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Kampagne "Ausbildung sichtbar machen" hat weiteren Partner

Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.), greift Kampagne auf. KAoA-Netzwerkpartner bieten Betrieben eine Plattform für ihre Angebote und bauen Jugendlichen eine Brücke in den Beruf.

Eine Ausbildungskampagne für Bottrop

Um den Übergang Jugendlicher von der Schule in den Beruf zu unterstützen, vernetzen sich alle Akteure des Ausbildungsmarktes in der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA). Deren Kooperation erfährt durch themenbezogene Workshops im Rahmen einer Bund-Länder-Vereinbarung Unterstützung. In Bottrop rücken die Partner der kommunalen Koordinierung die vielfältigen Möglichkeiten der dualen Ausbildung in den Fokus. Mit der Kampagne „Ausbildung sichtbar machen“ wollen sie erreichen, dass Bottrop für junge Menschen und Unternehmen attraktiv und zukunftsfähig bleibt.

Wer Bottrops Oberbürgermeister dienstlich aufsucht, stößt auf den Fluren auf einen Blickfang. Im dritten Stock des RAG-Gebäudes am Gleiwitzer Platz, in dem Bernd Tischler übergangsweise sein Büro hat, ist ein Banner aufgestellt. Mit großen Lettern verkündet es: „Wir bilden aus!“ Für die Stadtverwaltung ist dieser Satz von besonderer Bedeutung. Mit jährlich etwa 50 Lehrstellen ist sie traditionell eine der großen Anbieterinnen von Ausbildungsplätzen in der 116.000-Einwohner-Kommune. Mehr noch: Durch das Auslaufen der letzten Bottroper Zeche „Prosper Haniel“ Ende 2018 rückt Bernd Tischlers Behörde nun gar zum größten Ausbilder auf.

Mit dem Ende des Bergbaus fallen in der Stadt nicht allein Arbeitsplätze, sondern auch 100 hochwertige Ausbildungsplätze ersatzlos weg. Letztmals begannen Jugendliche im Jahr 2014 bei der RAG Deutsche Steinkohle AG in Bottrop ihre duale Ausbildung. Seither suchen die verschiedenen Akteure des Ausbildungs- und Arbeitsmarkts nach Antworten auf die Frage, wie die Stadt diesen Aderlass verkraften und dennoch dem heimischen Nachwuchs einen attraktiven Übergang von der Schule in den Beruf bieten kann. Diese Frage begleitete die Bottroper Partner auch, als sie das allgemeine Angebot des Landes Nord­rhein-Westfalen annahmen, ihre Kooperation im Rahmen des Landesvorhabens „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) qualitativ auf eine neue Ebene zu hieven.

Idee für Kampagne entsteht in Themenworkshop

Das Angebot der Kooperationsworkshops bietet allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten des Landes die Möglichkeit, die über KAoA verankerte Zusammenarbeit unter der fachlichen Begleitung der G.I.B. zu reflektieren und zu verbessern. An einer dieser Workshop-Reihen nahmen im vergangenen Jahr in Bottrop Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, der Handwerkskammer (HWK) Münster, der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen, der Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West sowie für die Stadt Bottrop das Amt für Wirtschaftsförderung und die Kommunale Koordinierungsstelle Übergang Schule – Beruf (KoKo) teil. Sie beschäftigten sich als Partner der Kommunalen Koordinierung seit einiger Zeit im Handlungsfeld „Attraktivität des dualen Systems erhöhen“ mit der Frage, wie es gelingen kann, öffentlichkeitswirksam auf die vielschichtigen Möglichkeiten der dualen Berufsausbildung aufmerksam zu machen.

In einem Workshop unter dem Oberthema „KAoA als Marke in Bottrop“ entstand nun die Idee für die Kampagne „Ausbildung sichtbar machen“, erklärt Sachgebietsleiterin Stefanie Jägers (KoKo). Sie ist vor allem als Marketingmaßnahme angelegt und soll als eine Art Gütesiegel dienen, mit dem ausbildende Betriebe positiv auf sich aufmerksam machen können. Gleichzeitig können Jugendliche, Eltern und Lehrer sich schnell und unkompliziert einen Überblick über das Ausbildungsangebot in Bottrop verschaffen. „Die duale Ausbildung ist eine sinnvolle Zukunftsinvestition“, sagt Sara Kreipe, Abteilungsleiterin im Amt für Wirtschaftsförderung und Standortmanagement der Stadt Bottrop. „Gerade auch für kleinere und mittlere Unternehmen, die Probleme haben, ihren Fachkräftebedarf zu decken.“

