JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Agnes Martin. The Islands

14. März bis 16. Mai 2004

Agnes Martins Kunst wird bereits seit den siebziger Jahren von einem Nimbus begleitet. In ihm hat das zurückgezogene Leben der Malerin in der Wüste New Mexicos ebenso seinen Platz wie die Anmutung von Reinheit, die ihren Bildern zu Eigen ist, gespeist aus wenigen zurückgenommenen Farben und mit dem Graphitstift gezogenen Linien. Agnes Martins künstlerische Laufbahn beginnt in den sechziger Jahren, und es überrascht nicht, dass ihr Konzept sich in wichtigen Aspekten mit der Werkvorstellung der zeitgleich entstehenden Minimal Art verwandt zeigt. Zu diesen Verbindungspunkten gehören die Rücknahme einer emphatischen Autorvorstellung, die Überwindung eines hierarchischen Kompositionsmodells zugunsten der Kompaktheit des Werks, generell eine Versachlichung des Bildbegriffs. Gleichwohl sind diese Ähnlichkeiten mit der Minimal Art eher Oberflächenphänomene. Denn Agnes Martins Bildvorstellung macht das Kunstwerk zum Träger einer umfassenden Vorstellung von Wahrheit und Schönheit. Ihr Residuum haben sie in einer inneren Schau, die sich auf ein Reich der allen sichtbaren Phänomenen zugrund liegenden Ideen richtet.

Die heute im zweiundneunzigsten Lebensjahr stehende Agnes Martin ist eine der Klassikerinnen der Gegenwartskunst, deren Arbeit besondere Bedeutung gewinnt, gerade weil sie sich in den letzten vierzig Jahren jenseits aller wechselnden Trends der Gegenwartskunst entwickelt hat. Das selten gezeigte Werk der Künstlerin wird nun im Josef Albers Museum erstmals seit der 1991/92 gezeigten europäischen Retrospektive wieder in einer komprimierten Auswahl vorgestellt. Im Zentrum steht dabei die zwölfteilige Bildfolge 'The Islands' von 1979 aus der Sammlung des Whitney Museum of American Art in New York, die zu den zentralen Äußerungen der Künstlerin rechnet, führt sie doch hier ihre Suche nach einem aus der Reduktion der Reize sich speisenden sinnlichen Reichtum an eine äußerste Grenze.

Die Ausstellung von Agnes Martin, deren Bilder wir gemeinsam mit Werken von Josef Albers vorstellen, bildet den Auftakt zu einer auf mehrere Jahre angelegten Ausstellungsreihe mit dem Titel 'Albers im Kontext', die die Bedeutung von Albers' Position für die Entwicklung der amerikanischen Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersuchen wird. 'Albers im Kontext' wird amerikanische Künstler vorstellen, die ihre ästhetischen Fundamente in den fünfziger und sechziger Jahren gelegt haben, als Albers' Kunst und Theorie wichtige Impulse für die Entwicklung einer Kunst jenseits des Abstrakten Expressionismus gab. Als zweites Projekt der Reihe wird im Jahr 2005 Sol LeWitt ein 'Walldrawing for Josef Albers' realisieren.

Gleichzeitig ist diese Ausstellung zu Agnes Martin für das Josef Albers Museum Anlass, seine Bestände zu sichten und deren Präsentation neu einzurichten. Neben Albers' Werken der Serie 'Homage to the Square' werden jetzt auch Fotografien und Papierarbeiten des Künstlers zu sehen sein. Ergänzt werden diese sowohl durch eine Werkgruppe von Anni Albers als auch durch eine Gruppe präkolumbianischer Skulpturen aus der Sammlung des Ehepaares.

Anlässlich der Ausstellung ist der Katalog Agnes Martin: The Islands im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop erschienen. Preis: 19 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
Kunststiftung NRW
Finanzgruppe Sparkassen-Kulturfonds
Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop

The Islands im Josef Albers Museum
The Islands im Josef Albers Museum
The Islands im Josef Albers Museum

The Islands, I-XII, 1979,
Gesso, synthetisches Polymer und Graphit auf Leinwand,
jeweils 182,88 x 182,88 cm