Karriere als Maler, jenseits seiner Leistungen als Pädagoge und Theoretiker, mündet in der großen Serie 'Homage to the Square', die künstlerische Analyse und Feier der unbegrenzten Darstellungsmöglichkeiten der Farbe ist.

Unsere Ausstellung ist zunächst eine der raren Möglichkeiten, die Werke der beiden Künstler in direktem Nebeneinander zu sehen. Was die Ausstellung darüber hinaus außerordentlich macht, ist die von ihr gezeigte Verbindung in ein bisher in seiner Bedeutung für die beiden Künstler fast unbekanntes Reich: nämlich die alte Kunst Lateinamerikas, namentlich die des präkolumbischen Mexiko und Peru.

Anni und Josef Albers reisten 1935 erstmals nach Mexiko und kehrten immer wieder, auch zu längeren Aufenthalten, dorthin zurück. Ebenso reisten sie nach Peru und Chile. Sie wurden in einem umfassenden Sinn zu Freunden der lateinamerikanischen Kunst und Kultur. Sie liebten die Landschaften dieser Länder, ihre Farben und fühlten sich von den Menschen und deren direkter Beziehung zu künstlerischen Formen angezogen.

Die deutschen Emigranten waren fasziniert von der Möglichkeit, hier einer alten, eigentlich vorhistorischen Kultur zu begegnen, die immer noch ganz gegenwärtig schien: in ihren Kultbauten und in Skulpturen. Genauso entdeckten sie die Schönheit textiler Gestaltungen.
Für Anni Albers wurden die Webereien aus den peruanischen Anden, deren Tradition sich aus alter Zeit bis in die Gegenwart verfolgen lässt, zu einer außerordentlichen Inspiration. Technisch komplex und zugleich formal überraschend stehen diese Gewebe für eine vor-schriftliche Kommunikation und sind zugleich mit einem ikonischen Überschuss versehen, der sie zu ästhetischen Formen eigenen Rechts werden lässt.

Josef Albers wiederum entdeckte in der Begegnung mit den Skulpturen und Architekturen des alten Mexiko wichtige Hinweise für die Entwicklung seiner bildlichen Formensprache. Seine künstlerische Begegnung mit der Pyramidalarchitektur Mexikos, für die seine Fotomontagen einstehen, lassen nachvollziehen, was er sah und welche Schlüsse er für seine Arbeit daraus zog.

Wenn wir an Josef Albers und Mexiko denken, ist vor allem auch an die Wirkmacht der Farbe zu erinnern. Sein Vertrauen in deren ganz eigene Sprachfähigkeit wird in der Begegnung mit Mexiko nochmals verstärkt. Hier erfährt die Farbe jene Sättigung durch das Licht, die von nun an das Signum seiner Malerei bilden wird.

Mexiko war für Anni und Josef Albers, wie sie an Wassily und Nina Kandinsky schrieben, "ein Land für Kunst wie es wohl nur einmal existiert ... es ist wirklich das Gelobte Land der abstrakten Kunst, denn hier ist sie 1000de von Jahren alt." In ihren Augen durchdrangen sich hier Geschichte, Kunst und Religion in außerordentlicher Weise.

Unsere Ausstellung, in der die reichen Bestände der von den beiden gesammelten präkolumbischen Kunst ihren eigenen Werken zur Seite gestellt werden, macht erstmals diesen Impuls deutlich. Kaum sonst haben sich alte Kunst und Moderne so innig und natürlich verbunden wie hier.

Die Ausstellung verdankte sich einer Zusammenarbeit der Josef und Anni Albers Foundation, Bethany, CT, und des Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid.

Zur Ausstellung ist der gleichnamige Katalog mit Texten von Brenda Danilowitz, Paulina Brugnoli, Heinz Liesbrock und anderen erschienen. Preis: 32 Euro.

Gefördert wurde die Ausstellung durch:
Kulturstiftung des Bundes
Kulturstiftung NRW
Finanzgruppe Sparkassen-Kulturfonds
Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop

Josef Albers, Variant/Adobe
Josef Albers, Tenayuca (Mexico)
Anni Albers, Two
Anni Albers, Camino Real
von oben nach unten:
Josef Albers, Variant/Adobe, »Reds and Ochre with Pink« 1948,
Öl auf Holzfaserplatte, 45,1 x 63,8 cm
Josef Albers, Tenayuca, Mexiko, o.J., Fotografie, 20 x 24,8 cm
Anni Albers, »Two«, 1952, Leinen, Baumwolle, Kunstseide, 47 x 102,2 cm
Anni Albers, Studie zu »Camino Real«, um 1967, Gouache auf Blaupause,
40,5 x 40,6 cm
(Alle Werke: The Josef and Anni Albers Foundation)

Anton Stankowski. Aspekte des Gesamtwerks

19. November 2006 bis 11. Februar 2007

Zum 100. Geburtstag von Anton Stankowski zeigt eine groß angelegte Retrospektive einen umfassenden Überblick über das freie und angewandte Schaffen des Künstlers und Gestalters (1906 – 1998). Nach den Stationen in Stuttgart und Zürich kommt nun die Ausstellung ins Ruhrgebiet und damit an den ersten zentralen Wirkungsort von Anton Stankowski. So liegt es nahe, dass hier neben einem Überblick aus allen Schaffensperioden ein eigener Schwerpunkt auf die künstlerischen Arbeiten gelegt wird, die während seiner Ausbildungszeit an der Folkwangschule in Essen entstanden oder im Zusammenhang mit dem Ruhrgebiet stehen.

Als Bergarbeitersohn in Gelsenkirchen geboren, begann Anton Stankowski schon früh Talent fürs Malerische zu entwickeln. Nach seinem Studium bei Max Burchartz an der Essener Folkwangschule wurde er 1929 von Max Dalang in dessen renommiertes Reklame-Atelier nach Zürich geholt. Es begann eine entscheidende Zeit, in der Stankowski sein foto- und typografisches Werk zu einem Prototyp zeitgenössischen Werbestils entwickelte, die heute legendäre "Schweizer Industriegrafik". Wichtige Freundschaften entstanden in dieser Zeit, u. a. zu Hans Neuburg, Richard Paul Lohse, Max Bill, Verena Loewensberg, Alois Cariget, Hans Corey. Nach Entzug der Arbeitserlaubnis kehrte er mit einer Zwischenstation in Lörrach 1938 nach Deutschland zurück. Er gründete in Stuttgart sein Graphisches Atelier, das er auch nach "verlorenen Jahren im Krieg" weiterführte. Auch in Stuttgart hatte Stankowski sofort Verbindung zu den führenden Personen der visuellen Bewegung wie beispielsweise Willi Baumeister, Max Bense und Egon Eiermann. Nicht zuletzt durch die Tätigkeit Stankowskis wurde Stuttgart im Laufe der 50er Jahre zu einer "Hochburg" im Grafikdesign. Er prägte das Grafikdesign der Bundesrepublik Deutschland entscheidend. Neben den grafischen Arbeiten widmete sich Stankowski immer der Malerei, die im Laufe der Jahre mehr ins Zentrum seines Schaffens rückte.

Anton Stankowskis Leitmotiv "Finden, vereinfachen, versachlichen und vermenschlichen – das Letzte ist das Schwerste" bestimmte Leben und Werk dieses unermüdlich tätigen Schöpfergeistes. Die Ausstellung zielt darauf, einzelne Aspekte des Gesamtwerks unter verschiedenen Gesichtspunkten aufzuzeigen und seine Aktualität unter Beweis zu stellen. Es ist ein Versuch, sowohl den Pluralismus seines Werkes aufzuzeichnen als auch die Gemeinsamkeit, die Visualisierung von Inhalten, hervorzuheben. Für Anton Stankowski gab es keinen Unterschied zwischen freier und angewandter Kunst, beide Bereiche haben sich in seinem Werk ständig durchdrungen. Übrigens ist dies eine Gemeinsamkeit mit Josef Albers, der auch in beiden Disziplinen arbeitete.

Die Ausstellung mit mehreren Standorten in immer veränderter Form bietet sowohl "Klassiker" wie im Grafikdesign das Deutsche Bank Logo und die Wortmarke Viessmann, in der Malerei seine berühmte Schräge und in der Fotografie solche berühmten Arbeiten wie "Zeitprotokoll im Auto", als auch sonst viel Neues. So werden in Bottrop noch nie gezeigte Fotografien und gebrauchsgrafische Arbeiten zu sehen sein, die während seiner Zeit im Ruhrgebiet entstanden. Ein weiteres Highlight der Ausstellung sind seine Skizzenbücher, die als Faksimile der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mit vielen Exponaten, biografischen Filmen und einer Projektion seiner Fotogramme und Marken zeigt die Ausstellung die undogmatische Herangehensweise Anton Stankowskis an Formfindungen. Das Gesamtwerk beeindruckt durch seine mediale Vielfalt, von der Fotografie über die Malerei bis hin zum gebrauchsgrafischen Werk.

Zur Ausstellung ist der Katalog "Stankowski 06. Aspekte des Gesamtwerks" erschienen. Preis: 39 Euro.

Die Ausstellung wurde unterstützt durch:
Deutsche Bank
Viessmann
Altana

Zeitprotokoll mit Auto, 1931
Höhe, Breite, Tiefe, 1929
oben: Zeitprotokoll mit Auto - »Am Helmhaus Zürich«/»Ruhe und Bewegung«/
»für Kilometerzähler«, 1931, Vintage, 13,5 x 17 cm

unten: Höhe, Breite, Tiefe, 1929, Tempera, Tusche, 34 x 43,9 cm

Globus Dei. Der Ball und die Kunst

8. Juni bis 10. September 2006

"Wir leben alle auf dieser Erde, aber eben auf verschiedenen Spielhälften," hat Klaus Augenthaler einmal prägnant festgestellt. Das Fußballspiel ist schon lange einer der großen Kommunikatoren, der rund um den Globus eine Form von Verständigung stiftet zwischen den Kulturen, sozialen Gruppen und Individuen.
So überrascht es nicht, dass das Fußballspiel in dieser besonderen Dimension auch der Kunst zum Thema geworden ist.

