JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Giorgio Morandi. Landschaft

6. Februar bis 24. April 2005

Mit einer pauschalen Feststellung zu beginnen, kann merkwürdig klingen, doch sei es in diesem besonderen Fall erlaubt: Giorgio Morandi darf als wichtigster Maler Italiens im 20. Jahrhundert gelten. Der Bologneser, der seine Heimatstadt nur selten verließ, ging künstlerisch einen ganz eigenen Weg, der mit anderen Tendenzen seiner Zeit nicht zu verrechnen ist. Morandi malte in immer neuen Konstellationen Stillleben, zu deren Vorlage ihm Kannen, Flaschen und Dosen dienten, die er in seiner häuslichen Umgebung fand. Diese einfachen Dinge überführte er durch die Intensität seiner Beobachtung und deren malerische Umsetzung in eine Gegenwärtigkeit von großer künstlerischer Kraft.

Ein zweites Thema seiner Bilder ist die Landschaft rund um das Dorf Grizzana in den Abruzzen, etwa eine Stunde von Bologna entfernt, wo der Künstler über Jahrzehnte die Sommermonate verbrachte. Auch vor diesem Sujet gelingt seinen Bildern eine Symbiose der Natur und ihrer spärlichen Besiedlungen.

Morandis Malerei ist kunsthistorisch deshalb so wichtig, weil sie die sichtbare Welt und ihre Phänomene nicht als selbstverständlich gegeben nimmt, sondern zeigt, wie sie sich unter intensiver Beobachtung eigentlich ständig verändern. So arbeitete er in Bildserien, die sich in seinem Spätwerk zunehmend der Abstraktion nähern.

Neben seinem Heimatland hat er besondere Aufmerksamkeit vor allem in Deutschland und der Schweiz gefunden, inzwischen auch in den USA, wo momentan eine große Ausstellung vorbereitet wird. Allerdings hat es bisher noch keine Ausstellung gegeben, die sich ausdrücklich Morandis Landschaftsbildern widmet, die etwa ein Viertel seines Werks ausmachen. Diese Ausstellung wird nun im Quadrat stattfinden.

Möglich wird dieses Projekt, weil Morandis Kunst in seiner Heimatstadt ein Museum gewidmet ist. Dieses Museo Morandi stellt einen großen Teil seiner wertvollen Sammlung für die Ausstellung in Bottrop zur Verfügung und wird gleichzeitig – basierend auf den Beständen des Josef Albers Museums und auch der Josef und Anni Albers Foundation – die erste umfassende Ausstellung zu Josef Albers in Italien zeigen. Zwei wichtige 'Ein-Künstler-Museen' arbeiten hier also eng zusammen, um eine neue Perspektive auf ihre Sammlungsbestände zu entwickeln. Deshalb wird in beiden Ausstellungen, in Bologna und in Bottrop, der jeweilige Heimatkünstler auch mit einer Reihe von Werken vertreten sein, so dass es zu einem Dialog zwischen Albers und Morandi kommt.

Um die besondere Bedeutung der Ausstellung zu unterstreichen, hat der Botschafter Italiens in Deutschland die Schirmherrschaft übernommen und wird auch bei ihrer Eröffnung anwesend sein.

Anlässlich der Ausstellung ist der Katalog Giorgio Morandi Landschaft erschienen. Preis: 36 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
Kunststiftung NRW
Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW
Istituto Italiano di Cultura

Cortile di via Fondazza, 1958
Cortile di via Fondazza, 1958, Ölfarben auf Leinwand, 45,5 x 50,0 cm,
Bologna, Museo Morandi