Aida auf der Halde begeistert Publikum und Kulturszene

Klassik traf Industrielandschaft

Während seiner "Local-Heroes"-Woche im Rahmen von "Ruhr.2010" wartete Bottrop mit der Neuinszenierung der Oper "Aida", der wohl populärste Oper von Giuseppe Verdi, auf. Der außergewöhnliche Spielort war das Amphitheater auf der Halde Haniel. In der Open-Air-Atmosphäre verband sich opulente Musik mit schönen Stimmen, einer kargen Mondlandschaft und vielen industriellen Anklängen in Kulisse und Kostümen zu einer einzigartigen Mischung. Der Premiere am Sonntag (13. Juni) folgten noch vier Aufführungen.


Großbildansicht Amonasro (gespielt von James Tolksdorf) schart seine Getreuen um sich.

Ziel von Kulturamtsleiter Dieter Wollek in der Realisierung des Bottroper Hauptbeitrages zum Kulturhauptstadtjahr war die Umsetzung einer Oper mit möglichst vielen musikalischen Kräfte aus der Stadt oder dem Ruhrgebiet. Und dies ist gelungen - sowohl bei den tragenden Rollen der "Aida", die von der Bottroperin Elisabeth Otzisk gesungen wurde, und der "Amneris" (Maria Ferencik) sowie der Oberpriesterin (Christina Meuers), als auch beim Projektchor der Arbeitsgemeinschaft Bottroper Chöre, den Bottroper Symphonikern, den Balletteleven von Ulla Schulte-Zurhausen und den Statisten, die Schüler des Bottroper Heinrich-Heine-Gymnasiums stellten. Gesangsprofis und ehrenamtliche Kräfte bildeten eine homogene Einheit, der seit über einem Jahr probende Chor wuchs über sich hinaus.

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Quelle: www.mypott.de


Großbildansicht Aida (Elisabeth Otzisk, knieend) und Amneris (Maria Ferencik) ringen um die Gunst von Feldherr Radames.

Auch der junge Regisseur Thomas Grandoch ist ein gebürtiger Bottroper, der in seiner Heimatstadt die ersten Inszenierungen übernommen hat, und der derzeit in Berlin künstlerisch aktiv ist. Die Chance der nun ersten großen Inszenierung hat Grandoch weidlich genutzt, zeigten sich Kritiker und die 5.000 Zuschauer der fünf Aufführungen einhellig überzeugt. Grandochs Inszenierung spielte nicht in Ägypten, sondern siedelt die unglückliche Geschichte einer hoffnungslosen Liebe in einer apokalyptischen Aera eines Industriezeitalters an. Die mit vielen Hochrufen gefeierte Ausstattung (Kostüm- und Maskenbild Jose Eduardo Luna, unterstützt von Schülerinnen des Berufskollegs Bottrop) und Regieeinfälle ("Radames" - Ernesto Grisales - erscheint beim Triumpheinmarsch nicht auf dem Streitwagen, sondern wird auf der Vorderpartie eines tonnenschweren Muldenkippers vorgefahren) unterstrichen die Assoziationen zu Industrie und speziell dem Bergbau.

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In den Gesangsparts glänzten neben Otzisk und Grisales, der den Radames auch schon u.a. in Verona gegeben hat, Maria Ferencik als "Amneris", Kristof Klorek als "Ramfis", Bart Driessen als König und Ingmar Klusmann als Bote. Der Bottroper Chordirektor Ludger J. Köller hatte die Laien-Chorsänger zu einer bemerkenswerten Reife und Geschlossenheit geführt. Dirigent Joachim Mayer-Ullmann leitete ein gut aufgelegtes Orchester.

Auf die Zuschauer wartete kein klassisches Bühnenbild: Thomas Grandoch hatte ein Segment des Amphitheaters mit einer rostigen Wasserrutsche, umrahmt von riesigen Werkzeugteilen und anderen Industriegerätschaften, hin zu einem drehbarer Steg ausgestattet. Die "Aida" in neuen Kleidern und in einem neuen Gepräge, aber sonst ganz klassisch in voller Länge und in italienischer Originalsprache, wobei ein Erzähler (Jürgen Kluckert) vor jedem der vier Akte einen Einblick in den folgenden Handlungsstrang der Oper gab. Regisseur Thomas Grandoch war und ist fasziniert von der spannungsgeladenen Handlung der Oper: "Vor allem die archaische Thematik, die geprägt ist von Liebe, Hass, Krieg und Entzweiung werden in unserer heutigen Gesellschaft kaum noch angesprochen. Aber als Regisseur kann man diese noch ausdrücken und beim Zuschauer Emotionen hervorrufen."

Randi Diesterbeck, die eine Sklavin in der Oper verkörpert, zeigte sich begeistert, dass sie mit professionellen Musikern zusammenarbeiten konnte. "Es war ein wahnsinniges Gefühl, ein Teil von diesem Ganzen zu sein." Sie gehörte dem Projektchor an, der nur für diese Opern-Inszenierung gegründet wurde. "Wir sind in der Vorbereitung oft an unsere Grenzen geführt worden, doch wir haben die Anforderungen alle meistern können."

Die Besucherinnen Helga Walter und Christel Berger waren begeistert von der Premieren-Vorstellung. "Die Einfälle des Regisseurs sind sehr beeindruckend und anders, als man eine gewöhnliche Aida-Inszenierung kennt. Die Kostüme sind eindrucksvoll und aufwändig", beschrieb Helga Walter ihren Eindruck. "Die jungen Balletttänzerinnen in der Triumphszene sind eine Augenweide!."

(21.06.2010)



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