Das Josef Albers Museum freut sich deshalb, anlässlich der Weltmeisterschaft diese Verbindung von Kunst und Fußball in seiner Breite darstellen zu können. Wir sind ausdrücklich ein Kunstmuseum, das sich an ästhetischen Kriterien als Maßstab seiner Aktivitäten orientiert. Zugleich ist das Albers Museum aber auch das Museum einer fußballbegeisterten Stadt im Ruhrgebiet im Schatten der Schalker Arena. Beide Perspektiven kommen in der Ausstellung "Globus Dei" zusammen. Es geht um die Verarbeitung des Fußballs in seiner ästhetischen, sozialen und historischen Dimension, die hier tatsächlich zum künstlerischen Bild wird.

Auch Künstler lieben den Fußball oder leiden an ihm. Sie verfallen seiner Faszination und werden inspiriert zu Werken, von deren Reiz sie manchmal selbst überrascht sind. Darin erscheinen das Spiel und seine Akteure in einer oft übersehenen kulturellen Bedeutung. Die Physiognomien und Gesten der Spieler, die Farben ihrer Trikots, der Schmuck der Fans, der Glanz der Stadien, der Charme der Bolzplätze am Sonntagnachmittag, schließlich die unausdenkbare Logik des Spiels, die eine existentielle Dimension eröffnen kann: sie bilden das ästhetische Reservoir dieser Ausstellung, werden verwandelt zu Gemälden, Skulpturen und Fotografien und Filmen. Diese berichten davon, wie das Spiel mit dem Ball bei einer bestimmten Einstellung des Blicks zur Kunst werden kann. Gerade der Kunst seit etwa 1960, die den Alltag und seine Formen, die Welt der Waren und der Werbung in ihrem sinnlichen Reiz entdeckt hat, ist diese Perspektive selbstverständlich geworden.

Zweiundzwanzig Künstler mit Werken aus den letzten drei Jahrzehnten haben sich zu dieser Begegnung rund um den Fußball versammelt. Zu ihnen gehören unter anderem Hans-Peter Feldmann mit seiner Fußballbildersammlung aus den sechziger Jahren, die uns den historischen Aspekt des Spiels vor Augen führt: Diese Karten erscheinen in ihrer Anordnung wie die Konstruktion eines Ethnologen, dessen Blick sich einer fast vergangenen Zeit zuwendet, in der die vom Fußball bereitgehaltene einfache Schönheit noch selbstverständlich war. Yves Eigenrauch hat seine Erfahrungen als Euro Fighter bei Schalke 04 in ungewöhnliche Portraits seiner Spielkameraden verwandelt, und in Andreas Gurskys sachlichen Fotografien erscheinen das Spiel und seine Akteure wie auf einer fernen Bühne. Christian Baus Film "Schuss ins Blau" schickt den Schauspieler Peter Lohmeyer auf die Suche nach der Verbindung zwischen dem Blau Yves Kleins im Gelsenkirchener Theater und dem von Schalke 04: eine weitere Verbindung zwischen Kunst und Fußball in unserer Region. Auch Henning Kappenbergs postkartengroße Zeichnungen der Stadien des Ruhrgebiets verbinden sie mit den Spielstätten der ganzen Welt, während Jörg Jankas und Joerg Zboralskis Installation das Vereinsheim als Keimzelle und Heimat des Fußballs verdeutlicht.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
Europa Fachhochschule Fresenius
Volksbank Kirchhellen eG Bottrop
ELE
Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen

Bilder der Ausstellung
Bilder der AusstellungBilder der Ausstellung
Bilder der Ausstellung
Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum, © Kaprol

Helmut Dorner. Malerei 1988 – 2005

9. April bis 28. Mai 2006

Helmut Dorner wurde erstmals bekannt durch zwei Ausstellungen, die um 1990 im Krefelder Haus Lange und in der Kunsthalle Bern stattfanden. In Erinnerung sind diese Auftritte durch die Spannweite der darin formulierten Fragen, die ausdrücklich um Probleme der malerischen Organisation kreisten, sich jeder oberflächlichen Referenz an den Zeitgeist enthielten. Dadurch wirkten diese Bilder im Kontext einer neoexpressiven Malerei deutscher Provenienz, die damals noch reüssierte, überraschend und fremd.

Helmut Dorner war in den achtziger Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie Schüler von Gerhard Richter. Auch wenn er in seiner Malerei schon früh Eigenständigkeit erreichte, so ist das geistige Erbe des Lehrers doch in einer gewissen gemeinsamen Grunddisposition bis heute spürbar. Richters Malerei ist eine der Absagen, Zweifel und Negationen, in denen sich die Erfahrung deutscher Geschichte seit 1933 ausspricht. Sie äußert einen tiefreichenden Zweifel gegenüber der Ausdrucksfähigkeit der Malerei und formuliert zugleich deren Kraft und Autonomie gegenüber allen historischen Bezugspunkten. Auch Dorners Malerei teilt diese Erfahrung eines Bruchs, die Anhänglichkeit an eine ganz visuell bestimmte Kunst, deren Tragfähigkeit aber keineswegs mehr selbstverständlich gegeben ist.

Im Josef Albers Museum wird nun erstmals seine künstlerische Entwicklung im Überblick seit 1988 präsentiert. Dabei zeigt sich ein Fortschreiten, das sich in unterschiedlichen Materialien und Formaten ausdrückt, zugleich wird aber auch eine Kontinuität sichtbar, eben jene Grunddisposition einer Gebrochenheit der Malerei, in der Schönheit und Bedeutung formuliert und zugleich hinterfragend perspektiviert wird.

Am Beginn seines künstlerischen Wegs standen kleinformatige, in dicken Schichten von Ölfarbe gemalte Bilder neben größeren, glatten Lacktafeln, deren Oberflächen anonyme geometrische Muster zeigten, die nicht gemalt, sondern wie eingelassen in die anonyme Lackschicht erschienen.

Spontaneität und Sinnlichkeit der Ölbilder schienen einer Anonymität und Unnahbarkeit der Lacktafeln gegenüber zu stehen. Auch die malerische Sprache schien in verschiedene Richtungen zu weisen. Die Ölbilder ließen Formen und Figuren nur erahnen, ihre Konkretion schien durch den Prozess der Vermalung der Ölfarbe nach vorne getrieben und zugleich wieder ausgelöscht.

Die glatten Lacktafeln wirken hingegen wie ein anonymer Spiegel, der das Licht zurückwirft. Sie zeigen keine Gesten, sondern mechanisch wiederholte Formen ohne persönlichen Bezug.

Wie sehr Helmut Dorner Maler ist, sich in seinem Tun auf die elementaren Grundlagen der Malerei stützt, wird deutlich in seiner Rede vom Licht als Konstituens des Bildes, auf das er immer wieder zurückkommt. Seine unterschiedlichen Arbeitsorte, die beiden heimischen Ateliers und jenes in der Karlsruher Akademie, definieren sich für den Maler durch ihr Licht.

Den Plexigläsern verdankt sich auch Dorners jüngste Werkentwicklung. Es sind monumentale Platten, von denen zwei in den Räumen des Albers Museums ausgestellt sind. Der Maler vertraut sich hier in besonderer Weise der Eigenbewegung der Farbe an, die er direkt auf das Plexiglas schüttet. Nur durch leichtes Verrücken der Bildplatte wird die Farbe in ihrer Bewegung noch grob gesteuert. Zufall und die persönliche Kompositions-vorstellung kommen hier in einen labilen Dialog, der für das Prinzip von Dorners Malerei insgesamt einzustehen vermag.

Zur Ausstellung ist der gleichnamige Katalog mit Texten von Heinz Liesbrock, Ralph Melcher und Dieter Schwarz erschienen.
Preis: 19,80 Euro.

GREE, 1994
GREE, 1994, Lackfarben auf Leinwand auf Holz, 56,5 x 74 x 8 cm

Sabine Funke. Gemälde. Skulptur.
Ein Raum für Luis Barragán.

14. Januar bis 12. März 2006

Sabine Funke studierte 1974 bis 1986 an der Folkwangschule Essen und an der Städelschule Frankfurt a. M. unter anderem bei Reimer Jochims. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe. 1995 erhielt Sabine Funke den Förderpreis der Malerei des Westfälischen Kunstvereins Münster, 2005 den Hanna-Nagel-Preis der Stadt Karlsruhe.

Die Künstlerin hat in ihrer Entwicklung eine stringente, schlüssige Wandlung vollzogen. Bereits in frühen Bildern ist die Farbe wie die Kontur maßgebliches Thema ihrer Werke. Beides bezieht sich aufeinander und die jeweilige Wand, vor der die Arbeit zur Erscheinung kommt. Die Bildträger haben fast objekthaften Charakter. Die stete Entwicklung zu einer Wandmalerei und Farbarchitektur, die die Farbe auf Bildträgern in den Raum selbst bringt, macht die Farbe zu einem Erlebnis, wie es reinen Tafelbildern nur selten gelingt. Hier ist der Bezug zu Josef Albers zu sehen, der gleichermaßen komprimiert wie komplex mit der Farbe gearbeitet hat und in der Reduktion auf eine Grundform diese Farbintensität erreicht hat.

Funkes Wandmalerei und ihren Tafelbildern ist eine besondere Strahlkraft eigen, die sie durch das dünne Auftragen von synthetischen Farben erreicht. Die Tonwerte der Farben sind das zentrale Thema ihrer Arbeiten. Das Ergebnis sind Bildräume von hoher Transparenz und Leuchtkraft. Die Künstlerin beschreibt ihr Anliegen so: "Wenn die Architektur selbst zum Bildträger wird und der Raum zum Farbraum, kann Farbe geradezu körperlich erfahren werden. Farbe wirkt direkt auf unser Gefühlsleben und ist in gleicher Weise offen wie Musik, ohne uns mit vorbestimmten Inhalten zu konfrontieren."

Neben Gemälden zeigt diese Ausstellung auch zwei großflächige Wand-malereien, mit denen die Künstlerin in den letzten Jahren zunehmend bekannt geworden ist. Ebenfalls wird eine farbige Raumskulptur vorgestellt, durch die spezifische Wirkweisen der Farbe zu einer Ausdrücklichkeit geführt werden. Durch die räumliche Ausdehnung der Farbflächen entstehen Farbräume, die sich parallel zur vorhandenen Architektur entwickeln.

Die Künstlerin widmet die Ausstellung dem legendären mexikanischen Architekten Luis Barragán (1902 – 1988), der für sie in den letzten Jahren zu einer Inspiration für die eigene Malerei geworden ist. Gerade die für Barragáns Konzept wichtige Verbindung der Architektur mit großflächigen Farbfeldern spielt dabei eine Rolle. Der besondere Farbsinn von Sabine Funkes' Raum für Barragán' ist eine Referenz an den Architekten und dessen Verehrung für die Kunst von Josef Albers.

