JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

James Ensor. Vision und Aufruhr

23. November 2003 bis 11. März 2004

Obwohl Ensors Gemälde, seine Zeichnungen und besonders sein grafisches Werk dem Kanon klassischer Werke seit vielen Jahren zugerechnet werden, bleibt das Fremdartige, Bedrohliche aber auch Spöttisch-Satirische seines Werks unvermindert bestehen. Und ebenso wie er in seinen Anfängen nicht nur als Moderner, sondern ebenso als Aufrührer bezeichnet werden kann, wird er in seinem Spätwerk zu einem Maler fast märchenhaft verklärt wirkender Bilder, der besonders in seinen Stillleben eine zarte Farbigkeit erreicht.

Am 13. April 1860 wird James Ensor in Ostende geboren. Die Mutter betreibt ein Souvenirgeschäft mit Chinoiserien und Masken, der Vater ist in der Familie der einzige, der für die Kunst James Ensors Verständnis aufbringt. Ab 1873 besucht Ensor das "Collège de Notre-Dame", wo er besonderes Interesse an Zeichenkursen hat. Ab 1876 auf die Akademie von Ostende. Er malt vor allem Seestücke, Ansichten von Dünen und Landschaften, aber auch Interieurs in zumeist dunkler Tonigkeit.

1883 malt Ensor sein erstes Maskenbild "Les masques scandalisées". Ensors Farbauftrag ist meist pastos, die Farbpaste oft als solche erkennbar und in gestisch strukturierten Flächen auf die Leinwand gebracht. Die Phantastik wird zum Grundmerkmal seiner Malerei.

1886 beginnt Ensor mit ersten Radierungen - eine Gattung, die den Schwerpunkt seiner Arbeit bildet. Die meisten der Radierungen, die Ensor überhaupt geschaffen hat, entstehen in den Jahren zwischen 1886 und 1889. Die Landschaft, die er nach einigen frühen Bearbeitungen in der Malerei ganz aufgegeben hatte, tritt nun wieder in den Vordergrund: Seestücke, Küstenstriche, Hafengebiete und die bäuerliche Kulturlandschaft um Ostende. Hier bietet oft das Weiß des Papiers den größten Helligkeitswert.

Sein malerisches Hauptwerk, "L'entrée du Christ à Bruxelles en 1889" (Der Einzug Christi in Brüssel im Jahre 1889), entsteht 1888 - 1889. Es dominiert eine starke Farbigkeit und neue Helligkeit. Das Licht wird von Ensor als ein eigenes, markantes Merkmal seiner Kunst bezeichnet. "...denn ich habe die Bedeutung des Lichtes und der von ihr beeinflussten Linien immer begriffen. Diese persönliche Vision hat mich, [...] in höhere Regionen getragen."

Satirische Bilder, makabre Themen, Masken und eine oft spöttische Bildauffassung werden zum Kennzeichen seiner Kunst. Seine Visionen erscheinen als Zerrbilder einer Gesellschaft, deren hervorstechendstes Merkmal ihre Maskierung ist. James Ensor hat nicht nur maßgeblich auf die Surrealisten gewirkt, auch Emil Nolde ist durch ihn - nach einem Besuch Ensors in Ostende im Jahr 1911 - zu seinen Maskenbildern angeregt worden. Auf der documenta IX, im Jahr 1992, richtete der damalige Organisator Jan Hoet einen Ort des "kollektiven Gedächtnisses" ein. Neben David und Gaughuin ist hier James Ensor vertreten. Im "Selbstbildnis mit Blumenhut" erkennt Harald Szeemann einen "Narziß im Damenhut à la Rubens". "Ensor steht in einer Reihe mit Edvard Munch und Vincent van Gogh als herausragender Vertreter eines sich selbst reflektierenden und thematisierenden Künstlertums."

Um 1900 gilt seine Schaffenskraft als fast erschöpft. Ab 1907 beginnt er seine früheren Themen - nun deutlich aufgehellt - zu wiederholen. Dennoch wandelt sich der Stil Ensors. "Er wird malerischer, vegetativer, und es ist daher nur folgerichtig, wenn er die strenge Linie der Radierung aufgibt und sich der malerischen nuancierten Lithographie und schließlich der Farblithographie zuwendet. Logischerweise beginnt er nun auch, einige Radierungen zu kolorieren, wiewohl sie eigentlich der "Schwarzen Kunst" angehören." Auch Stillleben malt er von nun an häufiger, wobei er motivisch einige Gegenstände aus seinem Atelier wiederholt und variiert. 1913 erscheint die erste Monographie zu Ensor von Emile Verhaerens. Es folgt der erste Katalog der Radierungen. 1921 findet eine große Retrospektive in Antwerpen statt. Sein internationaler Ruhm festigt sich nach einer bedeutenden Ausstellung in Paris 1926.

Ensor stirbt am 19. November 1949, er wird zu Mariakerke auf dem Friedhof der Kirche Notre-Dame des Dunes beigesetzt.

Stillleben mit Obst und Gemüse
Le chou frisé, 1894, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm