JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Helmut Dorner. Malerei 1988 – 2005

9. April bis 28. Mai 2006

Helmut Dorner wurde erstmals bekannt durch zwei Ausstellungen, die um 1990 im Krefelder Haus Lange und in der Kunsthalle Bern stattfanden. In Erinnerung sind diese Auftritte durch die Spannweite der darin formulierten Fragen, die ausdrücklich um Probleme der malerischen Organisation kreisten, sich jeder oberflächlichen Referenz an den Zeitgeist enthielten. Dadurch wirkten diese Bilder im Kontext einer neoexpressiven Malerei deutscher Provenienz, die damals noch reüssierte, überraschend und fremd.

Helmut Dorner war in den achtziger Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie Schüler von Gerhard Richter. Auch wenn er in seiner Malerei schon früh Eigenständigkeit erreichte, so ist das geistige Erbe des Lehrers doch in einer gewissen gemeinsamen Grunddisposition bis heute spürbar. Richters Malerei ist eine der Absagen, Zweifel und Negationen, in denen sich die Erfahrung deutscher Geschichte seit 1933 ausspricht. Sie äußert einen tiefreichenden Zweifel gegenüber der Ausdrucksfähigkeit der Malerei und formuliert zugleich deren Kraft und Autonomie gegenüber allen historischen Bezugspunkten. Auch Dorners Malerei teilt diese Erfahrung eines Bruchs, die Anhänglichkeit an eine ganz visuell bestimmte Kunst, deren Tragfähigkeit aber keineswegs mehr selbstverständlich gegeben ist.

Im Josef Albers Museum wird nun erstmals seine künstlerische Entwicklung im Überblick seit 1988 präsentiert. Dabei zeigt sich ein Fortschreiten, das sich in unterschiedlichen Materialien und Formaten ausdrückt, zugleich wird aber auch eine Kontinuität sichtbar, eben jene Grunddisposition einer Gebrochenheit der Malerei, in der Schönheit und Bedeutung formuliert und zugleich hinterfragend perspektiviert wird.

Am Beginn seines künstlerischen Wegs standen kleinformatige, in dicken Schichten von Ölfarbe gemalte Bilder neben größeren, glatten Lacktafeln, deren Oberflächen anonyme geometrische Muster zeigten, die nicht gemalt, sondern wie eingelassen in die anonyme Lackschicht erschienen.

Spontaneität und Sinnlichkeit der Ölbilder schienen einer Anonymität und Unnahbarkeit der Lacktafeln gegenüber zu stehen. Auch die malerische Sprache schien in verschiedene Richtungen zu weisen. Die Ölbilder ließen Formen und Figuren nur erahnen, ihre Konkretion schien durch den Prozess der Vermalung der Ölfarbe nach vorne getrieben und zugleich wieder ausgelöscht.

Die glatten Lacktafeln wirken hingegen wie ein anonymer Spiegel, der das Licht zurückwirft. Sie zeigen keine Gesten, sondern mechanisch wiederholte Formen ohne persönlichen Bezug.

Wie sehr Helmut Dorner Maler ist, sich in seinem Tun auf die elementaren Grundlagen der Malerei stützt, wird deutlich in seiner Rede vom Licht als Konstituens des Bildes, auf das er immer wieder zurückkommt. Seine unterschiedlichen Arbeitsorte, die beiden heimischen Ateliers und jenes in der Karlsruher Akademie, definieren sich für den Maler durch ihr Licht.

Den Plexigläsern verdankt sich auch Dorners jüngste Werkentwicklung. Es sind monumentale Platten, von denen zwei in den Räumen des Albers Museums ausgestellt sind. Der Maler vertraut sich hier in besonderer Weise der Eigenbewegung der Farbe an, die er direkt auf das Plexiglas schüttet. Nur durch leichtes Verrücken der Bildplatte wird die Farbe in ihrer Bewegung noch grob gesteuert. Zufall und die persönliche Kompositions-vorstellung kommen hier in einen labilen Dialog, der für das Prinzip von Dorners Malerei insgesamt einzustehen vermag.

Zur Ausstellung ist der gleichnamige Katalog mit Texten von Heinz Liesbrock, Ralph Melcher und Dieter Schwarz erschienen.
Preis: 19,80 Euro.

GREE, 1994
GREE, 1994, Lackfarben auf Leinwand auf Holz, 56,5 x 74 x 8 cm