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit Texten von Erich Franz und Heinz Liesbrock erschienen. Preis: 19,80 Euro.

Raumaufnahme
Raumaufnahme
Installationen und Bilder der Ausstellung im Josef Albers Museum Quadrat

Sol LeWitt. Seven Basic Colors
And All Their Combinations
In A Square Within A Square.
Walldrawing for Josef Albers

4. September bis 27. November 2005

Sol LeWitt, geboren 1935, legte die Fundamente seines künstlerischen Konzepts um 1960. Ein wichtiger Orientierungspunkt war ihm damals auch das Werk von Josef Albers, ein Einfluss, den er bis heute in seiner Arbeit wirksam sieht. Etwa die Lehre von der Eigendynamik der Farbe, die genauso direkte wie anonyme Form des Quadrats als zentrale Figur eines geometrischen Vokabulars oder die tendenzielle Auflösung einer persönlich verstandenen Autorvorstellung. Auch die Idee der Serialität als Motor ihrer weit ausgreifenden Arbeitsfolgen, verbindet beide Künstler: an die Stelle des Einzelwerks tritt so die Vorstellung einer tendenziell unabschließbaren Perspektivität.

Sol LeWitt ist durch Skulpturen, Malereien und Wandgemälde bekannt geworden. Er gilt als zentraler Protagonist einer konzeptuell geprägten Kunst, die aber auch durch ihre sinnliche Unmittelbarkeit zu überzeugen weiß. Nun hat der Künstler ein großes Wandgemälde konzipiert, das aus den räumlichen Bedingungen des Albers Museums entstand und auch als eine Hommage an den Maler und Theoretiker Josef Albers zu verstehen ist. Die direkte Wirkung der Farbe und die Form des Quadrats spielen eine wichtige Rolle bei diesem eindrücklichen Entwurf.

Nach der Ausstellung von Agnes Martin im vergangenen Jahr ist dies das zweite Projekt in der Reihe 'Albers im Kontext', die wichtige amerikanische Künstler der Gegenwart, deren Arbeit durch Albers beeinflusst ist, vorstellt. Auch Sol LeWitts 'Walldrawing for Josef Albers' verdeutlicht Albers' eminente Rolle um 1960, als er, selbst wurzelnd in der europäischen Moderne, mithalf, einen neuen Begriff des künstlerischen Werks zu definieren, wie er sich dann in Minimal und Concept Art ausformte.

Anlässlich der Ausstellung erschien die Publikation "Sol LeWitt. Wall Drawing 1176. Seven Basic Colors and All Their Combinations in a Square within a Square. For Josef Albers". Mit einem Text von Heinz Liesbrock. Preis: 19,80 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch den Sparkassen-Kulturfonds des DSGV, die Kulturstiftung NRW und die Sparkasse Bottrop.

Bilder der AusstellungBilder der Ausstellung
Bilder der Ausstellung
Wandgemälde für das Josef Albers Museum

Carol Huebner Venezia. Boxers
Fotografien aus New York und Italien

4. September bis 20. November 2005

Seit Anfang der 90er Jahre fotografiert Carol Huebner Venezia im Gleason's Gym (New York). Im ältesten und berühmtesten Boxstall der Welt trainierten einst Schwergewichte wie Muhammed Ali, Joe Frazier, George Foreman, Jake la Motta und Mike Tyson. Doch Carol Huebner Venezia zeigt weder prominente Boxstars noch spektakuläre Ringkämpfe. Ihre großformatigen Arbeiten spiegeln stattdessen die Atmosphäre des Milieus wider, sie geben Einblick in Trainingsituationen und erzählen vom Selbstverständnis der Sportler.

Den unterprivilegierten, meist farbigen Männern in den U.S.A. bietet Boxen eine der wenigen Möglichkeiten, um den amerikanischen Traum wahr werden zu lassen. In italienischen Boxställen hingegen, etwa in Assisi, einem Zentrum des italienischen Boxens, wo weitere Bilder entstanden sind, kämpfen die jungen Boxer nicht des sozialen Aufstiegs wegen. Ihr Interesse gilt allein dem sportlichen Wettkampf, der Kunst des Boxens an sich.

Carol Huebner Venezia wurde 1947 in Minnesota geboren und lebt heute in New York und in Umbrien.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog erschienen.
Preis: 19,80 Euro.

Army boxer, 1991Boxer sparring eyes closed, 1994
Boxer with two scarw, 1990
von oben nach unten:
Army boxer, Gleason's Gym, Brooklyn, 1991
Boxer sparring eyes closed, Gleason's Gym, Brooklyn, 1994
Boxer with two scars, Houston Boxing Association, 1990

Ernst Hermanns. Skulpturen

22. Mai bis 14. August 2005

Ernst Hermanns (1914 - 2000) hat mit seinen Arbeiten einen Beitrag zur Entwicklung der Sprache der Plastik nach 1945 geleistet, dessen Bedeutung heute unbestritten ist. Gerade in seinem Spätwerk, das seit etwa 1980 entsteht, betreibt er eine Grundlagenrecherche, die die Frage nach dem Einzelwerk (Kugeln, Scheiben, Zylinder) erweitert auf dessen Beziehung zum Raum hin. In den Blick rückt nun neben Masse und Volumen der Körper besonders ihre Beziehung zueinander - die Erfahrung des Zwischenraums und der Leere. Es entsteht, in Hermanns' Worten, "eine Synthese von Raum, Statik und Bewegung". Eine fast magische Verbindung von Rationalität und Intuition schafft aus wenigen Elementen Gebilde, deren intensive Stille ein Kraftfeld entstehen lässt, das den Betrachter in besonderer Weise herausfordert. Er begegnet hier nicht einem festgelegten Schema, sondern einem Angebot, dessen unerschöpfliche 'Leere' er durch den Akt seines Sehens zu immer neuen Konstellationen fügt. Zu Recht ist deshalb auch auf die strukturelle Nähe von Hermanns' Konzept zur nie festlegbaren Dialektik der Farb- und Raumbeziehung in Josef Albers' Serie 'Homage to the Square' hingewiesen worden.

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Stiftung DKM, Duisburg, entstanden. Sie wurde gefördert durch das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW.

Blick in die AusstellungBlick in die Ausstellung
Blick in die AusstellungBlick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellungsräume des Josef Albers Museum Quadrat, © Nolden

Giorgio Morandi. Landschaft

6. Februar bis 24. April 2005

Mit einer pauschalen Feststellung zu beginnen, kann merkwürdig klingen, doch sei es in diesem besonderen Fall erlaubt: Giorgio Morandi darf als wichtigster Maler Italiens im 20. Jahrhundert gelten. Der Bologneser, der seine Heimatstadt nur selten verließ, ging künstlerisch einen ganz eigenen Weg, der mit anderen Tendenzen seiner Zeit nicht zu verrechnen ist. Morandi malte in immer neuen Konstellationen Stillleben, zu deren Vorlage ihm Kannen, Flaschen und Dosen dienten, die er in seiner häuslichen Umgebung fand. Diese einfachen Dinge überführte er durch die Intensität seiner Beobachtung und deren malerische Umsetzung in eine Gegenwärtigkeit von großer künstlerischer Kraft.

Ein zweites Thema seiner Bilder ist die Landschaft rund um das Dorf Grizzana in den Abruzzen, etwa eine Stunde von Bologna entfernt, wo der Künstler über Jahrzehnte die Sommermonate verbrachte. Auch vor diesem Sujet gelingt seinen Bildern eine Symbiose der Natur und ihrer spärlichen Besiedlungen.

Morandis Malerei ist kunsthistorisch deshalb so wichtig, weil sie die sichtbare Welt und ihre Phänomene nicht als selbstverständlich gegeben nimmt, sondern zeigt, wie sie sich unter intensiver Beobachtung eigentlich ständig verändern. So arbeitete er in Bildserien, die sich in seinem Spätwerk zunehmend der Abstraktion nähern.

Neben seinem Heimatland hat er besondere Aufmerksamkeit vor allem in Deutschland und der Schweiz gefunden, inzwischen auch in den USA, wo momentan eine große Ausstellung vorbereitet wird. Allerdings hat es bisher noch keine Ausstellung gegeben, die sich ausdrücklich Morandis Landschaftsbildern widmet, die etwa ein Viertel seines Werks ausmachen. Diese Ausstellung wird nun im Quadrat stattfinden.

Möglich wird dieses Projekt, weil Morandis Kunst in seiner Heimatstadt ein Museum gewidmet ist. Dieses Museo Morandi stellt einen großen Teil seiner wertvollen Sammlung für die Ausstellung in Bottrop zur Verfügung und wird gleichzeitig – basierend auf den Beständen des Josef Albers Museums und auch der Josef und Anni Albers Foundation – die erste umfassende Ausstellung zu Josef Albers in Italien zeigen. Zwei wichtige 'Ein-Künstler-Museen' arbeiten hier also eng zusammen, um eine neue Perspektive auf ihre Sammlungsbestände zu entwickeln. Deshalb wird in beiden Ausstellungen, in Bologna und in Bottrop, der jeweilige Heimatkünstler auch mit einer Reihe von Werken vertreten sein, so dass es zu einem Dialog zwischen Albers und Morandi kommt.

Um die besondere Bedeutung der Ausstellung zu unterstreichen, hat der Botschafter Italiens in Deutschland die Schirmherrschaft übernommen und wird auch bei ihrer Eröffnung anwesend sein.

Anlässlich der Ausstellung ist der Katalog Giorgio Morandi Landschaft erschienen. Preis: 36 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
Kunststiftung NRW
Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW
Istituto Italiano di Cultura

Cortile di via Fondazza, 1958
Cortile di via Fondazza, 1958, Ölfarben auf Leinwand, 45,5 x 50,0 cm,
Bologna, Museo Morandi

Arno Schmidt. Vier mal vier – Fotografien aus Bargfeld

20. Februar bis 24. April 2005

Der Schriftsteller Arno Schmidt ("Zettels Traum") war in seinen Texten ein genauer Beobachter der Lautlichkeit der deutschen Sprache. Aus dem konkreten Sprechen der Menschen, auch aus den vielfältigen regionalen Färbungen der Umgangssprache, gewann seine Prosa wichtige Impulse. Darin folgte Schmidt besonders James Joyce.

