JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Anton Stankowski. Aspekte des Gesamtwerks

19. November 2006 bis 11. Februar 2007

Zum 100. Geburtstag von Anton Stankowski zeigt eine groß angelegte Retrospektive einen umfassenden Überblick über das freie und angewandte Schaffen des Künstlers und Gestalters (1906 – 1998). Nach den Stationen in Stuttgart und Zürich kommt nun die Ausstellung ins Ruhrgebiet und damit an den ersten zentralen Wirkungsort von Anton Stankowski. So liegt es nahe, dass hier neben einem Überblick aus allen Schaffensperioden ein eigener Schwerpunkt auf die künstlerischen Arbeiten gelegt wird, die während seiner Ausbildungszeit an der Folkwangschule in Essen entstanden oder im Zusammenhang mit dem Ruhrgebiet stehen.

Als Bergarbeitersohn in Gelsenkirchen geboren, begann Anton Stankowski schon früh Talent fürs Malerische zu entwickeln. Nach seinem Studium bei Max Burchartz an der Essener Folkwangschule wurde er 1929 von Max Dalang in dessen renommiertes Reklame-Atelier nach Zürich geholt. Es begann eine entscheidende Zeit, in der Stankowski sein foto- und typografisches Werk zu einem Prototyp zeitgenössischen Werbestils entwickelte, die heute legendäre "Schweizer Industriegrafik". Wichtige Freundschaften entstanden in dieser Zeit, u. a. zu Hans Neuburg, Richard Paul Lohse, Max Bill, Verena Loewensberg, Alois Cariget, Hans Corey. Nach Entzug der Arbeitserlaubnis kehrte er mit einer Zwischenstation in Lörrach 1938 nach Deutschland zurück. Er gründete in Stuttgart sein Graphisches Atelier, das er auch nach "verlorenen Jahren im Krieg" weiterführte. Auch in Stuttgart hatte Stankowski sofort Verbindung zu den führenden Personen der visuellen Bewegung wie beispielsweise Willi Baumeister, Max Bense und Egon Eiermann. Nicht zuletzt durch die Tätigkeit Stankowskis wurde Stuttgart im Laufe der 50er Jahre zu einer "Hochburg" im Grafikdesign. Er prägte das Grafikdesign der Bundesrepublik Deutschland entscheidend. Neben den grafischen Arbeiten widmete sich Stankowski immer der Malerei, die im Laufe der Jahre mehr ins Zentrum seines Schaffens rückte.

Anton Stankowskis Leitmotiv "Finden, vereinfachen, versachlichen und vermenschlichen – das Letzte ist das Schwerste" bestimmte Leben und Werk dieses unermüdlich tätigen Schöpfergeistes. Die Ausstellung zielt darauf, einzelne Aspekte des Gesamtwerks unter verschiedenen Gesichtspunkten aufzuzeigen und seine Aktualität unter Beweis zu stellen. Es ist ein Versuch, sowohl den Pluralismus seines Werkes aufzuzeichnen als auch die Gemeinsamkeit, die Visualisierung von Inhalten, hervorzuheben. Für Anton Stankowski gab es keinen Unterschied zwischen freier und angewandter Kunst, beide Bereiche haben sich in seinem Werk ständig durchdrungen. Übrigens ist dies eine Gemeinsamkeit mit Josef Albers, der auch in beiden Disziplinen arbeitete.

Die Ausstellung mit mehreren Standorten in immer veränderter Form bietet sowohl "Klassiker" wie im Grafikdesign das Deutsche Bank Logo und die Wortmarke Viessmann, in der Malerei seine berühmte Schräge und in der Fotografie solche berühmten Arbeiten wie "Zeitprotokoll im Auto", als auch sonst viel Neues. So werden in Bottrop noch nie gezeigte Fotografien und gebrauchsgrafische Arbeiten zu sehen sein, die während seiner Zeit im Ruhrgebiet entstanden. Ein weiteres Highlight der Ausstellung sind seine Skizzenbücher, die als Faksimile der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mit vielen Exponaten, biografischen Filmen und einer Projektion seiner Fotogramme und Marken zeigt die Ausstellung die undogmatische Herangehensweise Anton Stankowskis an Formfindungen. Das Gesamtwerk beeindruckt durch seine mediale Vielfalt, von der Fotografie über die Malerei bis hin zum gebrauchsgrafischen Werk.

Zur Ausstellung ist der Katalog "Stankowski 06. Aspekte des Gesamtwerks" erschienen. Preis: 39 Euro.

Die Ausstellung wurde unterstützt durch:
Deutsche Bank
Viessmann
Altana

Zeitprotokoll mit Auto, 1931
Höhe, Breite, Tiefe, 1929
oben: Zeitprotokoll mit Auto - »Am Helmhaus Zürich«/»Ruhe und Bewegung«/
»für Kilometerzähler«, 1931, Vintage, 13,5 x 17 cm

unten: Höhe, Breite, Tiefe, 1929, Tempera, Tusche, 34 x 43,9 cm