Ausbildungsberufe und -betriebe in Bottrop zu einem Zeitpunkt sichtbar zu machen, an dem gerade eine große Anzahl von Ausbildungsplätzen des Bergbaus verschwindet, ist eine Entscheidung mit Hintergedanken. Zu zeigen, über welche Vielfalt an Ausbildungsberufen Bottrop verfügt, sei dabei nur ein Aspekt, sagt Stefanie Jägers: „Wir wollten vor allem eine einzige Plattform erfinden, auf der Unternehmen sich gemeinsam als Ausbildungsbetriebe präsentieren können.“ Umgesetzt ist sie seit Beginn des Jahres als interaktive Landkarte im Internet, mit bisher etwa 50 Bottroper Betrieben, die ein kurzes Unternehmensporträt und dazu die bei ihnen möglichen Ausbildungsberufe ins Netz stellen. Die weißen Flecken auf der Unternehmenslandkarte, allein im Bereich der Industrie- und Handelskammer verfügt Bottrop über 228 Ausbildungsbetriebe, sollen nach und nach durch Öffentlichkeitsarbeit und direkte Ansprache weniger werden. Auch Carsten Haack, Abteilungsleiter Bildung und Recht bei der Handwerkskammer Münster, setzt darauf, „dass wir die Zahl der teilnehmenden Handwerksbetriebe im kommenden Jahr erhöhen können“.

Interaktive Landkarte präsentiert die Ausbildungsbetriebe Bottrops

„Wir pflegen natürlich weiter unsere eigene Ausbildungsplattform“, sagt Carsten Haack. „Im Kooperationsworkshop waren wir uns aber einig, unabhängig von den individuellen Strukturen der Akteure eine berufsgruppenübergreifende Aktion zu starten. Eine, die perfekt in die Logik von KAoA passt.“ Die Kommunalen Koordinierungsstellen bemühen sich gemäß Aufgabenbeschreibung intensiv darum, die verschiedenen Akteure auf dem Ausbildungsmarkt systematisch zu vernetzen und ihre Angebote mithilfe von Eltern und Schulen den kommenden Schulabgängerinnen und -abgängern näherzubringen. Als Medium eine interaktive, internetbasierte Landkarte anzubieten, entspreche auch den Nutzungsgewohnheiten der technikaffinen Jugend, glaubt Stefanie Jägers. So lassen sich die Informationen über Betriebe und Berufe leicht auch über das Smartphone abrufen.

In Bottrop, so äußern die Beteiligten unisono, sei die Voraussetzung für die Stärkung der Kooperation innerhalb der KoKo gut. Über die gemeinsamen Anstrengungen auf dem Ausbildungsmarkt sagt Carsten Taudt, Bereichsleiter Bildung und Fachkräftesicherung bei der IHK: „Bottrop hat die Zeichen der Zeit erkannt.“ Der Ausbildungsmarkt ist aktuell angespannt, auch weil Bottrop keine Ausnahme bildet, was die demografische Entwicklung betrifft. Geburtenschwache Jahrgänge bringen weniger Schulabgänger und damit weniger Bewerber um Ausbildungsstellen hervor. Dazu kann – auch im Lichte der durch die Zechenschließung weggefallenen Lehrstellen – nicht jeder Ausbildungswunsch durch die Bottroper Unternehmenslandschaft erfüllt werden.

Das Ende des Bergbaus habe die IHK „durchgeschüttelt“, so Carsten Taudt, was die Ausbildungsverhältnisse angeht. Die Anzahl der Lehrstellen im technischen Bereich sei von 183 zu Anfang des Jahrzehnts auf nur noch 60 im Jahr 2017 zurückgegangen. Hinzu kommt der Trend zu weniger Ausbildungsbetrieben: Über fünf Jahre betrachtet gibt es im IHK-Bereich etwa 20 ausbildende Betriebe weniger (heute 228, im Jahr 2013 noch 247). Mit einer Deutung dieser Zahlen tut Carsten Taudt sich schwer. „Nicht alle Betriebe bilden jedes Jahr aus“, sagt er, „und wiederum andere Unternehmen wollen ausbilden, finden aber vielleicht keinen passenden Bewerber.“ Diese Sicht teilt auch Carsten Haack für die Handwerkskammer: „Im Handwerk haben wir häufig das Verhältnis von zwei Bewerbern für einen Ausbildungsplatz. Das ist nicht viel. Und falls keiner der Bewerber geeignet ist, bleibt ein Platz eben auch unbesetzt.“ Grundsätzlich gilt für Bottrop: „Die Anzahl der angebotenen Stellen vor Ort ist zu gering, um alle Ausbildungswilligen zu versorgen“, sagt Jeannine Bakenecker, Teamleiterin U25 bei der Arbeitsagentur Gelsenkirchen. „Bottroper Jugendliche müssen sich auch außerhalb der Stadtgrenzen orientieren, sofern sie dies nicht ohnehin aus eigenem Interesse tun.“