Schmidt wurde bereits früh ein begeisterter Fotograf, war mit der Kamera ein kundiger Amateur, der die sichtbare Welt, die sich vor seinen Augen zeigte, vermaß. Fernglas, Kamera und Lupe gehörten auf Spaziergängen und Reisen zu seinen ständigen Begleitern. 1958 zog Schmidt mit seiner Frau Alice nach Bargfeld in der Lüneburger Heide, wo er bis zu seinem Tod 1979 am Rand des Dorfes wohnte. Dieser Umzug fiel zeitlich zusammen mit der Popularisierung der Farbfotografie, die nun zu einem preiswerten Massenmedium wurde, das zahllose private Erinnerungen festhielt.

Schmidt fotografierte regelmäßig auf Diafilmen und tauschte das Festgehaltene an langen Abenden mit Freunden aus. Aus einem Nachlass von etwa 2500 Bildern hat nun der Fotografiehistoriker und Kenner des Schmidtschen Werks Janos Frecot siebzig Bilder ausgesucht. Sie alle sind in der Umgebung von Schmidts Wohnhaus entstanden und überzeugen durch ihre Sachlichkeit und die immer spürbare Zuneigung zur konkreten Landschaft und den Dingen. Der heimatliche Humus, der dem großen Schriftsteller ein Leben und Arbeiten ermöglichte, wird hier sichtbar. Neben den Fotos werden drei Dialeuchtkästen gezeigt.

Die Ausstellung beruht auf einer Zusammenarbeit mit der Arno Schmidt Stiftung.

Holunder vor Schmidts Haus
Holunder vor Schmidts Haus,
© Arno Schmidt, Vier mal vier, Fotografien aus Bargfeld, Janos Frecot (Hrsg.),
Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag

Kimber Smith. Malerei 1956 – 1980

5. Dezember 2004 bis 6. Februar 2005

Kimber Smith verließ New York 1954, um nach Paris zu gehen. In der französischen Kunst suchte er nach Hinweisen, wie eine Malerei jenseits der hieratischen Geste des Abstrakten Expressionismus, der in New York dominierte, aussehen könnte. Mit anderen amerikanischen Künstlern seiner Generation, etwa Sam Francis, Ellsworth Kelly oder Joan Mitchell suchte Smith einen Anknüpfungspunkt gerade in jener Traditionslinie, die der Abstrakte Expressionismus in seiner Vorstellung einer autochthon amerikanischen Kunst abbrechen wollte. Für den 1922 geborenen Smith wurden dabei Matisse und Bonnard, aber auch die ältere europäische Kunstgeschichte zu wichtigen Orientierungspunkten.

Stehen die ersten Bilder mit ihrem eruptiven Ausdruck noch im Schatten des Abstrakten Expressionismus, so gelangt Smith Anfang der sechziger Jahre zu einer Klärung seiner Bildsprache. Einfache geometrische Formen wie Kreise, Rhomben und Balken bestimmen nun sein Vokabular. Dabei behalten seine Kompositionen immer einen Moment des Spontanen, bleiben erkennbar als Ausdruck des konkreten malerischen Prozesses. Es scheint keine kompositorische Prädisposition zu geben, die einzelnen Setzungen entstehen wie selbstverständlich auseinander. Kennzeichen dieser Bilder ist neben ihrer Freude an der unmittelbaren Kraft der Farben auch die Aufladung des malerischen Duktus durch Elemente des Zeichnerischen. Sparsam gesetzte Gesten stehen im Dialog mit der hellen Bildfläche und erscheinen als die überzeugende Antwort eines immer noch jungen Malers auf den späten Matisse. Diese Souveränität im Umgang mit seinen Mitteln unterstreichen auch die zahlreichen Gouachen.

Mitte der sechziger Jahre kehrte Smith mit seiner Familie in die USA zurück und ließ sich auf Long Island nieder. Während sich seine Malerei kontinuierlich weiterentwickelte, blieb ihm jedoch die Anerkennung durch die amerikanische Kunstwelt versagt. Smith stirbt 1981.

Seine Bilder kennen keine Regel, aus der sich die Vorstellung des 'richtigen' Bildes ableiten ließe. Jede Verfestigung der Formen und Farben zur Komposition enthält auch das Potential einer anderen Möglichkeit. Diesen Spannungsbogen immer wieder aufgeladen zu haben, lässt seine Malerei auch heute unverbraucht erscheinen. Ihre Großzügigkeit und gleichzeitige Verdichtung vermögen immer noch zu strahlen.

Einen wichtigen Vermittler hatte Kimber Smith während seiner Zeit in Paris in Arnold Rüdlinger, dem Leiter der Baseler Kunsthalle, der ihn zahlreichen Sammlern vorstellte. Durch Galerieausstellungen waren Smith' Werke auch über Rüdlingers Tod hinaus in der Schweiz regelmäßig zu sehen. So kamen die besten Bilder und Gouachen in Schweizer Sammlungen, und es ist nur folgerichtig, dass diese erste Retrospektive von Kimber Smith nun vom Kunstmuseum Winterthur erarbeitet wurde, das seinerseits im letzten Jahrzehnt verschiedene Werke des Künstlers erworben hat.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog, herausgegeben vom Museum Winterthur, mit Texten von Eric de Chassey, Heinz Liesbrock, Annette Michelson, Dieter Schwarz und einem Interview mit Kimber Smith von Stanislas Ivankow erschienen. Preis: 24 Euro.

Nissa, 1980
Nissa, 1980, Filzstift und Acrylfarben auf Baumwolle, 80 x 79 cm

Ulrich Rückriem im Josef Albers Museum

18. Juli bis 10. Oktober 2004

Ulrich Rückriems bildhauerische Arbeit ist gekennzeichnet durch die Suche nach dem Einfachen und Elementaren, eine der maßgeblichen Haltungen in der Kunst des 20. Jahrhunderts, der sich wesentliche Neuerungen verdanken. Für Bottrop hat er eine Ausstellung aus Bodenstücken (Schiefer) und Graphitarbeiten konzipiert. Sind die Arbeiten in Stein vor allem durch die Spannung zwischen dem Material und seinen strukturierenden Teilungen bestimmt, so entwickeln die Graphitmalereien ein Proportionssystem auf der Wand. Die schwarzen Flächen, die sich auf geschlossene Kuben beziehen, werden in ein Proportionsverhältnis zur Wand gebracht und zeigen sich in einem Wechsel zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, der auch an Albers' Recherche über die Beziehung zwischen 'physikalischer Wirklichkeit' und 'psychischer Wirkung' gemahnt.

Die Ausstellung bezieht auch, als Hommage an den Maler, das Josef Albers Museum mit ein.

Gefördert wurde die Ausstellung vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW.

Wandarbeiten und 4er SchieferplattenWandarbeiten und 4er Schieferplatten
Kleine SteleBodenrelief
von oben nach unten:
Wandarbeiten, 2004, Graphit auf Wand aufgetragen, Höhe 182 x Breite 90 cm
4er Schieferplatten, 1989, Englischer Schiefer, gespalten und geschnitten,
je 17 x 103 x 183 cm
Kleine Stele, 1988, Anröchter Dolomit, rundum geschnitten, gespalten
Bodenrelief, 1986, Englischer Schiefer, gespalten und geschnitten
(1 von 6 Variationen), © Hannappel

Nicholas Nixon. The Brown Sisters

18. Juli bis 10. Oktober 2004

Seit 1975 hält der amerikanische Fotograf Nicholas Nixon seine Frau Beverly Brown (Bebe) und deren drei jüngere Schwestern in Gruppenporträts fest. Einmal in jedem Jahr, anlässlich eines Familientreffens, haben sich seither die vier Frauen der Kamera gestellt. In den siebenundzwanzig Bildern, die bis zum Jahr 2003 entstanden sind, bleibt die Reihenfolge der Frauen im Bild konstant, der Rest des Arrangements verdankt sich dem Blick des Fotografen, seinem jeweils anders gerichteten Umgang mit der Plattenkamera (8 x 10 inch). "The Brown Sisters" ist eines der großen Langzeitprojekte in der jüngeren Geschichte der Fotografie. Jedes der Bilder hält einen einmaligen Moment im Leben dieser Frauen fest, und zugleich bringt die Abfolge jenes eigentlich Unsichtbare vor unser Auge: den Fluss der Zeit. Hinter den Verwandlungen der Individuen und den sich verändernden psychologischen Konstellationen innerhalb der so eng verbundenen Gruppe stiftet das Vergehen der Zeit den Atem und Takt dieser außerordentlichen Bildgruppe.

The Brown Sisters, 1984
The Brown Sisters, 1984

Jan Jedlicka. Maremma 1980 – 2001

2. Mai bis 27. Juni 2004

Der 1944 in Prag geborene, heute in Zürich lebende Jan Jedlicka ist einer der großen Erneuerer der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema der Landschaft. Seine Arbeit konzentriert sich dabei besonders auf die Maremma, jene ehemals einzigartige, halb natürliche, halb von Menschen geschaffene Küstenlandschaft in der südlichen Toskana, deren Zentrum die Stadt Grosseto ist. In dieser Ausstellung, die gemeinsam mit der University Gallery Brighton und dem Museo Cantonale d'Arte Lugano erarbeitet wurde, wird zum ersten Mal eine repräsentative Auswahl seiner von der Maremma handelnden Arbeiten vorgestellt. Dies sind Malereien mit Pigmenten, Aquarelle und Zeichnungen, Radierungen, Fotografien und Filme.

Der Künstler ist dabei am materiellen Faktum der Landschaft interessiert, der Geologie und der Vegetation, an den Menschen und ihren Behausungen. Es geht ihm aber auch um eine geistige Dimension: wie sich im Lauf der Geschichte Mensch und Landschaft miteinander entwickelt haben und wie sich diese Vergangenheit in das heutige Angesicht der Landschaft eingeschrieben hat. Aber genauso wird das handfeste Faktum der regionalen Entwicklungspolitik Italiens angesprochen, die u. a. dazu geführt hat, dass die Maremma ihren ehemals einmaligen Charakter zu verlieren droht.

Die Ausstellung steht unter dem Patronat S. E. Boris Lazar, Botschafter der Tschechischen Republik in Deutschland, Berlin.

Zur Ausstellung ist im Verlag der Buchhandlung Walther König das Buch Maremma zum Preis von 28 Euro erschienen.

