JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Klaus Staudt. Retrospektive 1957 – 2002

7. Juli bis 1. September 2002

Klaus Staudt nimmt eine eigene und unverwechselbare Stellung im
Bereich der geometrischen Abstraktion ein. Rund 100 Werke aus
40 Schaffensjahren wurden in der Retrospektive zu seinem 70. Geburtstag im Josef Albers Museum gezeigt und boten damit einen breiten Überblick über sein Werk. Vier Werkgruppen gliedern sein Oeuvre: die frühen Arbeiten vor 1960, Reliefs und Objekte seit 1960, Skulpturen und Zeichnungen seit 1970.

Erstmals wurden frühe Arbeiten, die erste künstlerische Versuche auf dem Weg zur Abstraktion deutlich werden lassen, öffentlich gezeigt. Organisch anmutende, amorphe Umrisse werden zu Farbe, Fläche und Linie und damit zu den bestimmenden Elementen seiner Kunst. Daneben tritt das Prinzip der seriellen Struktur, bis 1960 endgültig die Hinwendung zur systematisch-konstruktiven Kunst erfolgt. Die bestimmenden Parameter sind hierbei: Serialität, Licht, Schatten, Raum und Bewegung.

Seine Arbeiten bauen sich stets aus geometrischen Grundformen wie
etwa dem Quadrat oder dem Würfel auf, die nach systematischen Gesichtspunkten kombiniert, variiert, symmetrisch verschoben oder spiegelbildlich angeordnet werden. Nach diesem Prinzip gestaltet Staudt seit 1960 Reliefs und Objekte. Neben der strengen Systematik ist seinen Werken auch ein malerischer Aspekt zu Eigen. Dieser wird manchmal mittels einer milchigen Scheibe vor einem Relief erreicht, die entweder alles verschwimmen oder virtuelle Bewegung durch Verschieben oder Verdrehen entstehen lässt.

In diesem Punkt unterscheidet sich Staudt grundlegend von anderen Vertretern konstruktivistisch-konkreter Kunst. Seine Werke setzen neben der klaren, rationalen Bildaussage auf eine interaktive, bei jedem Betrachter unterschiedliche Wirkung.

Die dritte Werkgruppe bilden Skulpturen ab 1970. Hier steht hauptsächlich die in weiß gehaltene Struktur im Zentrum. Die Plastik zeigt ebenso wie die Wandobjekte das Prinzip von Räumlichkeit durch Licht und Schatten, jetzt aber losgelöst und frei im Raum stehend.

Den letzten und ganz eigenen Komplex bilden die Zeichnungen. Diese um 1970 entstandenen Papierarbeiten sind nicht als Vorzeichnungen zu den plastischen Werken Staudts zu sehen. Es regiert die Zweidimensionalität ohne jegliche Materialität. Bedeutsam bleibt die Struktur, markiert durch das zentrale Kompositionselement der Linie in verschiedenen Formulierungen: seriell, parallel, in Flächenform oder Raster bildend.

Die Zeichnungen und Objekte Staudts verbindet ein Prinzip der Dualität: einerseits Einfachheit, Klarheit und Logik, andererseits Veränderung, Mehrdeutigkeit und Offenheit.

Jupiter, 1998
"Jupiter", 1998