Impulse für mehr Ausbildung und eine bewusste Berufswahl erhofft

Für Bottrop zeichnet die Statistik der Arbeitsagentur Gelsenkirchen zum Ausbildungsstart Ende September 2018 dieses Bild: Insgesamt 909 Bewerberinnen und Bewerber suchten über die Agentur einen Ausbildungsplatz, unversorgt blieben 46 von ihnen. 618 Ausbildungsplätze waren bei der Agentur gemeldet, nicht vergeben werden konnten 58. Damit gibt es im Vergleich zum Vorjahr immerhin ein leichtes Plus an gemeldeten Stellen (+54) und einen leichten Rückgang von Jugendlichen ohne Ausbildungsstelle (-18). Aber auch die Zahl offener Lehrstellen stieg etwas an (+16). Was nach großer Nachfrage und knappem Angebot klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Passungsproblem. Es gibt nicht genügend Ausbildungsplätze in begehrten Berufen, sodass einerseits Jugendliche leer ausgehen und andererseits weniger gefragte Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. „Der Ausbildungsmarkt ist kaufmännisch geprägt“, sagt Jeannine Bakenecker von der Arbeitsagentur. Begehrt seien traditionell Ausbildungsberufe wie Kaufmann/-frau für Büromanagement oder medizinische Fachangestellte. Große Schwierigkeiten gebe es dagegen dabei, Ausbildungsplätze für Kaufmänner/-frauen im Einzelhandel oder Fachverkäufer/-innen im Lebensmittelhandwerk (Bäcker/-in) zu besetzen. Schwer hätten es diese Berufe bei Jugendlichen zum Beispiel wegen der langen Ladenöffnungszeiten oder der vermeintlich anspruchsvollen körperlichen Arbeit, sagt Jeannine Bakenecker.

Doch auch für weniger gefragte Berufe erhoffen sich die Akteure in Bottrop durch die Kampagne „Ausbildung sichtbar machen“ neue Aufmerksamkeit. Dazu könnten Jugendliche über die Unternehmensporträts auf Berufe stoßen, die sie in einem Betrieb gar nicht vermuteten. Wirtschaftsfördererin Sara Kreipe nennt das Beispiel des Bottroper Familienunternehmens Brabus, das auf Tuning für hochwertige Automobilmarken spezialisiert ist. „Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass auch bei Brabus zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel oder zum Verkehrsmechaniker für Kunst- und Kautschuktechnik ausgebildet wird“, sagt sie. Die Kampagne solle mithin alle Berufsbilder kenntlich machen, so möglich auch mit Schwerpunkten und begleitenden Werbemaßnahmen etwa für Gesundheits- oder Pflegeberufe. „Vielleicht geraten die Jugendlichen beim Suchen auf der interaktiven Landkarte ins Grübeln, ob nicht doch ein anderer als der eigene Berufswunsch infrage kommt“, sagt Jeannine Bakenecker von der Arbeitsagentur. Das funktioniere aber nur, so Wirtschaftsfördererin Sara Kreipe, wenn möglichst viele Unternehmen für die suchenden Schülerinnen und Schüler sichtbar würden. „An diesem Punkt befindet sich die Schnittstelle der Kampagne zu ,KAoA‘”, sagt Sara Kreipe. „Vielleicht können wir den einen oder anderen Unternehmer identifizieren und anlocken, der noch nicht im ,KaoA‘-Netzwerk aktiv ist.“ Die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten von „Ausbildung sichtbar machen“ könnten da den Wunsch zur Teilnahme wecken.

