JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Lichtseiten

10. Februar bis 31. März 2002

Die Ausstellung Lichtseiten mit Exponaten aus der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie war siebte Station einer Wanderausstellung. Sie war der gelungene Versuch, signifikante Einblicke in das "bildnerische Denken" der Fotografie zu eröffnen und wesentliche Kenntnisse der Geschichte der Fotografie zu vermitteln.

Die meisten der etwa 160 Arbeiten waren so genannte "Vintage Prints" - Abzüge, zumeist Vergrößerungen, die vom Autor selbst angefertigt waren und zeitlich nah an der gemachten Aufnahme lagen. Sie stammten überwiegend aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und boten dem Betrachter in einer erstaunlichen Vielfalt Einblick in fotografische Prozesse.

Ziel der Schau war es, dem Besucher einen Blick auf die Fotografie jenseits des bloßen Inhalts zu vermitteln und deutlich zu machen, mit welch spezifischen Bildmitteln und Strukturen sie arbeitet.

Als Leitthema wählte der Kurator Janos Frecot einen Auszug aus Arno Schmidts Roman Das steinerne Herz: Facettenauge und Leporelloform. Dies zeige "die beiden großen Möglichkeiten der Fotografie". Frecot ordnete der Leporelloform den erzählenden Teil der Ausstellung zu, Facettenauge zeigte demnach die formalen Aspekte bildnerischer Gestaltung der Fotografie. Diese beiden großen Abschnitte sind unterteilt in 11 weitere kleine.

Zur Leporelloform gehören unter anderem Werke von Zille, der neben seiner zeichnerischen Tätigkeit ein umfassendes fotografisches Werk geschaffen hat, Erich Salomon, der "Hände, Gesten und Gesichter" zeigt, sowie erschütternde Bilder der Zerstörung Berlins im zweiten Weltkrieg von Georgij Petrussow.

Facettenauge leiten Porträts von Jacob Hilsdorf, Hugo Erfurt und Steffi Brandl ein sowie die die Grenzen klassischer Bildkunst überschreitenden Werke von El Lissitzky, Raoul Haussmann, Alexander Rodtschenko und Dieter Appelt. Es folgen Stillleben, Akt- und Pflanzenbildern von Marta Astfalck-Vietzs. Oberfläche und Raumtiefe sind Thema von Raoul Haussmann und Fritz Brill. Zeit und Bewegung werden dargestellt von Marianne Breslauer und Martin Munkácsi und Durchleuchtung und Spiegelung in Werken Lazlo Moholy-Nagys und Floris M. Neusüss betreiben die Diskussion um fotografische Gegenständlichkeit.

Edmund Kesting, ohne Titel
Edmund Kesting, ohne Titel, um 1930