Collelungo 8.8.1993
Collelungo 8.8.1993
mattina 20 x 27,5 cm
mezzogiorno 20,3 x 27,5 cm
sera 20 x 27,5 cm
Pigment on paper

Agnes Martin. The Islands

14. März bis 16. Mai 2004

Agnes Martins Kunst wird bereits seit den siebziger Jahren von einem Nimbus begleitet. In ihm hat das zurückgezogene Leben der Malerin in der Wüste New Mexicos ebenso seinen Platz wie die Anmutung von Reinheit, die ihren Bildern zu Eigen ist, gespeist aus wenigen zurückgenommenen Farben und mit dem Graphitstift gezogenen Linien. Agnes Martins künstlerische Laufbahn beginnt in den sechziger Jahren, und es überrascht nicht, dass ihr Konzept sich in wichtigen Aspekten mit der Werkvorstellung der zeitgleich entstehenden Minimal Art verwandt zeigt. Zu diesen Verbindungspunkten gehören die Rücknahme einer emphatischen Autorvorstellung, die Überwindung eines hierarchischen Kompositionsmodells zugunsten der Kompaktheit des Werks, generell eine Versachlichung des Bildbegriffs. Gleichwohl sind diese Ähnlichkeiten mit der Minimal Art eher Oberflächenphänomene. Denn Agnes Martins Bildvorstellung macht das Kunstwerk zum Träger einer umfassenden Vorstellung von Wahrheit und Schönheit. Ihr Residuum haben sie in einer inneren Schau, die sich auf ein Reich der allen sichtbaren Phänomenen zugrund liegenden Ideen richtet.

Die heute im zweiundneunzigsten Lebensjahr stehende Agnes Martin ist eine der Klassikerinnen der Gegenwartskunst, deren Arbeit besondere Bedeutung gewinnt, gerade weil sie sich in den letzten vierzig Jahren jenseits aller wechselnden Trends der Gegenwartskunst entwickelt hat. Das selten gezeigte Werk der Künstlerin wird nun im Josef Albers Museum erstmals seit der 1991/92 gezeigten europäischen Retrospektive wieder in einer komprimierten Auswahl vorgestellt. Im Zentrum steht dabei die zwölfteilige Bildfolge 'The Islands' von 1979 aus der Sammlung des Whitney Museum of American Art in New York, die zu den zentralen Äußerungen der Künstlerin rechnet, führt sie doch hier ihre Suche nach einem aus der Reduktion der Reize sich speisenden sinnlichen Reichtum an eine äußerste Grenze.

Die Ausstellung von Agnes Martin, deren Bilder wir gemeinsam mit Werken von Josef Albers vorstellen, bildet den Auftakt zu einer auf mehrere Jahre angelegten Ausstellungsreihe mit dem Titel 'Albers im Kontext', die die Bedeutung von Albers' Position für die Entwicklung der amerikanischen Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersuchen wird. 'Albers im Kontext' wird amerikanische Künstler vorstellen, die ihre ästhetischen Fundamente in den fünfziger und sechziger Jahren gelegt haben, als Albers' Kunst und Theorie wichtige Impulse für die Entwicklung einer Kunst jenseits des Abstrakten Expressionismus gab. Als zweites Projekt der Reihe wird im Jahr 2005 Sol LeWitt ein 'Walldrawing for Josef Albers' realisieren.

Gleichzeitig ist diese Ausstellung zu Agnes Martin für das Josef Albers Museum Anlass, seine Bestände zu sichten und deren Präsentation neu einzurichten. Neben Albers' Werken der Serie 'Homage to the Square' werden jetzt auch Fotografien und Papierarbeiten des Künstlers zu sehen sein. Ergänzt werden diese sowohl durch eine Werkgruppe von Anni Albers als auch durch eine Gruppe präkolumbianischer Skulpturen aus der Sammlung des Ehepaares.

Anlässlich der Ausstellung ist der Katalog Agnes Martin: The Islands im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop erschienen. Preis: 19 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
Kunststiftung NRW
Finanzgruppe Sparkassen-Kulturfonds
Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop

The Islands im Josef Albers Museum
The Islands im Josef Albers Museum
The Islands im Josef Albers Museum

The Islands, I-XII, 1979,
Gesso, synthetisches Polymer und Graphit auf Leinwand,
jeweils 182,88 x 182,88 cm

Albers in Bottrop. Die Sammlung in neuer Gestalt.

14. März 2004

Das Josef Albers Museum bewahrt seit seiner Gründung 1983 die umfangreichste öffentliche Sammlung von Werken des Künstlers, die auf eine Schenkung von Anni Albers an die Heimatstadt ihres Mannes zurückgeht. Die Sammlung macht Albers' Entwicklung in ihrer Breite nachvollziehbar: vom Schüler und Meister am Bauhaus, der dann seit 1933 am Black Mountain College und später in Yale unterrichtet und in dieser Zeit zu einem der einflussreichsten Lehrer, Theoretiker und Künstler des 20. Jahrhunderts wird.

Integriert werden in diese Ausstellung auch bisher wenig bekannte Fotografien des Künstlers und Malereien auf Papier, die als langfristige Leihgaben der Josef and Anni Albers Foundation nach Bottrop kommen. Von dort stammt auch eine Werkgruppe von Anni Albers, die erstmals in die Sammlung integriert wird. Durch diese Neupräsentation wird auch der eminente Einfluss deutlich, den die Begegnung mit der Kultur des vorkolonialen Mittel- und Südamerika für die Kunst von Josef und Anni Albers hatte.

Eine Gruppe präkolumbischer Skulpturen aus der bedeutenden Sammlung des Ehepaars Albers und eine Gruppe fotografischer Collagen, die Josef Albers mit Bildmaterial von den vielfachen Reisen schuf, lassen erkennen, wie Kunst, Architektur und Handwerk des südlichen Amerika die Suche der beiden Künstler nach einer Sprache komplexer Reduktion unterstützte, deren stille Monumentalität den Betrachter unmittelbar anzusprechen vermag.

Zwei Präkolumbianische Skulpturen
links: Anonym, Ixtlan del Rio, Nayarit 100 v. bis 300 n. Chr.
rechts: Anonym, Remojadas, Veracruz, 100 v. bis 150 n. Chr.
© Zamojski

Robert Adams. The New West

22. Februar bis 18. April 2004

Robert Adams' "The New West" ist eine der großen Bildfolgen in der Tradition von Walker Evans' "American Photographs" und Robert Franks' "The Americans", in denen Amerika sich selbst, seiner Geschichte und Gegenwart, seinen Hoffnungen begegnet. Entstanden um 1980, umkreisen die 58 schwarz-weiß Fotografien den Mythos des Westens, der das Selbstverständnis der Nation seit ihrer Gründung bestimmt. Die Weite der Landschaft, die Majestät der Rocky Mountains und die strahlende Klarheit des Lichts stehen – wie in der Vergangenheit – für den amerikanischen Traum von der Freiheit des Individuums und der Verschwisterung von Gesellschaft und Natur. Bei Adams ist die Landschaft des Westens immer noch utopisches Gegenbild, doch sind ihr auch unübersehbar die Zeichen einer Krise eingeschrieben: Die Zersiedlung und Verschmutzung des einst unberührten Raums werden genauso offenbar wie die Nivellierung allen gesellschaftlichen Lebens.

Die Ausstellung zeigt "The New West" in vintage-Fotografien aus der Sammlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Hannover.

Colorado Springs
Colorado Springs aus The New West

James Ensor. Vision und Aufruhr

23. November 2003 bis 11. März 2004

Obwohl Ensors Gemälde, seine Zeichnungen und besonders sein grafisches Werk dem Kanon klassischer Werke seit vielen Jahren zugerechnet werden, bleibt das Fremdartige, Bedrohliche aber auch Spöttisch-Satirische seines Werks unvermindert bestehen. Und ebenso wie er in seinen Anfängen nicht nur als Moderner, sondern ebenso als Aufrührer bezeichnet werden kann, wird er in seinem Spätwerk zu einem Maler fast märchenhaft verklärt wirkender Bilder, der besonders in seinen Stillleben eine zarte Farbigkeit erreicht.

Am 13. April 1860 wird James Ensor in Ostende geboren. Die Mutter betreibt ein Souvenirgeschäft mit Chinoiserien und Masken, der Vater ist in der Familie der einzige, der für die Kunst James Ensors Verständnis aufbringt. Ab 1873 besucht Ensor das "Collège de Notre-Dame", wo er besonderes Interesse an Zeichenkursen hat. Ab 1876 auf die Akademie von Ostende. Er malt vor allem Seestücke, Ansichten von Dünen und Landschaften, aber auch Interieurs in zumeist dunkler Tonigkeit.

1883 malt Ensor sein erstes Maskenbild "Les masques scandalisées". Ensors Farbauftrag ist meist pastos, die Farbpaste oft als solche erkennbar und in gestisch strukturierten Flächen auf die Leinwand gebracht. Die Phantastik wird zum Grundmerkmal seiner Malerei.

1886 beginnt Ensor mit ersten Radierungen - eine Gattung, die den Schwerpunkt seiner Arbeit bildet. Die meisten der Radierungen, die Ensor überhaupt geschaffen hat, entstehen in den Jahren zwischen 1886 und 1889. Die Landschaft, die er nach einigen frühen Bearbeitungen in der Malerei ganz aufgegeben hatte, tritt nun wieder in den Vordergrund: Seestücke, Küstenstriche, Hafengebiete und die bäuerliche Kulturlandschaft um Ostende. Hier bietet oft das Weiß des Papiers den größten Helligkeitswert.

Sein malerisches Hauptwerk, "L'entrée du Christ à Bruxelles en 1889" (Der Einzug Christi in Brüssel im Jahre 1889), entsteht 1888 - 1889. Es dominiert eine starke Farbigkeit und neue Helligkeit. Das Licht wird von Ensor als ein eigenes, markantes Merkmal seiner Kunst bezeichnet. "...denn ich habe die Bedeutung des Lichtes und der von ihr beeinflussten Linien immer begriffen. Diese persönliche Vision hat mich, [...] in höhere Regionen getragen."

