JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Kimber Smith. Malerei 1956 – 1980

5. Dezember 2004 bis 6. Februar 2005

Kimber Smith verließ New York 1954, um nach Paris zu gehen. In der französischen Kunst suchte er nach Hinweisen, wie eine Malerei jenseits der hieratischen Geste des Abstrakten Expressionismus, der in New York dominierte, aussehen könnte. Mit anderen amerikanischen Künstlern seiner Generation, etwa Sam Francis, Ellsworth Kelly oder Joan Mitchell suchte Smith einen Anknüpfungspunkt gerade in jener Traditionslinie, die der Abstrakte Expressionismus in seiner Vorstellung einer autochthon amerikanischen Kunst abbrechen wollte. Für den 1922 geborenen Smith wurden dabei Matisse und Bonnard, aber auch die ältere europäische Kunstgeschichte zu wichtigen Orientierungspunkten.

Stehen die ersten Bilder mit ihrem eruptiven Ausdruck noch im Schatten des Abstrakten Expressionismus, so gelangt Smith Anfang der sechziger Jahre zu einer Klärung seiner Bildsprache. Einfache geometrische Formen wie Kreise, Rhomben und Balken bestimmen nun sein Vokabular. Dabei behalten seine Kompositionen immer einen Moment des Spontanen, bleiben erkennbar als Ausdruck des konkreten malerischen Prozesses. Es scheint keine kompositorische Prädisposition zu geben, die einzelnen Setzungen entstehen wie selbstverständlich auseinander. Kennzeichen dieser Bilder ist neben ihrer Freude an der unmittelbaren Kraft der Farben auch die Aufladung des malerischen Duktus durch Elemente des Zeichnerischen. Sparsam gesetzte Gesten stehen im Dialog mit der hellen Bildfläche und erscheinen als die überzeugende Antwort eines immer noch jungen Malers auf den späten Matisse. Diese Souveränität im Umgang mit seinen Mitteln unterstreichen auch die zahlreichen Gouachen.

Mitte der sechziger Jahre kehrte Smith mit seiner Familie in die USA zurück und ließ sich auf Long Island nieder. Während sich seine Malerei kontinuierlich weiterentwickelte, blieb ihm jedoch die Anerkennung durch die amerikanische Kunstwelt versagt. Smith stirbt 1981.

Seine Bilder kennen keine Regel, aus der sich die Vorstellung des 'richtigen' Bildes ableiten ließe. Jede Verfestigung der Formen und Farben zur Komposition enthält auch das Potential einer anderen Möglichkeit. Diesen Spannungsbogen immer wieder aufgeladen zu haben, lässt seine Malerei auch heute unverbraucht erscheinen. Ihre Großzügigkeit und gleichzeitige Verdichtung vermögen immer noch zu strahlen.

Einen wichtigen Vermittler hatte Kimber Smith während seiner Zeit in Paris in Arnold Rüdlinger, dem Leiter der Baseler Kunsthalle, der ihn zahlreichen Sammlern vorstellte. Durch Galerieausstellungen waren Smith' Werke auch über Rüdlingers Tod hinaus in der Schweiz regelmäßig zu sehen. So kamen die besten Bilder und Gouachen in Schweizer Sammlungen, und es ist nur folgerichtig, dass diese erste Retrospektive von Kimber Smith nun vom Kunstmuseum Winterthur erarbeitet wurde, das seinerseits im letzten Jahrzehnt verschiedene Werke des Künstlers erworben hat.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog, herausgegeben vom Museum Winterthur, mit Texten von Eric de Chassey, Heinz Liesbrock, Annette Michelson, Dieter Schwarz und einem Interview mit Kimber Smith von Stanislas Ivankow erschienen. Preis: 24 Euro.

Nissa, 1980
Nissa, 1980, Filzstift und Acrylfarben auf Baumwolle, 80 x 79 cm