JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Francisco de Goya. Die graphischen Zyklen

8. September bis 1. Dezember 2002

Die Ausstellung des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft/ Freiburg zeigte insgesamt 253 Radierungen aus 4 Bildzyklen. Dazu gehörten die 1815 und 1816 entstandene "Tauromaquia" und die "Disparates" sowie die 1789 und 1863 veröffentlichten "Los Caprichos" und "Desastres de la Guerra".

Die Radierungen in Aquatinta setzen sich kritisch mit kirchlichen, sozialen und politischen Missständen auseinander. Bedeutsam ist die Technik, die Goya verwandte: Aquatinta, auch Tuschätzung oder Bistermanier genannt, ist eine malerische Technik, bei der über Flächenätzung Halbtöne erzeugt werden können. Dies setzte Goya meisterhaft ein.

Goya, der seit 1780 Maler am spanischen Hofe war, prangerte in den "Caprichos" die Absonderlichkeiten und die Dummheit der Welt an. Er wies in den "Desastres de la Guerra" früh auf soziale Missstände und die Schrecken des Krieges zwischen Spanien und Frankreich hin. Goya setzte sich jedoch auch mit existentiellen Ängsten und nicht zuletzt der eigenen Hoffnungslosigkeit in der "Disparates"-Serie auseinander.

Die Bildsprache ist expressiv, oft ins Monströse und Schreckliche gehend. Auch die Lichtführung evoziert das diffuse Gefühl, an der Betrachtung albtraumhafter Szenen teilzuhaben.

Eine Sonderstellung nimmt unter den Radierungen "La Tauromaquia" ein, eine Serie von Blättern, die die Kunst des Stierkampfs zum Thema hat. Sie wurde von einem schwarzen Rahmen eingefasst - wahrscheinlich um die Bildhaftigkeit zu steigern und mehr Absatz bei potentiellen Käufern zu finden. Einzelne Bildunterschriften fehlten, dafür gab es ein Blatt mit kurzen Erläuterungen zu den dargestellten Sujets.

Auch heute noch wirken Goyas Radierungen erstaunlich frisch und modern, die Kunst seiner Zeit am Wendepunkt des 18. zum 19. und weiter bis ins 20. Jahrhundert haben sie nachhaltig beeinflusst.

Los Caprichos
"Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"
Los Caprichos Nr. 43, 1797/98, Radierung