Satirische Bilder, makabre Themen, Masken und eine oft spöttische Bildauffassung werden zum Kennzeichen seiner Kunst. Seine Visionen erscheinen als Zerrbilder einer Gesellschaft, deren hervorstechendstes Merkmal ihre Maskierung ist. James Ensor hat nicht nur maßgeblich auf die Surrealisten gewirkt, auch Emil Nolde ist durch ihn - nach einem Besuch Ensors in Ostende im Jahr 1911 - zu seinen Maskenbildern angeregt worden. Auf der documenta IX, im Jahr 1992, richtete der damalige Organisator Jan Hoet einen Ort des "kollektiven Gedächtnisses" ein. Neben David und Gaughuin ist hier James Ensor vertreten. Im "Selbstbildnis mit Blumenhut" erkennt Harald Szeemann einen "Narziß im Damenhut à la Rubens". "Ensor steht in einer Reihe mit Edvard Munch und Vincent van Gogh als herausragender Vertreter eines sich selbst reflektierenden und thematisierenden Künstlertums."

Um 1900 gilt seine Schaffenskraft als fast erschöpft. Ab 1907 beginnt er seine früheren Themen - nun deutlich aufgehellt - zu wiederholen. Dennoch wandelt sich der Stil Ensors. "Er wird malerischer, vegetativer, und es ist daher nur folgerichtig, wenn er die strenge Linie der Radierung aufgibt und sich der malerischen nuancierten Lithographie und schließlich der Farblithographie zuwendet. Logischerweise beginnt er nun auch, einige Radierungen zu kolorieren, wiewohl sie eigentlich der "Schwarzen Kunst" angehören." Auch Stillleben malt er von nun an häufiger, wobei er motivisch einige Gegenstände aus seinem Atelier wiederholt und variiert. 1913 erscheint die erste Monographie zu Ensor von Emile Verhaerens. Es folgt der erste Katalog der Radierungen. 1921 findet eine große Retrospektive in Antwerpen statt. Sein internationaler Ruhm festigt sich nach einer bedeutenden Ausstellung in Paris 1926.

Ensor stirbt am 19. November 1949, er wird zu Mariakerke auf dem Friedhof der Kirche Notre-Dame des Dunes beigesetzt.

Stillleben mit Obst und Gemüse
Le chou frisé, 1894, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm

Leo Erb. Ein Leben in Weiß

3. August bis 21. September 2003

Anlässlich seines 80. Geburtstags widmet das Josef Albers Museum Quadrat Bottrop dem Künstler Leo Erb (der in Schopp und St. Ingbert im Saarland lebt und arbeitet) eine retrospektiv angelegte Werkschau. Dabei liegen die Schwerpunkte auf den Materialbildern und kinetischen Skulpturen, wobei besonders letztere noch wenig bekannt sind.

Erbs Anfänge in den 1940er Jahren sind noch charakterisiert durch die Begegnung mit Paris und dem deutschen Informel. Von hier aus hat er sich bis heute eine unverwechselbare Position mit Berührungspunkten zur konstruktiven Kunst erarbeitet. Mit einer unerschöpflichen Phantasie entwickelt Leo Erb aus zwei Grundkonstanten - der (Nicht-)Farbe Weiß und der Linie - Bildobjekte aus jeweils unterschiedlichen Materialien wie Eiern, Kartonagen, weiß bemalten Holzstöcken, gefaltetem Papier, Papierstreifen, Holzlatten oder in Streichholzschachteln gefüllter Watte. Dadurch entstehen immer wieder neue faszinierende Linienbilder in Weiß. Die Farbe Weiß und die Linie sind in Erbs Bildern, Objekten und Skulpturen zu signifikanten Markenzeichen geworden, die sich auch in seinem alltäglichen Leben widerspiegeln.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einige kaum bekannte Werke aus Leo Erbs Privatsammlung, die eine "Verwandtschaft" zu anderen Künstlern unter Beweis stellen.

Leo Erb führt ein "Leben in Weiß": Er trägt ausschließlich weiße Kleidung, und die ihn umgebende Gegenstandswelt ist von dieser einen Farbe geprägt, sogar die Blumen in seinem Vorgarten.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen und der Städtischen Galerie Wolfsburg.

Zur Ausstellung ist im Kerber Verlag Bielefeld ein retrospektiv angelegter Katalog mit Beiträgen von Manfred Schneckenburger, Lorenz Dittmann, Dieter Fuder und Ulrike Lehmann erschienen. Preis: 20 Euro.

Ohne Titel
Ohne Titel, 1957
Tusche auf Papier, 16 x 23 cm (41 x 36 cm)

Judith Joy Ross. Portraits in America

1. Juni bis 20. Juli 2003

Die 1946 geborene Judith Joy Ross ist eine der großen Fotografinnen unserer Zeit, die dem traditionsgesättigten Genre des Porträts neue Möglichkeiten geöffnet hat. Es gelingt ihr, Menschen in besonders aufschlussreichen Momenten festzuhalten.

Unsere Ausstellung zeigt zwei Gruppen von Bildern aus den letzten zwanzig Jahren: Schulkinder und Porträts im direkten Umfeld des Vietnam Veterans Memorial in Washington, D.C.

Ross fotografiert mit besonderem Einfühlungsvermögen aus der Perspektive von Kindern, sie ist fasziniert von deren Unschuld, Stärke und Verletzbarkeit.

Die am Vietnam Veterans Memorial entstandenen Bilder unterstreichen die Spannung zwischen der kollektiven, nationalen Trauer und der individuellen Erinnerung. Sie zeigen anonym bleibende Menschen, die in die Hauptstadt gekommen sind, um ihrer in Vietnam gefallenen Angehörigen und Freunde zu gedenken. Bei Ross verwandeln sich diese Bilder in eine allgemeingültige Arbeit über unsere Fähigkeit zu trauern.

Antonio Calderara. Hommage zum 100. Geburtstag

1. Juni bis 20. Juli 2003

Stille sehen, Licht erleben – mit diesem Spannungsverhältnis lässt sich Antonio Calderaras Kunst umschreiben.
Sie erwuchs aus Calderaras tiefem Erlebnis der Landschaft um den Lago d'Orta im Piemont und kulminierte in einer Serie von Bildern und Aquarellen, in denen Farbe und abstrakte Bildformen in kristalliner Transparenz sich zunehmend verabsolutieren.

Diese Hommage an Antonio Calderara soll an den hundertsten Geburtstag eines der verschwiegensten Meister der italienischen Kunst erinnern, dessen gegenwärtige Wertschätzung leider in keinem angemessenen Verhältnis zum künstlerischen Rang seines Werks steht. Die Entwicklung des Autodidakten Calderara (1903 – 1978) vollzog sich in einem langwierigen Prozess seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Sie gipfelte in einem abstrakten "Spätstil", der mit dem ersten gegenstandslosen Aquarell von 1959 einsetzte und den Maler auch einem internationalen Publikum näher bekannt machte. Calderara entwickelte von da an eine Bildsprache, deren Formen ihre Herkunft aus dem Naturerlebnis nicht verleugneten. Seine Bilder wurden einer Vielzahl jüngerer Künstler dies- und jenseits der Alpen seit den 1960er Jahren ein wichtiger Bezugspunkt.

Es ist dies die zweite Ausstellung von Calderara in Bottrop nach 1978. Wir erinnern damit auch an die besondere Verehrung des Italieners für die Kunst von Josef Albers, die ihn veranlasste, unserem Haus ein Bild mit dem Titel "Ricordi di Josef Albers" zu schenken, das er am Todestag von Albers gemalt hatte.

Die Ausstellung wurde konzipiert von der Staatlichen Graphischen Sammlung München.

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit Texten von Michael Semff, Andreas Strobl, Wolf Wezel und Heinz Liesbrock erschienen. Preis: 16 Euro.

La famiglia - Dopo il temporale, 1934
La famiglia - Dopo il temporale, 1934, Öl auf Leinwand, 600 x 700 mm

Rolf Nolden. Prioritäten. Skulpturen und Zeichnungen

4. April bis 31. Mai 2003

Der 1954 in Krefeld geborene Rolf Nolden ist Meisterschüler von Ernst Hermanns, der bis 1980 an der Kunstakademie Münster lehrte. Auch Rolf Nolden arbeitet im weiten Feld konstruktiver künstlerischer Ansätze. Dadurch ist eine Verbindung zur Geschichte der Modernen Galerie hergestellt, denn eine der ersten Ausstellungen des Hauses in den siebziger Jahren war Ernst Hermanns gewidmet, der auch mit einer Skulptur im Garten des Museums vertreten ist.

Nolden arbeitet unter anderem im Medium der Zeichnung, die wie seine plastischen Arbeiten aus Stahl, Glas oder anderen Materialien in dieser Ausstellung zu sehen sind. Vor allem aber versteht er sich als Eisenbildhauer. In dieser ehrwürdigen Tradition, die einen wichtigen Platz in der Geschichte der modernen Plastik einnimmt, stellt er Wand- und Bodenobjekte, Skulpturen und Installationen her. Alle seine Arbeiten sind verbunden durch ein gemeinsames Anliegen, nämlich die sinnliche Wahrnehmung unserer Welt mit den Mitteln einfacher und prägnanter geometrischer Grundformen zu erkunden. Es geht Nolden um die Untersuchung von Wahrnehmungsgesetzen, um die Tektonik von Flächen- und Raumerfahrungen. Dabei wird immer wieder auch scheinbar Feststehendes in Frage gestellt. Zugrunde liegen Kalkül und Rationalität, die zu unübersehbarer Vielansichtigkeit führen können, die mit sprachlichen Begriffen kaum zu fassen ist.

Die Ausstellung von Rolf Nolden in Bottrop führt ausgewählte Arbeiten aus den letzten 15 Jahren zusammen, in denen wechselnde Prioritäten imaginärer und realer Erscheinungen thematisiert sind.

Zur Ausstellung ist der gleichnamige Katalog erschienen. Preis: 10 Euro. Ebenfalls ist eine vom Künstler für das Josef Albers Museum hergestellte Druckgrafik erhältlich.

"Keil II", 1996
"Keil II", 1996, 6 umgekehrt proportionale Segmente mit kongruenten Gesamtflächen, Abstände konstant 5 cm, Stahl 3 mm, nahtlos geschweißt, 197 x 625 x 200 cm

Francisco de Goya. Die graphischen Zyklen

8. September bis 1. Dezember 2002

Die Ausstellung des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft/ Freiburg zeigte insgesamt 253 Radierungen aus 4 Bildzyklen. Dazu gehörten die 1815 und 1816 entstandene "Tauromaquia" und die "Disparates" sowie die 1789 und 1863 veröffentlichten "Los Caprichos" und "Desastres de la Guerra".