Kampagne kann Win-win-Situation für Unternehmen und Jugendliche sein

Die Netzwerkpartner werben in diesem Zusammenhang ausdrücklich mit dem geringen Aufwand, den Betriebe für die Kampagne betreiben müssten. Für die Inhalte der Online-Landkarte sei lediglich etwas Zeit zu opfern; Werbematerial wie Flyer, Plakate und Banner stellen die KAoA-Akteure. Gerade für kleine Handwerksbetriebe, sagt Carsten Haack von der Handwerkskammer, sei dieser kos¬tenfreie Service durchaus ein Argument. „Anders als bei größeren Industrieunternehmen verfügen Handwerker selten über eine eigene Personalabteilung, auch das Marketing ist kaum ausgeprägt.“ Nicht selten fehle zudem eine eigene Homepage, wodurch die Betriebe für die Jugendlichen gar nicht auffindbar seien. „Ausbildung sichtbar machen“ könnte so zum Einstieg in eine eigene PR-Strategie im Werben um die händeringend gesuchten Fachkräfte von morgen werden. Regelmäßige Presseberichte über ausgewählte Ausbildungsbetriebe sollen überdies dafür sorgen, dass das Projekt ins Bewusstsein der Zielgruppe rückt. „Wir haben da eher die konservative Variante im Blick“, sagt Carsten Haack, „wir denken bei Zeitungsartikeln zunächst an die Eltern, die bei der Berufswahl ihrer Kinder eine wichtige Rolle spielen.“

Das Handlungsfeld III der Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ hat zum Ziel, die Attraktivität der dualen Ausbildung zu steigern. Das Bottroper Netzwerk setzt mit der Kampagne „Ausbildung sichtbar machen“ noch einen Schritt früher an. Je mehr Betriebe mit dem selbstbewussten Bekenntnis an die Öffentlichkeit gehen, Ausbildungsbetrieb zu sein, desto eher würden bei nicht ausbildenden Betrieben womöglich Berührungsängste abgebaut. „Bei kleineren Unternehmen unter zehn Mitarbeitern liegen oft personelle und sachliche Gründe vor, nicht auszubilden“, sagt Sara Kreipe von der Wirtschaftsförderung. Oft fehle im Betrieb ein Mitarbeiter mit Ausbilderschein, es gebe keinen Ausbildungsleiter im Team oder die räumliche und technische Ausstattung eines Betriebs seien ungeeignet für den Einsatz von Auszubildenden. „Wir versuchen mit IHK, HWK und Arbeitsagentur, durch viel Aufklärungsarbeit Ausbildung dennoch möglich zu machen“, sagt Sara Kreipe. Selbst auszubilden sei ein Mittel, das Problem des Fachkräftemangels zu lindern, „daher sollten auch kleine Betriebe die Herausforderung annehmen und in die Zukunft investieren“, sagt sie. Wenn Unternehmen Mitarbeitende gewinnen wollen, sollten sie auch attraktiv für Schulabgängerinnen und -abgänger sein. „Deswegen organisieren wir Ausbildungsmessen für Unternehmen, die ausbilden. Diese Aktivitäten und auch begleitende Kampagnen wie ,Ausbildung sichtbar machen‘ kann Betrieben die Türen in die Schülerschaft öffnen.“

Einen „guten, möglichst reibungsfreien Übergang zwischen Schule und Beruf hinzubekommen“, hält auch Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler für unverzichtbar. Die Bottroper Initiative profitiere von den unterschiedlichen Stärken der vielen Partner und könne dazu beitragen, junge Leute zielgerichtet auszubilden und damit „der Problematik des derzeit deutlich angespannten Ausbildungsmarktes abzuhelfen“.
Die Bottroper Initiative ist ein gelungenes Modell, um Betrieben eine Plattform für ihre Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten und Jugendlichen eine Brücke in die Ausbildung zu bauen. Eine Win-win-Situation, die auch die G.I.B. überzeugt hat, sich als Ausbildungsbetrieb an der Kampagne zu beteiligen. Das Beispiel Bottrop zeigt eindrücklich, wie KAoA-Netzwerkpartner in Kommunen durch extern moderierte Workshops ihre Zusammenarbeit reflektieren und ausbauen können. Das Angebot umfasst für alle Kommunen in NRW mehrere Workshop-Reihen pro Jahr. Die Themenschwerpunkte sind teils vorgegeben, teils frei wählbar. Details klären die Akteure über die jeweilige Kommunale Koordinierungsstelle.


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