Die Radierungen in Aquatinta setzen sich kritisch mit kirchlichen, sozialen und politischen Missständen auseinander. Bedeutsam ist die Technik, die Goya verwandte: Aquatinta, auch Tuschätzung oder Bistermanier genannt, ist eine malerische Technik, bei der über Flächenätzung Halbtöne erzeugt werden können. Dies setzte Goya meisterhaft ein.

Goya, der seit 1780 Maler am spanischen Hofe war, prangerte in den "Caprichos" die Absonderlichkeiten und die Dummheit der Welt an. Er wies in den "Desastres de la Guerra" früh auf soziale Missstände und die Schrecken des Krieges zwischen Spanien und Frankreich hin. Goya setzte sich jedoch auch mit existentiellen Ängsten und nicht zuletzt der eigenen Hoffnungslosigkeit in der "Disparates"-Serie auseinander.

Die Bildsprache ist expressiv, oft ins Monströse und Schreckliche gehend. Auch die Lichtführung evoziert das diffuse Gefühl, an der Betrachtung albtraumhafter Szenen teilzuhaben.

Eine Sonderstellung nimmt unter den Radierungen "La Tauromaquia" ein, eine Serie von Blättern, die die Kunst des Stierkampfs zum Thema hat. Sie wurde von einem schwarzen Rahmen eingefasst - wahrscheinlich um die Bildhaftigkeit zu steigern und mehr Absatz bei potentiellen Käufern zu finden. Einzelne Bildunterschriften fehlten, dafür gab es ein Blatt mit kurzen Erläuterungen zu den dargestellten Sujets.

Auch heute noch wirken Goyas Radierungen erstaunlich frisch und modern, die Kunst seiner Zeit am Wendepunkt des 18. zum 19. und weiter bis ins 20. Jahrhundert haben sie nachhaltig beeinflusst.

Los Caprichos
"Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"
Los Caprichos Nr. 43, 1797/98, Radierung

Klaus Staudt. Retrospektive 1957 – 2002

7. Juli bis 1. September 2002

Klaus Staudt nimmt eine eigene und unverwechselbare Stellung im
Bereich der geometrischen Abstraktion ein. Rund 100 Werke aus
40 Schaffensjahren wurden in der Retrospektive zu seinem 70. Geburtstag im Josef Albers Museum gezeigt und boten damit einen breiten Überblick über sein Werk. Vier Werkgruppen gliedern sein Oeuvre: die frühen Arbeiten vor 1960, Reliefs und Objekte seit 1960, Skulpturen und Zeichnungen seit 1970.

Erstmals wurden frühe Arbeiten, die erste künstlerische Versuche auf dem Weg zur Abstraktion deutlich werden lassen, öffentlich gezeigt. Organisch anmutende, amorphe Umrisse werden zu Farbe, Fläche und Linie und damit zu den bestimmenden Elementen seiner Kunst. Daneben tritt das Prinzip der seriellen Struktur, bis 1960 endgültig die Hinwendung zur systematisch-konstruktiven Kunst erfolgt. Die bestimmenden Parameter sind hierbei: Serialität, Licht, Schatten, Raum und Bewegung.

Seine Arbeiten bauen sich stets aus geometrischen Grundformen wie
etwa dem Quadrat oder dem Würfel auf, die nach systematischen Gesichtspunkten kombiniert, variiert, symmetrisch verschoben oder spiegelbildlich angeordnet werden. Nach diesem Prinzip gestaltet Staudt seit 1960 Reliefs und Objekte. Neben der strengen Systematik ist seinen Werken auch ein malerischer Aspekt zu Eigen. Dieser wird manchmal mittels einer milchigen Scheibe vor einem Relief erreicht, die entweder alles verschwimmen oder virtuelle Bewegung durch Verschieben oder Verdrehen entstehen lässt.

In diesem Punkt unterscheidet sich Staudt grundlegend von anderen Vertretern konstruktivistisch-konkreter Kunst. Seine Werke setzen neben der klaren, rationalen Bildaussage auf eine interaktive, bei jedem Betrachter unterschiedliche Wirkung.

Die dritte Werkgruppe bilden Skulpturen ab 1970. Hier steht hauptsächlich die in weiß gehaltene Struktur im Zentrum. Die Plastik zeigt ebenso wie die Wandobjekte das Prinzip von Räumlichkeit durch Licht und Schatten, jetzt aber losgelöst und frei im Raum stehend.

Den letzten und ganz eigenen Komplex bilden die Zeichnungen. Diese um 1970 entstandenen Papierarbeiten sind nicht als Vorzeichnungen zu den plastischen Werken Staudts zu sehen. Es regiert die Zweidimensionalität ohne jegliche Materialität. Bedeutsam bleibt die Struktur, markiert durch das zentrale Kompositionselement der Linie in verschiedenen Formulierungen: seriell, parallel, in Flächenform oder Raster bildend.

Die Zeichnungen und Objekte Staudts verbindet ein Prinzip der Dualität: einerseits Einfachheit, Klarheit und Logik, andererseits Veränderung, Mehrdeutigkeit und Offenheit.

Jupiter, 1998
"Jupiter", 1998

Miyoshi Kazuyoshi. Weltkulturerbe in Japan

14. Juli bis 1. September 2002

Die Wanderausstellung Weltkulturerbe Japan zeigte insgesamt 54 Fotografien von Natur- und Kulturerbestätten Japans des 1958 in Tokushima geborenen Miyoshi Kazuyoshi. Darunter das Shirakami Gebirge in Aomori, die Burg von Himey in Hyôgo, den Ryôanji Tempel in Kyôto und die Heijokyu-Palastanlage in Nara.

Nach seinem Studium an der Tokai-Universität erhielt Kazuyoshi 1985 als jüngster Preisträger den Kimura Ihee Award für den Fotoband Rakuen (Paradies). Seine Werke befinden sich hauptsächlich im George Eastman House, International Museum of Photography and Film, USA. 1998 erschien ein umfassender Bildband des Fotokünstlers mit Aufnahmen der Stätten des Weltkulturerbe Japans.

Das Weltkulturerbe wird jährlich von der Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur nach festgelegten Kriterien verabschiedet. Die Länder binden sich durch Unterzeichnen an die Konventionen der UNESCO und verpflichten sich damit, das Kulturerbe ihres Landes zu schützen und zu erhalten.

Byôdôin Tempel, Kyôto
Byôdôin Tempel, Kyôto

Alfred Erhardt. Photographien

31. Mai bis 7. Juli 2002

Die Fotografien Alfred Erhardts (1901 - 1984) sind im weitesten Sinne Naturaufnahmen. Er zeigt in Makrofotografie (1:1) Bodenformationen im Watt und die Dünenlandschaft der Kurischen Nehrung. Darüber hinaus gehören Muscheln, Kristalle und Korallen zu seinen bevorzugten Sujets.

Bestimmend ist eine strenge Präzision seiner Werke mit Blick auf Strukturen und Materialeigenschaften. Sein Ziel war es, die "absoluten Gesetze aller Erscheinungen" und die "überzeitlichen elementaren Urkräfte" der Natur darzustellen. Weitere Motivschwerpunkte waren die Skulptur- und Architekturfotografie.

Seine Fotografien konzipierte Erhardt als Erster bewusst seriell, erst in der Schau aller Werke einer Serie erschließt sich deren Gestaltungskonzept. 1928/29 besuchte er das Bauhaus, um bei Josef Albers, Oskar Schlemmer und Wassilij Kandinsky zu studieren. 1933, nach Einrichtung eines ersten Vorkurses für Zeichnung und Malerei außerhalb des Bauhauses, erhielt er im Zuge der NS-Diktatur Berufsverbot als Maler und wandte sich der Fotografie zu. Er gilt als der erfolgreichste Fotograf unter den Bauhauskünstlern.

Die Fotografie bildete jedoch nur einen Teil seiner vielfältigen Begabungen, Alfred Erhardt war außerdem Komponist, Maler sowie Filmproduzent. In dieser Eigenschaft erhielt er nach 1945 Auszeichnungen für mehr als 50 Kulturfilme, darunter vier Bundesfilmpreise und weitere internationale Preise.

Die Ausstellung in Bottrop umfasste etwa 160 Fotografien aus den Jahren 1933 bis 1970.

Alfred Ehrhardt
Iberus gualterianus - Südost-Spanien, 1940/41, Alfred-Ehrhardt-Archiv,
GAFF Rotenburg/Wümme, Ausstellungsplakat

Ben Willikens. Orte und Räume der Moderne

14. April bis 16. Juni 2002

Ausgehend von der klassischen Auffassung von Perspektive thematisiert Ben Willikens die Darstellung von Raum und Architektur auf so abstrakte Weise, dass die architektonischen Elemente zu rein geometrischen reduziert werden. Damit behauptet er in der Kunstlandschaft seiner Zeit eine sehr eigenständige Position und setzt sich von den gleichzeitigen Strömungen des Hyper- und Fotorealismus ab.

Willikens nimmt reale Räume als Sujet und verwandelt sie in menschenleere, in monochrom grau gehaltene Raumkonstruktionen. Diese "entwesten", kühlen Räume schließen jede Anwesenheit von Ausschmückung und Lebendigem aus und vermitteln ein ebenso anonymes wie zeitloses Raumverständnis ohne "Verortung".

In der Orte-Serie von 1996 beschäftigt sich der Künstler mit monumentaler Architektur der Nazizeit wie etwa dem Nürnberger Zeppelinfeld oder dem Münchner Ehrenhoftempel. Mit der für ihn typischen Entleerung der Orte setzt sich Willikens intensiv mit der Architektur auseinander, ohne sie zu ironisieren oder zu entfremden. Seine Bilder fragen nach der ästhetischen und politischen Geltung dieser Bauwerke in unserer Zeit und danach, ob Auftraggeber oder gewesener Zweck diese Architektur in ihrem formalen oder ästhetischen Rang diskreditieren.

Seine Serie Räume der Moderne setzt das Künstlergespräch mit der Architekturgeschichte fort und ist zeitlich wie auch thematisch mit der Orte-Serie verbunden. Auch hier reduziert Willikens bekannte Orte auf das Wesentliche, transponiert die Räume der Moderne aus ihrer Zweckwelt in eine Welt der reinen Erscheinung in Weiß, Schwarz und Grau.

Zur Ausstellung ist der gleichnamige Katalog erschienen. Preis: 18 Euro.

Transformatorenstation
Nürnberg, Zeppelinfeld, Eingang zur Transformatorenstation,
Acryl auf Leinwand, 1996

Georg Tappert. Photographische Augenblicke eines Malers

5. April bis 26. Mai 2002

Georg Tappert (1880 - 1957), der vor allem als Maler und Grafiker im Umkreis des Expressionismus hervorgetreten ist, hinterließ ein beachtliches fotografisches Werk, das mit ca. 70 Exponaten auch in Bottrop, als Station einer Wanderausstellung, ausgestellt wurde.

Georg Tappert leistete einen eigenständigen Beitrag zur frühen künstlerischen Landschaftsfotografie und besonders auch zur Akt- und Modellfotografie. Erhalten sind rund 350 Negative - einer Plattenkamera für Trockenplatten im Format 13 x 18 cm, jedoch kamen wohl auch mindestens sechs andere ungewöhnliche Formate zum Einsatz -, die den Rang und Anspruch eigener Kunstwerke und nicht nur bloßer Schnappschüsse haben. Es sind kaum Kontaktabzüge oder Vergrößerungen, geschweige denn damals übliche Negativ- oder Positiv-Retuschen vorhanden. Dies kann darauf hindeuten, dass er entweder die Technik nicht beherrschte oder sich nicht dafür interessierte. Es ist davon auszugehen, dass er Lichtführung, Komposition und Gestaltung von Anfang an berechnet hat.

Mit seinem lange vergessenen Oeuvre gilt der Künstler mittlerweile als Schüsselfigur der deutschen Avantgarde und Kunstfotografie-Bewegung zwischen 1905 und 1933. Seine Fotografien verlangen heute mit einem "unbelasteten Auge" betrachtet zu werden. Denn hier zeigt sich die "neue Optik" einer Zeit, in der die Fotografie als künstlerisches Medium noch frisch in der Konkurrenz mit den seit Jahrhunderten etablierten Bildkünsten stand.

Tappert erhielt seine akademische Ausbildung in Karlsruhe und war danach Assistent beim Architekten und Lebensreformer Paul Schultze-Naumburg auf dessen Kunstschule Burg Saaleck. Schon dort scheint Tappert mit dem Medium der Fotografie in Berührung gekommen zu sein. Nach Verlassen der Schule aus Anlass eines Streits mit Schultze-Naumburg beschloss Tappert freischaffender Künstler zu werden und ging zurück in seine Heimatstadt Berlin, wo er 1905 seine erste Einzelausstellung in einer Galerie hatte.

Aus persönlichen Gründen zog er nach Worpswede. Hier verbrachte er einige Zeit und widmete sich besonders der Landschaftsfotografie. Seinen Stil prägt ein nüchterner Blick auf die Dinge und eine unprätentiöse Motivwahl, was sich in den Abzügen "Dorf an der Saale" oder "Teich im Wald" ablesen lässt. Vor allem grafische Elemente in der Natur und großflächige Kontraste reizten ihn. Dennoch stand seine Fotografie immer in Beziehung zur Malerei, wie die nach Fotografien entstandenen Ölbilder und Linolschnitte zeigen.

Wasserschöpfmühle im Teufelsmoor
Wasserschöpfmühle im Teufelsmoor, Worpswede, 1906 - 09
(Ausschnitt, Vergrößerung von Ulrich Mack, 1995)

Lichtseiten

10. Februar bis 31. März 2002

Die Ausstellung Lichtseiten mit Exponaten aus der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie war siebte Station einer Wanderausstellung. Sie war der gelungene Versuch, signifikante Einblicke in das "bildnerische Denken" der Fotografie zu eröffnen und wesentliche Kenntnisse der Geschichte der Fotografie zu vermitteln.

Die meisten der etwa 160 Arbeiten waren so genannte "Vintage Prints" - Abzüge, zumeist Vergrößerungen, die vom Autor selbst angefertigt waren und zeitlich nah an der gemachten Aufnahme lagen. Sie stammten überwiegend aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und boten dem Betrachter in einer erstaunlichen Vielfalt Einblick in fotografische Prozesse.

Ziel der Schau war es, dem Besucher einen Blick auf die Fotografie jenseits des bloßen Inhalts zu vermitteln und deutlich zu machen, mit welch spezifischen Bildmitteln und Strukturen sie arbeitet.

Als Leitthema wählte der Kurator Janos Frecot einen Auszug aus Arno Schmidts Roman Das steinerne Herz: Facettenauge und Leporelloform. Dies zeige "die beiden großen Möglichkeiten der Fotografie". Frecot ordnete der Leporelloform den erzählenden Teil der Ausstellung zu, Facettenauge zeigte demnach die formalen Aspekte bildnerischer Gestaltung der Fotografie. Diese beiden großen Abschnitte sind unterteilt in 11 weitere kleine.

Zur Leporelloform gehören unter anderem Werke von Zille, der neben seiner zeichnerischen Tätigkeit ein umfassendes fotografisches Werk geschaffen hat, Erich Salomon, der "Hände, Gesten und Gesichter" zeigt, sowie erschütternde Bilder der Zerstörung Berlins im zweiten Weltkrieg von Georgij Petrussow.

Facettenauge leiten Porträts von Jacob Hilsdorf, Hugo Erfurt und Steffi Brandl ein sowie die die Grenzen klassischer Bildkunst überschreitenden Werke von El Lissitzky, Raoul Haussmann, Alexander Rodtschenko und Dieter Appelt. Es folgen Stillleben, Akt- und Pflanzenbildern von Marta Astfalck-Vietzs. Oberfläche und Raumtiefe sind Thema von Raoul Haussmann und Fritz Brill. Zeit und Bewegung werden dargestellt von Marianne Breslauer und Martin Munkácsi und Durchleuchtung und Spiegelung in Werken Lazlo Moholy-Nagys und Floris M. Neusüss betreiben die Diskussion um fotografische Gegenständlichkeit.

Edmund Kesting, ohne Titel
Edmund Kesting, ohne Titel, um 1930

Raimund Girke. Malerei 1956 – 1986

19. Oktober bis 30. November 1986

Der erste Eindruck Girkescher Bilder ist der von Stille und diffuser Helligkeit. Eine Leere, die gespeist von einer Überfülle kleinster Kontraste.

Ab 1960 schafft Raimund Girke seine ersten 'weißen Bilder', denen eine Beschäftigung mit dem Informel und dem Tachismus vorausging. Seine frühen tachistischen Arbeiten  vor 1960 sind in dieser Ausstellung erstmals zu sehen. Nach dieser Phase traute Girke wie auch andere Künstler der spontanen malerischen Aktion keine bildbegründende Kraft mehr zu. Er gab seinen Werken eine beruhigte, objektiviertere Form, die Mustern und Schemata gehorchte. Die eigentliche Form wird hier vielmehr zum Formschema. Sie allein hat die Funktion der Steuerung der Farbfolge.

Schon bald beginnen sich in den übernommenen Elementen des Informel ganz eigene Charakteristika abzuzeichnen. Dazu gehören unter anderem Ruhe und Bewegung, Querzüge und zeilenartige Horizontalen, wie sie schon bald bestimmend werden. Diese Strukturen verfestigen die noch instabilen Fleckbilder. Inspiration hierfür gewinnt Girke aus natürlichen Strukturen - etwa Steinbrüchen und offen liegenden Gesteinsschichten.
Die reduziert weiß-grauen Bildwelten Girkes deuten in ihrer Sparsamkeit auf eine gründliche Malerei, die am Anfang beginnen möchte und all ihre Schritte vom Beginn an überprüft. Damit gesellt sich Raimund Girke entwicklungsgeschichtlich zur Tradition der abstrakten Malerei, indem er nach einem neuen Grund sucht, auf dem er die Malerei aufbauen kann.

 "Das Weiß entzieht sich jeder Festlegung, es scheint sich ständig auszudehnen und zu verändern. Es ist Ruhe und Bewegung zugleich, ist grenzenlos und nimmt dem Bild seinen materiellen Zustand". (Raimund Girke, 1963)

Hans Steinbrenner. Skulpturen 1982 – 1985

19. Oktober 1986 bis 30. November

Die Ausstellung Hans Steinbrenner Skulpturen 1982 - 1985 wurde zusammen mit Werken des Malers Raimund Girkes präsentiert. Hans Steinbrenner zeigte 18 mit 'Figuren' betitelte Werke. Diese sind bevorzugt aus Eichenholz oder Basaltlava gearbeitet und zwischen 1 und 4 m hoch. Die Skulptur bildet in Steinbrenners Oeuvre jedoch nur einen Teil neben zahlreichen Zeichnungen und Bildern, die seinem plastischen Schaffen vorausgehen.

Die gezeigten 'Figuren' sind aus kubischen Elementen aufgebaut. Dies basiert auf einem neuen bildhauerischen Denken, das an geometrischen Elementen orientiert ist. Naturhaft runde Gebilde finden sich in Steinbrenners Frühwerk bis in die späten 50er Jahre. Betrachtet man seine ersten künstlerischen Gehversuche, geprägt von einer Bewunderung Lehmbrucks und Blumenthals, so wird eine immer stärkere Abstraktion deutlich. Die 'Figur' ist schließlich als synthetisches Gebilde zu verstehen, das seine kunstgeschichtlichen Wurzeln im Spätwerk Piet Mondrians hat.

Heute erinnern an die Ausgangsform des menschlichen Körpers nur noch die Proportionen nach anthropometrischen Maßstäben, die für das Gefühl der Harmonie beim Anblick seiner Werke sorgen. Die Elemente sind dabei in der Hauptachse nicht symmetrisch angeordnet, sondern axial geringfügig verschoben. Durch diese Verschiebungen wird eine lebendig wirkende Silhouette erreicht und die rhythmisierte Vertikale fügt der Skulptur eine ganz eigene Dynamik hinzu. Der erzählerische Moment der Gestaltung wird durch den Künstler verwischt, indem er die Skulpturen schwärzt und ihnen damit ihren individuellen Charakter nimmt. Dadurch und durch die seit 1960 einheitliche Betitelung aller Werke als 'Figur' wird die Abstraktion in Steinbrenners Werk nur noch umso deutlicher.

Obwohl die Werkstoffe Steinbrenners der Natur entnommen sind, werden sie in ihrer äußeren Erscheinung so verfremdet, dass sie als Naturelemente nicht mehr erkennbar sind. Es entstehen Formen von großer Klarheit und allgemeiner Gültigkeit.

Der gleichnamige Katalog wurde von der Galerie Katrin Rabus, Bremen, herausgegeben. Preis: 8 Euro.

Figur 1984
Figur 1984, Eichenholz, H 234 cm